Nachrichten | Hosteleria

Palma de Mallorcas opulenteste Bar muss schließen

Im Ábaco haben schon Generationen über die hohe Rechnung gestaunt. Nun soll die sonderbare Gaststätte in Palma ab 2020 einem Hotel weichen
14-08-2018 23:00
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Leise erklingt im Hintergrund klassische Musik, aufwendige Blumengestecke zieren den überdachten Innenraum des Stadtpalastes ebenso wie riesige Mengen an Obst, das dekorativ auf dem Boden angerichtet ist. Kerzenleuchter stehen auf den Tischen, Keramikteller und Gemälde hängen an den Wänden. Das Ábaco ist eine von Palmas kurioseren Bars – zumindest noch für die kommenden anderthalb Jahre. Denn nach 38 Jahren muss das gerade bei Urlaubern beliebte Lokal Ende 2019 dichtmachen. Der Eigentümer des Gebäudes hat den Pachtvertrag nicht verlängert. Stattdessen ist er mit einem Hotelier handelseinig geworden.

Juan José Palao ist fassungslos über diese Entscheidung. „Dies ist ein einzigartiger Ort, der zerstört wird. Und für was? Für Geld." Palaos Bruder Salvador, der seit einigen Jahren schwer erkrankt ist, hatte das Konzept für die Bar 1981 zusammen mit seinem Geschäftspartner Sebastián Lloret erarbeitet. Salvador Palao wollte einen Ort schaffen, der sich wie die Szenerie einer Renaissance-Oper anfühlt. In dem alten Stadtpalast Can Marcel, den er bei seinen Spaziergängen durch das damals noch heruntergekommene Seemanns-Viertel La Lonja entdeckt hatte, fand er dafür die perfekte Immobilie. „Als mein Bruder das Haus anmietete, hätte niemand auch nur einen Cent in diese Gegend investiert", sagt Juan José Palao. Sogar der Immobilienmakler habe sich geweigert, das Haus überhaupt zu betreten, Salvador stattdessen den Schlüssel mitgegeben und ihn nebenbei wahrscheinlich für verrückt erklärt.

Das Viertel wiederbelebt

Jetzt, knapp 40 Jahre später, sind es dieselben Eigentümer, die der legendären Touristenfalle ein Ende bereiten. „Ich will mich nicht mit zu vielen Lorbeeren schmücken", sagt Juan José –Palao, der vor Eröffnung des Lokals als Blumendekorateur und Buchhalter tätig war. „Aber das Ábaco hat wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Viertel wiederbelebt wurde. Mir scheint, dass der Vermieter aus diesem unseren Erfolg nun Kapital schlägt. Das barocke Konzept der Bar sorgte schon kurz nach der Eröffnung für internationales Aufsehen. Die Geschäftsführung zitiert gern einen Artikel der „Financial Times" aus dem Jahr 1984. Darin heißt es, das Ábaco sei die wohl bemerkenswerteste Bar der Welt. „Für manche der Kunden war es ein besonderer Kick, durch diese anrüchigen Gassen zu gehen, um dann in einem so prachtvollen Raum zu gelangen", erinnert sich Palao.

Das Erlebnis hatte schon immer seinen Preis. Das Ábaco ist alles andere als billig. 16 Euro kosten die Cocktails im Schnitt. Dabei setzt die Bar auf keine besonderen Spirituosen. Durchschnittliche bis etwas gehobene Supermarktware steht an der Backbar. „Es ist nicht so, dass unsere Gewinnmargen außergewöhnlich hoch wären. Aber die ganze Deko kostet viel Geld", sagt Palao. „Allein unser Blumenbudget übersteigt monatlich die 5.000 Euro." Auch auf die Gläser sei man stolz. „Wir verwenden portugiesische Gläser, die in Sevilla von Hand gefräst werden", erzählt der Gastronom. „Jedes Glas kostet uns 16 Euro." Schaut man sich jedoch abends im Ábaco um, sind von den hochwertigen Gläsern nur wenige zu sehen. Es dominiert Standardware. Und die Karte bietet nur wenige Optionen für abenteuerfreudige Cocktailfans. Klassiker wie der Negroni wechseln sich mit Drinks aus der Kategorie „süß und bunt" ab. Und der Whiskey Sour wird mit ­Crushed Ice in einem Martini-Glas serviert. Es ist erstaunlich, dass man bei aller Opulenz und Ästhetik so nachlässig bei den Drinks ist.

Drei Hotels im Umkreis

Dennoch ist die Idee, im alten Stadtpalast ein Hotel zu errichten, ziemlich absurd, wenn man bedenkt, dass es schon drei andere Hotels in einem Umkreis von 50 Metern gibt. Diversifizierung sieht anders aus. Trotz der strengen Auflagen der Stadt für neue Hotels ist die Umwidmung rechtlich möglich. In denkmalgeschützten Gebäuden mit maximal drei Wohnungen von mehr als 300 Quadratmetern dürfen weiterhin Fünf-Sterne-Hotels mit maximal 20 Zimmern entstehen.

Die Urlauber, erzählt Palau, seien von Anfang an die treibende Kraft hinter dem Erfolg der Bar gewesen. „Vor allem die Deutschen sind immer gern gekommen. Oft haben wir es erlebt, dass jene, die als Kinder mit ihren Eltern hier waren später ihren eigenen Nachwuchs mitgebracht haben." Eine neue Chance werden sie nicht bekommen. „Es kann kein anderes Ábaco geben, allein schon wegen des Namens." Die Bar ist nach den viereckigen Platten auf den Säulen des Innenraumes – zu Deutsch Abakusse – benannt. „Denn wo sollen wir in Palma noch einmal so einen Ort finden?"

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