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Die Sterne weisen nach Palma de Mallorca

Von Traditionsküche bis Avantgarde – und alles auf höchstem Niveau: Immer mehr Topköche zieht es in die Balearen-Hauptstadt. Die Trends der Gourmet-Hochburg Mallorca
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Sternekoch Tomeu Caldentey aus Sa Coma (Restaurant Bou) hat nach dem Taronja Negre Mar mit dem Tomeu mittlerweile   sein zweites Restaurant in Palma eröffnet. Foto: S. Terrassa

Sternekoch Tomeu Caldentey aus Sa Coma (Restaurant Bou) hat nach dem Taronja Negre Mar mit dem Tomeu mittlerweile sein zweites Restaurant in Palma eröffnet. Foto: S. Terrassa

MARTINA ZENDER Palma erlebt aktuell einen Boom an neuen schicken Hotels der Fünf-Sterne-Kategorie. Und jedes verfügt über die adäquate Gastronomie, teils auch geleitet von den besten Köchen der Insel, die neben ihren Sternelokalen – meist entfernt von Palma gelegen – sich gerne auch in der Inselhauptstadt präsentieren und so dem Image der Hotels zusätzlich ein Gourmet-Krönchen aufsetzen.

Dies trifft auf Tomeu Caldentey zu, der neben seinem Restaurant Bou in Sa Coma zwar schon seit bald drei Jahren das Taronja Negre Mar im Club de Mar am Hafen von Palma betreibt, aber im Sommer 2017 zusätzlich auch das elegante Tomeu in der Altstadt im neuen Hotel Sant Jaume eröffnet hat. Alle drei sind anders, und alle drei sind empfehlenswert: Avantgarde-Luxus mit Michelin-Stern im Bou, hochherrschaftlich speisen im Nobelstil vergangener Zeiten im Tomeu und leger-günstiger, aber mit Niveau im Taronja Negre Mar.

Auch Sternekoch Andreu Genestra, der bei Capdepera seine Lokale Andreu Genestra und SenZill im Hotel Predí Son Jaumell führt und bei Can Picafort Supervisor des Royal Beach Clubs ist, hat seit rund drei Jahren mit dem Aromata in Palma eine Stadt-Dependance. Doch dies reicht dem umtriebigen jungen Herdkünstler nicht, denn aktuell ist er zudem auch Chef der Gastronomie im brandneuen Hotel Es Princep mit den zwei Restaurants Bala Roja (Gourmetlokal) und Mura (ambitioniert-normale Küche). In allen Lokalen bleibt er auf unterschiedliche Art seinem Stil treu, den er unter dem Motto „Cuina de la terra" sehr heimatverbunden zusammenfasst: „Unsere Produkte sind so gut, warum sollte ich etwas anderes nutzen."

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres eröffnete das Rosetó im Hotel Petit Palace, für das ein altes Kloster umgestaltet worden ist. Hier sorgt Berater Joan Marc (vom Restaurant Joan Marc in Inca) in Zusammenarbeit mit dem Chefkoch Juanma Otero für den gastronomischen Mallorca-Touch. Bereits eröffnet ist auch das 18-Zimmer-Hotel Summum mit dem Restaurant Equus, wo der Belgier Cédric Lebon das Küchenzepter in der Hand hält und seine Gäste mit französischer Küche verwöhnt.

Kurz vor der Eröffnung

Und es geht weiter: Demnächst wird der Baske Igor Rodríguez, der „König der Pintxos" (er gewann im November den nationalen Tapa- und Pintxo-Wettbewerb) ein legeres Pintxo-Restaurant mit Häppchen-Klassikern, aber auch seinen außergewöhnlichen Eigenkreationen am Paseo Mallorca eröffnen. Im Sommer wird das Hotel Can Bordoy in Palmas Llonja-Viertel starten. Hier wird Andrés Benitez Chefkoch, der diese Position lange Jahre bei Tomeu Caldentey innehatte. Sein Küchenstil: modern- mallorquin. Im Spätherbst – und das ist wohl die spannendeste Nachricht für Genießer – plant der Mann mit einer der längsten Gäste-Wartelisten in ganz Spanien, Santi Taura, mit seinen Restaurants Santi Taura und Dins von Lloseta nach Palma zu ziehen, „mitten ins Calatrava-Viertel mit seiner jüdischen, arabischen und mallorquinischen Geschichte, die auch unsere Küchengeschichte nachhaltig geprägt hat", wie er sagt. Auch hier, direkt an der Stadtmauer, eröffnet ein Hotel. Doch noch sind die Bauarbeiten in vollem Gange.


Neu, wild, anders

Hinter dem Vandal, dem aktuellen Preisträger der balearischen Gastrokritiker in der Kategorie „Restaurant-Entdeckung" und dem Clandesti, das im letzten Jahr den gleichen Preis erhielt, stecken indes junge Wilde, die angesagt und anders sind. In beiden Restaurants wird in modern-hipper Atmosphäre wild gemixt und Traditionelles schräg verfeinert. Während die ausgefallene Speisekarte des kreativen Bernabé Caravotta im Vandal durch seine vielen Reisen und kulinarischen Erfahrungen inspiriert wurde, bieten Pau Navarro und seine Frau
Ariadna Salvador mit dem Clandestí eine Avantgarde-Version mallorquinischer Küche. Da dürfen dann auch Innereien von Fisch und Fleisch nicht fehlen. Gerade mal 12 Gäste werden von den beiden bekocht.

Frisch, gesund und hip

Auch auf Mallorca isst und trinkt man mittlerweile gesünder und bevorzugt Bioprodukte. Tagescafés, die bekömmliche Kost mit gesunden Säften und Smoothies kombinieren, nachhaltiges Geschirr nutzen, Take Away anbieten, kinderfreundlich agieren – teils mit eigener Kinderspielzone – und eine lässige Atmosphäre vermitteln, liegen derzeit absolut im Trend. Und es werden immer mehr. Die Simple Smart Food Bar hat mittlerweile gleich zwei Lokale. Das Santosha, geführt von den zwei irischen Schwestern Ursula und Ruth sowie Ruths israelischem Mann in der Altstadt begeistert mit seinen Gerichten aus Bioprodukten, darunter jede Menge vegetarische Optionen, und einem leckerem Frühstück.

Im neuen mymuybueno Deli der Engländerin Justine Murphy kocht man wiederum mit Bio-Produkten vegan und verzaubert zudem in hübscher Atmosphäre mit mallorquinischen Accessoires im ersten Stock gegenüber der Hauptpost von Palma.

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