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Mallorca-Hotelkette Barceló: im Kleinbus zum Imperium

Barceló Hoteles & Resorts ist heute die drittgrößte Hotelkette in Spanien. Ihr Begründer Simón Barceló begann mit einem bescheidenen Transportunternehmen. Teil 19 der Serie über die Hotelketten der Insel
10-02-2018 00:00
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Auch auf den Kanaren ist Barceló präsent: hier der Pool des Royal Hideaway Corales Resort nahe Adeje auf Teneriffa. Foto: Barceló Hoteles & Resorts

Auch auf den Kanaren ist Barceló präsent: hier der Pool des Royal Hideaway Corales Resort nahe Adeje auf Teneriffa. Foto: Barceló Hoteles & Resorts

Umgerechnet 54 Euro steckte Simón Barceló Obrador aus Felanitx 1931 in seinen ersten Kleinbus, mit dem der 29-Jährige einen regelmäßigen Busservice zwischen dem Dorf im Südosten der Insel und Palma aufbaute. Damit legte der zuvor als Bote tätige Barceló den Grundstein für eines der größten Tourismusunternehmen in Spanien: Barceló Hoteles & Resorts mit Sitz in Palma de Mallorca.

„Simón musste sich das Geld für seinen ersten Bus damals von seinen Eltern und aus eigenen Ersparnissen zusammenkratzen", erzählt der Geschäftsführer der Hotelkette für Europa, den Nahen Osten und Afrika, Raúl González, beim Treffen mit der MZ. Das Geschäft florierte: Fünf Jahre später besaß Simón Barceló vier Busse. Seine beiden Söhne Gabriel und Sebastián mussten bereits 1939 im Teenager-Alter mithelfen, so viel Arbeit fiel an.

Den nächsten Wachstumssprung machte das kleine Transportunternehmen 1954. Barceló kam die Entscheidung des Reiseanbieters Ultramar Express aus Barcelona zupass, auf Mallorca ein Filialbüro aufbauen zu wollen. Barceló eröffnete eine Franchise-Agentur auf der Insel, sein Sohn Gabriel sollte dieses übernehmen. Nur vier Jahre später starb Simón Barceló im Alter von nur 56 Jahren.

Gabriel führte das Unternehmen weiter, dabei half ihm sein zweiter Sohn Sebastián. Gabriel war für das Reisebüro verantwortlich, Sebastián kümmerte sich um das Busunternehmen. 1960 wurde der Reise­anbieter Ultramar Express verkauft, die neuen Besitzer schlugen Gabriel Barceló vor, als Geschäftsführer auf ­Mallorca zu fungieren. Die beiden Brüder schliefen eine Nacht da­rüber – und entschieden, stattdessen eine eigene Reiseagentur mit dem Namen ­Barceló Viajes zu gründen.

Immer mehr Touristen besuchten die Insel und die Nachfrage wuchs den beiden Brüdern bald über den Kopf, sie kamen mit den zur Verfügung stehenden Betten vorn und hinten nicht hin. Sie versuchten, mit einem anderen Hotel an der Playa de Palma zusammenzuarbeiten, doch sie konnten in der Kon­stellation zu wenig selbst mitgestalten. Von Sebastián Barceló ist ein Zitat aus dem Jahr 1963 überliefert: „Wir haben uns jeden Samstagnachmittag getroffen, und an einem dieser Samstage war Gabriel äußerst besorgt. ,Mir fehlen 300 Zimmer', sagte er zu mir. ,300 Zimmer, und ich kann sie nirgends auftreiben.' In diesem Moment entschieden wir, dass wir ein Grundstück finden und ein Hotel bauen mussten."

Im Mai 1965 wurde das Barceló Pueblo eingeweiht, mit 200 Zimmern außergewöhnlich groß für diese Zeit, später erweiterte man den Bau mit weiteren 160 Zimmern.

Mit Construcciones Arte hatten die Barceló-Brüder für den Hotelbau und die folgenden eine eigene Baufirma gegründet. „Aus heutiger Sicht ist es ungewöhnlich, alles selbst zu machen. Aber damals war es das Schnellste und Effektivste", erklärt CEO Raúl González. Schnell entstanden weitere Häuser auf Mallorca, auf Ibiza, in Benidorm und auf Menorca. Ihre Projekte finanzierten die Barceló-Brüder vor allem mit dem Geld der Reiseveranstalter, mit denen sie zusammenarbeiteten. Diese beteiligten sich an der Finanzierung der Hotels und sicherten sich im Gegenzug einen großen Teil der Zimmer für ihre Kunden.

So konnte Barceló schließlich auch die internationale Expansion stemmen. 1982 war Gabriel Barceló bei einer Geschäftsreise auf die damals jungfräuliche Playa Bávaro nahe Punta Cana in der Dominikanischen Republik aufmerksam geworden. Für ihn war klar, dass er hier ein Hotel bauen musste. Seine Mitarbeiter reagierten skeptisch, schließlich gab es noch nicht einmal eine Straße in diesen abgelegenen Winkel. Barceló musste von einer Firma, die Baumaterialien herstellte, über ein kleines Kraftwerk und eine Kläranlage bis hin zur Straße alles aufbauen, was das Hotel benötigte.

1985 eröffnete das 400-Zimmer-Haus Bávaro Beach Resort seine Türen – und die Urlauber aus den USA und Kanada rannten ihm diese sprichwörtlich ein. Vier weitere Hotels folgten in unmittelbarer Nachbarschaft bis 1989, bevor weitere Ziele in der Karibik wie Mexiko oder Costa Rica dazukamen. Ab Ende der 90er-Jahre fuhren Gabriel und Sebastián ihr Engagement langsam zurück und übergaben die Verantwortung in die Hände der dritten Generation. Insgesamt hatten die beiden elf Kinder. Die drei Männer Simón, Simón Pedro und Guillermo sitzen im Verwaltungsrat, alle acht Töchter besitzen Anteile am Unternehmen, sind aber nicht am operativen Geschäft beteiligt.

Der Übergang in die dritte Generation ist oft nicht problemlos. Raúl González, der als externer Berater im Zuge des Übergangs 1994 zu Barceló kam, sagt: „In vielen Fällen baut die erste Generation das Unternehmen auf, die zweite baut es aus, und die dritte zerstört es." Dazu kam es bei Barceló nicht, das Unternehmen wächst beständig weiter. Jedes Jahr etwa 20 neue Hotels sollen auf organischem Weg dazukommen, sagt González. Auch im Segment der Stadthotels ist Barceló inzwischen aktiv, eines davon steht in Hamburg. „Wir würden gern mehr Hotels in Deutschland haben, aber die Bedingungen sind ungünstig. Selbst eines zu bauen, ist sehr teuer, und die Mietkonditionen sind uninteressant", sagt González.

Ein Wachstumsversuch wurde Anfang Januar unsanft gestoppt. Barceló wollte mit der Business-Hotelkette NH fusionieren, doch der Aufsichtsrat des madrilenischen Unternehmens erteilte den Mallorquinern eine deutliche Abfuhr (MZ berichtete). González wundert sich über die Erklärung des Aufsichts­rates. „Es hätte ja gereicht, einmal zu ­schreiben, dass der Beschluss gegen die Fusion einstimmig zustande kam. Aber das stand dreimal auf eineinhalb Seiten." So werde Barceló nach Alternativen suchen. Aber auch wenn das nicht gelingt, ist das Ziel für 2018, Konkurrent Riu als zweitgrößte Kette in Spanien abzulösen.

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