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Restaurant Nama: Asiatisch über den Bergen

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Restaurant Nama: Asiatisch über den Bergen

Carrer Arxiduc Luís Salvador, 24
Deyá - Mallorca

Tel.: +34 971-63-61-02

In den Bergen von Deiá kocht Bonnie aus Singapur. Sie kombiniert verschiedene, asiatische Küchen miteinander.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       

Missy – Gott hab sie selig – war Zeit ihres Lebens eine glückliche Kuh, aufgewachsen auf den Feldern von Georg Bräutigams Biofarm Binifela bei Artà. Und nun erfreut sie all jene Gäste im Restaurant Nama in Deià, die sich ein Gericht mit Rindfleisch bestellen, etwa ein asiatisches pikantes Steak Tartar in knuspriger Wan-Tan-Hülle mit Koriander, ein balinesisches Surf-&-Turf-Gericht mit Rind, Garnelen und Kokos-Curry oder das Rind à la Japan im Teppanyaki-Stil mit Sesam und Wok-Gemüse.

Bonnie, alle Welt nennt sie Bonnie, obgleich sie eigentlich Ser Ching Han heißt, ist die temperamentvolle, energiegeladene, passionierte Köchin des Lokals und hat Missy schon Anfang des Jahres ausgesucht. Sie ist die Tochter eines Kochs aus Singapur, der in seinen Restaurants gehobene französisch inspirierte Küche anbot – zunächst in Singapur, dann in Australien. Aufgewachsen ist sie quasi im Restaurant, ihre Mittagssiesta als Kind verbrachte sie schlafend auf Reissäcken im Lager. „Da konnte nichts anderes rauskommen als Köchin“, sagt die 43-Jährige, deren Familie bis heute in Singapur ein kleines Gastro-Imperium führt – Michelin-Restaurants und Mikro-Brauereien inklusive. „Eigentlich bin ich diejenige, die diese Geschäfte übernehmen sollte, weil ich die Einzige in der Familie bin, die Köchin gelernt hat.“ Aber Bonnie entschied sich anders und entzog sich diesem Zuviel an Familie, wie sie meint. Mit ihrer spanischen Freundin Arantxa, die sie in Australien kennengelernt hatte, zog sie in deren Heimat Valencia, wo sie einige Jahre lang erfolgreich Restaurants führte. „Doch Valencia fand ich nicht so schön”, daher seien sie dem Ruf von Koldo Royo gefolgt, den sie bei gemeinsamen Koch--Events kennengelernt und der ihr von Mallorca vorgeschwärmt habe.

Hier eröffnete sie zunächst in Palma das Appetite mit karibisch-asiatischer Küche, dann in Port Portals ein Thai-Restaurant namens Thairiffic und ebenfalls in Palma ein Churasco-Lokal. Diese drei Restaurants hat sie abgegeben, nachdem sie sich für eine Partnerschaft im Nama letzten Herbst entschieden hat.

Bonnies Kochstil im Nama ist asiatisch, inspiriert von mehreren Ländern wie Thailand, Japan, Vietnam und China. „Eigentlich koche ich alles gerne, aber je weiter weg von Asien ich lebe, desto mehr fühle ich mich dieser Küche verbunden.“ Probiert wurden am Testtag beispielsweise köstliches Tunfisch-Tataki mit Wasabi-Avocado-Mousse, Ingwer und Yuzu-Sauce, feine Garnelen, gebraten mit Chili, Knoblauch, Ingwer, Sesam und Gemüse, das thailändische Nudelgericht Pad Thai mit Ente, Erdnüssen und viel Gemüse sowie eine knusprige Ente mit Ananas, Litchi und rotem Curry. 

Alles ist exzellent abgeschmeckt – nicht zu scharf, aber doch scharf genug – ist attraktiv angerichtet und vorzugsweise aus Bio-Produkten gekocht, die sie, speziell Obst und Gemüse betreffend, von Bauern auf der Insel kauft. Die Preise sind gehoben, aber sowohl dem Ort, dem Ambiente und der Kochkunst angemessen: Vorspeisen: 12–23 Euro, Hauptspeisen 21–35 Euro. 

Apropos: Hundebesitzer können sogar ein frisch gekochtes Zweigang-Menü für ihren Vierbeiner ordern. Bonnie hat darin Erfahrung, gründete sie doch auch eine Hundefutterlinie Doggylicious (die sie jetzt verkauft hat) und hat selbst zwei, wie sie sagt, mittlerweile taube und blinde ältere Hunde, die sie innigst liebt. „Ich habe Letztens für einen Hundegeburtstag eine große -Hundetorte gebacken – das war aber keine gute Idee, weil sich an die 20 Hunde auf einmal auf den Kuchen stürzten“, sagt Bonnie und lacht. Demnächst würde sie stattdessen besser Doggy-Cupcakes backen …

Das Restaurant führt sie gemeinsam mit ihrer Partnerin Arantxa und dem Paar Namali
Schlehberger und Linus Gerdemann. Die beiden Letzteren haben das Nama ursprünglich alleine im Frühjahr 2016 gegründet, damals noch mit einem anderen Chefkoch. „Doch das hat nicht so richtig funktioniert und eine Bekannte empfahl mir damals Bonnie. Als sie zur Tür hereinkam, wusste ich, sie gehört zu uns“, so Schlehberger. Sie ist halb Deutsche, halb Srilankerin. Gerdemann, ihr Partner in Business und Liebe, stammt aus Münster. Beide waren gastronomische Neulinge, denn Schlehberger war ursprünglich Fernsehredakteurin und später Bühnenbildnerin. Auf Mallorca lernte sie Linus Gerdemann kennen, er war bis zum letzten Jahr Radsportprofi. „Wir wollen im Nama all das verwirklichen, was uns als Gäste auch in Restaurants gefällt“, so Gerdemann, und Schlehberger ergänzt: „Ich sehe mich eher als gute Seele des Restaurants und kümmere mich um Gäste und Dekoration.“ 

Und die kann sich wirklich sehen lassen. Auf zwei Ebenen – die obere Terrasse ist nur abends geöffnet (Ausnahme: Gruppen) findet sich mit Traumblick über Deiàs Berge und Dorf ein geschmackvoll eingerichtetes Lokal mit lilafarbenen und beigen Leinentischtüchern, interessanter Kunst an den Wänden und im ersten Stock ein Chiringuito-ähnliches Strohdach, das die Leichtigkeit und das legere Ambiente perfekt ergänzt. „Die Gäste sollen sich wohlfühlen, ohne steifen Service, das ist die Hauptsache“, so Gerdemann. Dieser Aspekt steht auch bei der Bar im Vordergrund, die sie in wenigen Tagen neben dem Lokal eröffnen werden. Hier hat der Designer Matthew Williamson (er arbeitete schon für Pucci und kreiert neben Mode vor allem Stoffe und Tapeten) ganze Arbeit geleistet und ein opulent-exzentrisch-gemütliches Plätzchen geschaffen. Vorrangig in Blau-Lila-Tönen gehalten.

Martina Zender

Überblick: Restaurants auf Mallorca

(Stand: Juni 2017)

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