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Bodega Es Fangar - Tempel des Bio-Weines

Dass die deutschen Eigentümer des Anwesens zwischen Felanitx und Manacor eher klotzen als kleckern, ist bekannt. Nun können sie der Öffentlichkeit auch eine hochmoderne Bodega präsentieren
15-03-2019 00:00
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Der Raum zur Verkostung befindet sich in einem Zwischengeschoss.  Foto: Nele Bendgens

Der Raum zur Verkostung befindet sich in einem Zwischengeschoss. Foto: Nele Bendgens

MARTINA ZENDER Wer Großes schaffen will, muss Visionen, Ziele, Ideen haben – und auch Geld. Alles zusammen hatten der deutsche Anlagenbauer Peter Eisenmann und seine Frau Sabine, als sie im Jahr 2000 das riesige Anwesen Es Fangar zwischen Felanitx und Manacor kauften. Einer ihrer Leitsprüche lautet: Keine Kompromisse bei dem, was wir tun und wie wir es tun. Neben einem Naturpark, der an die 400 Hektar umfasst, diversen luxuriösen Ferienunterkünften, einem Gestüt mit Hannoveraner Pferden und einer ambitionierten Bio-Landwirtschaft – das Ganze auf Basis erneuerbarer Energien – widmet man sich auf dem insgesamt 1.000 Hektar großen Areal auch dem Wein. Um ihn auszubauen, haben die Eisenmanns am Rande von Felanitx eine neue Bodega mit einer Produktionskapazität von bis zu 350.000 Litern errichtet. Ende 2014 begann der Bau, schon seit 2016 werden dort Trauben zu Wein verarbeitet. Die Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit, wie das Foyer, der Laden oder der Verkostungsraum, aber sind erst seit Kurzem fertig, sodass die Bodega erst jetzt offiziell eröffnet wird.

Ober- und unterirdisch gibt es viel zu sehen

Die Gesamtinvestition beläuft sich auf acht Millionen Euro. Dafür beeindruckt die von außen eher unscheinbare Halle innen nicht nur mit Ästhetik, sondern auch mit ihrer Aufteilung in zwei oberirdische und einen unterirdischen Bereich sowie mit neuester, teils von der Firma Eisenmann entwickelten und konstruierten Technik. Die Besucher betreten zunächst das hohe Eingangs­foyer, dunkellila getönt mit einer riesigen angestrahlten Deckenskulptur, die aus Hunderten von Spiegeln besteht, die wie Weinblätter geformt sind und Licht und Schatten auf die Wände werfen. Darunter steht ein aus alten Olivenbaumwurzeln und mit einer Glasplatte belegter massiver Tisch. Links befindet sich ein kleiner Shop mit Weinen und den weiteren Produkten von Es Fangar wie Marmeladen, Saucen, Honig, Oliven- und Mandelöl. Von dort geht es weiter ins Weinreich: per Aufzug oder Treppe nach oben zu den Labors oder nach unten zur Fass- und Flaschenlagerung.

Der Geschäftsführer der Weinproduktion und gleichzeitig auch der „Weinmacher" von Es Fangar heißt Daniel Morales Rodríguez. Der 42-Jährige stammt aus der katalanischen Weinanbau-Region Priorat, hat eigentlich eine Ausbildung als Grafikdesigner absolviert, war als Bildhauer aktiv („dafür fehlt mir leider heute die Zeit") und ist eher zufällig beim Wein gelandet. „Anfangs hab ich als Studentenjob bei der Lese mitgemacht. Dann hat mich das Thema Wein nach und nach immer mehr interessiert." Er lernte bei den besten Bodegas des Priorat und arbeitete auch in Südafrika auf Weingütern. 2005 kam er nach Mallorca, vor allem weil er ein Jahr zuvor in seiner Heimat eine Praktikantin und engagierte Nachwuchswinzerin kennen- und lieben gelernt hatte: Xisca die Tochter von Mallorca-Winzer Toni Gelabert, mittlerweile seine Frau und Mutter der gemeinsamen drei Kinder.

Ökologischer Anbau spielt entscheidende Rolle

Nach einem Job bei einer anderen Bodega begann er im Frühjahr 2006 bei Es Fangar. Die Eisenmanns pflanzten 2005 auf 35 Hektar die ersten Reben Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Chardonnay und ein wenig Callet. „Ich habe dann in den folgenden Jahren das Weingut um einige 'fremde' Traubensorten wie Viognier, Muscat sowie vor allem um autochthone Traubensorten wie Callet, Manto Negro, Gorgollasa, Premsal und Giró Blanc erweitert", sagt Daniel Morales, „aktuell bewirtschaften wir 56 Hektar." Der ökologische Anbau spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auf Es Fangar wird mit dem hauseigenen Pferdemist und dem Kompost der Landwirtschaft gedüngt, Morales arbeitet ebenso wie sein Schwiegervater Toni Gelabert mit den Mondzyklen, und auch die 22 Bienenvölker des Anwesens helfen mit. „Da die Vögel viele Weinbeeren nur anpicken, würden viele Beeren verfaulen – wenn da nicht die Bienen wären, die sie aushöhlen. So greift das Verfaulen nicht auf die gesamte Traube über", erklärt Daniel Morales.

Bei der Produktion wird ebenfalls auf jedes Detail geachtet, damit die Beeren möglichst unbeschadet und zügig ihren Weg antreten. Bei aufgebrochenen Beeren startet durch den Luftkontakt sofort die Fermentation, die aber erst kontrolliert in den Tanks beginnen soll. Um Pumpen zu vermeiden, die die Beeren weitestgehend zerstören würden, hat die Firma Eisenmann eine elektrische Hängebahn mit Greifarm entwickelt, die sich an Deckenschienen durch das Erdgeschoss bewegt. Sie transportiert kleinere Stahlbehälter mit den von Hand selektierten Beeren und den Most behutsam zu den Tanks. Die Tankgröße, es sind bis auf vier Holztanks alles Isotherm-Tanks mit doppelten Wänden für eine bessere und energieschonende Temperaturkontrolle, fassen zwischen 1.500 Liter und 12.000 Liter, je nachdem, ob es sich eher um „Experimente" mit verschiedenen Cuvees handelt („die Weine der Zukunft", so Morales) oder um den Ausbau von Weinen. Dabei und auch schon bei der Lese verlässt sich Morales weniger auf Laborarbeit als auf die „eigenen Empfindungen und Geschmacksnerven". Der Klimawandel würde die üblichen Kriterien und Berechnungen ohnehin über den Haufen werfen.

Die Ergebnisse der Vinifizierung können in einem schicken Verkostungsraum auf einer unteren Zwischenebene gekostet werden. Nach der letzten Lese produzierte Es Fangar etwa 100.000 Liter. Insgesamt gibt es zurzeit neun Weine. Neu sind der fruchtige Weißwein Sa Sivina 2018 aus Giró Ros und Premsal-Trauben sowie der leichte (13 %) Rotwein Son P 2107, eine Cuvee aus Callet, Cabernet Sauvignon, Merlot und Manto Negro. Highlights sind die Rotweine Elements 2012 aus Callet, Cabernet Sauvignon aus fünf verschiedenen Rotweintrauben, mindestens 24 Monate im Fass ausgebaut und 18 Monate in der Flasche. Wobei Morales diese Zeiten eher verlängert: Die Lese von 2012 ist erst jetzt für etwa 25 Euro im Handel. Noch edler ist der Rotwein N'Amarat aus Callet, Cabernet Sauvignon und Merlot mit etwas Manto Negro, 32 Monate und mehr im Fass ausgebaut kostet er rund 35 Euro.

INFORMATION
Es Fangar, geöffnet Mo.–Fr. 8–16 Uhr, Führungen nach Vereinbarung. C/. Son Colom, 23, Felanitx (am ersten Kreisel rechts, nahe Lidl). Tel.: 971-58 19 38, www.es-fangar.com

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