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Auswandern nach Mallorca: erfolgreich trotz Fallstricken

El Sol in Son Serra de Marina: Die eigene Bar auf der Lieblingsinsel eröffnen, am besten direkt am Strand - viele Deutsche träumen davon, nur wenige machen es wahr. Andreas Handwerker und Thomas Heilig wagten den Schritt
10-09-2018 23:00
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Thomas Heilig heute vor dem Lokal von  „El Sol

Thomas Heilig heute vor dem Lokal von „El Sol" (links), in dem einst ein Bistro mit Plastikstühlen war (rechts) Foto: Sophie Mono

Es herrscht ein besonderes Flair in Son Serra de Marina, dem Küstenort im Norden von Mallorca. Ja, auch hier ist der Massentourismus angekommen. Doch statt großer Hotels finden sich hübsche Ferienhäuschen, statt Betonklötzen ziert unberührte Dünenlandschaft den Strand. Das kleine Idyll im Norden Mallorcas zieht Surfer an, Naturliebhaber, und manchmal sogar Promis, die eine Auszeit vom Trubel suchen. Hier verbringen Mallorquiner genauso ihre Ferien wie Ausländer. Nicht unbedingt leicht, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Andreas Handwerker aber hat es geschafft, sein Traum vom Auswandern ist wahr geworden: Vor 13 Jahren eröffnete der Remscheider direkt am Strand sein Beach-Restaurant „El Sol – Sunshine Bar". Dass es einmal zum beliebtesten Lokal des Ortes werden könnte, war damals alles andere als sicher.

„Man braucht viel Geduld, sehr viel Geduld", sagt Thomas Heilig und grinst. „Vor allem wenn man möchte, dass die Einheimischen einen akzeptieren." Heilig war bei der Eröffnung 2005 zwar noch nicht mit an Bord, stieß aber 2007 zum „El Sol"-Team dazu und ist heute als Geschäftsführer Handwerkers rechte Hand und guter Freund zugleich. Er erinnert sich noch gut daran, mit welcher Skepsis einige Mallorquiner „El Sol" anfangs entgegentraten. „Man wird ganz genau beobachtet. Viele kamen zu uns, um erst einmal zu schauen, was wir Ausländer da machen." Dann gelte es, sich zu beweisen. „Spanisch zu beherrschen, ist da eigentlich unumgänglich. Alleine schon, weil es sonst schnell zu Fehlinterpretationen kommt, und die führen nicht selten zu Missgunst." Davon sei mittlerweile nichts mehr zu spüren. Heilig und Handwerker haben sich mit vielen Mallorquinern angefreundet. Wohl auch wegen der herzlichen Art, mit der beide auf die Gäste zugehen. „Während der Ferienzeit haben wir sogar fast mehr spanisches Publikum als ausländisches."

Thomas Heilig lebt schon seit 1993 auf der Insel, Andreas Handwerker ist 2001 ausgewandert. Es habe geholfen, dass er zunächst in Cala Ratjada in der hiesigen Gastronomie gearbeitet hat, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Mal eben von Deutschland aus diesen Schritt zu planen, sei ungleich schwieriger. Allein schon, um einen Standort zu finden wie den von „El Sol". Von den gemütlichen Außentischen aus kann man praktisch in den Sand spucken, der nur wenige Meter entfernt beginnt. Der Blick aufs Meer ist traumhaft – und mit einer der Gründe, warum man an Sommerabenden ohne Reservierung im „El Sol" kaum einen Platz bekommt. „Früher haben Mallorquiner hier eine Bar mit Billard und Spielautomaten betrieben", sagt Heilig und deutet auf ein Foto, das ausgedruckt an der Theke im Inneren des Lokals hängt und den Außenbereich zeigt, wie er damals war. Plastikstühle, Plastiktische und ein paar typische Wirtslampen an der Hauswand. Heute sitzen die Gäste auf erhöhten Outdoor-Sofas unter stylischen Stroh-Sonnenschirmen, für besonderes Flair sorgen Buddha-Statuen, farbenfrohe Schleier und Deko aus Strandgut. Es ist weder Schickimicki noch richtiges Hippie-Feeling, sondern einfach erfrischend gemütlich. Auch die Preise sind moderat. „Eine chillige Strandbar eben", sagt Heilig.

Der Wandel erfolgte nicht von jetzt auf gleich und scheint noch immer nicht abgeschlossen. „Um auf Mallorca wirklich erfolgreich zu sein, muss man ständig dranbleiben und darf nicht stehen bleiben", so Heilig. Immer wieder verändert das Team kleinere oder größere Sachen. Hier eine Umstellung der ausgiebigen Speisekarte, da neue Dekoartikel, dort modernere Toilettenfliesen. Nicht zu vergessen die Anmietung der Apartments im ersten Stock über dem Restaurantbereich, die Handwerker mittlerweile an Urlauber vermietet.

„Da hat man natürlich ständigen Kontakt mit den Behörden", sagt Heilig und grinst. Er habe das Gefühl, dass auf Mallorca im Vergleich zu Deutschland alles etwas anders ablaufe. Ungeordneter, aber keineswegs unkomplizierter. „Gerade am Anfang, wenn man etwas neu aufzieht, sind die Behördengänge sehr anstrengend", gibt er zu. Auch da halfen nur Geduld, Sprachkenntnisse und die Erfahrungen, die man mit der Zeit unweigerlich sammele. „Wenn man mal wieder von einem Amt weggeschickt wird, weil doch irgendein Dokument fehlt, dann lernt man irgendwann, immer ganz genau nachzufragen, was denn nun explizit benötigt wird, bevor man sich wieder auf den Weg nach Palma macht." Auch mit den lokalen Ansprechpartnern vom zuständigen Rathaus laufe es mit den Jahren immer besser. „Irgendwann kennt man sich und weiß, an wen man sich wenden muss. Das erleichtert einiges."

Durchhaltevermögen, das sei ein weiteres Erfolgsrezept, um den Auswanderertraum von der Selbstständigkeit nicht nach kurzer Zeit platzen zu sehen. „Ein Beispiel ist die Live-Musik, die wir irgendwann etabliert haben", so Heilig. Als anfangs nur eine Handvoll Leute kam, um den Musikern im „El Sol" zu lauschen, war die Enttäuschung im Team groß – da hatte man sich mehr Zuspruch erhofft. „Aber manches braucht nun einmal seine Zeit. Solche Sachen müssen sich erst einmal herumsprechen", weiß Heilig jetzt. Im „El Sol" jedenfalls ging das Konzept auf: Mittlerweile sei bei den dienstäglichen Live-Auftritten die Bude rappelvoll, auch der DJ, der mittwochs, freitags und samstags auflegt, sei längst etabliert. Selbst im Winter sei das Restaurant ganz gut besucht. „Wichtig ist, dass man nicht aufgibt, sondern etwas durchzieht, wenn man es einmal angefangen hat", findet Heilig.

Zumindest, wenn es tatsächlich mit der Geschäftsphilosophie in Einklang ist. Andernfalls müsse man auch mal selbstkritisch reflektieren. „Wir fanden es richtig und gut, dass 2016 Tausende hier am Strand dagegen protestierten, dass kommerziell Liegen, Umkleiden, Sonnenschirme und so ein Zeug aufgebaut werden sollten. Auch wir schätzen die Jungfräulichkeit der Gegend", so Heilig. „Und dann haben wir uns an unsere eigene Nase gepackt und bauen seit letztem Jahr 50 Sitzplätze weniger im Außenbereich auf." Denn trotz aller Gewinnabsichten: Die Ruhe und Gemütlichkeit, die Son Serra ausmacht, die wolle man im „El Sol" auf keinen Fall einbüßen. Bereut hätten Handwerker und Heilig ihre Auswanderung nie. „Wenn ich morgens mit meiner Vespa am Meer entlangfahre, freue ich mich jedes Mal über den schönen Anblick."

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