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In Pollença trotzt Beethoven der Corona-Pandemie

In einem Jahr, in dem zahlreiche, auch etablierte Veranstaltungen der Pandemie zum Opfer fallen, haben sich zwei junge Insulaner nicht beirren lassen und ein Festival zu Ehren des Komponisten organisiert - unter tatkräftiger Mithilfe eines deutschen
15-09-2020 23:00
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Das Orquestra de Cambra de Mallorca macht am Sonntag (20.9.) den Auftakt zum Beethoven-Festival in Pollença. Foto: privat

Das Orquestra de Cambra de Mallorca macht am Sonntag (20.9.) den Auftakt zum Beethoven-Festival in Pollença. Foto: privat

Nicht nur eine schlaflose Nacht hat Magí Garcías in den vergangenen Monaten hinter sich gebracht. Der 26-jährige Pianist organisiert gemeinsam mit seinem ein Jahr älteren Studienfreund Bernat Quetglas das „Festival Beethoven" - und hat sich für seine erste derartige Veranstaltung gleich das schwierigste Jahr ausgesucht. „Schon vor Corona hatten wir das Gefühl, dass uns das Projekt ein wenig über den Kopf wächst. Aber seit Beginn der Pandemie wissen wir, dass die Vorbereitungen in Wahrheit ein Kinderspiel waren", sagt Garcías am Telefon.

Doch mit Enthusiasmus, Kreativität und auch ein wenig Glück haben es Garcías und Quetglas tatsächlich geschafft, in einem Jahr, in dem zahlreiche Veranstaltungen der Pandemie zum Opfer fielen, ihr Festival zu organisieren und nun - außer, es geschehen weitere unvorhersehbare Dinge - auch durchzuziehen. „Das wäre dann wirklich ein großes Wunder", sagt Garcías, der vor allem auch dem deutschen Arzt Herbert Plum dankbar ist. „Ohne seine Hilfe hätten wir das Festival nicht auf die Beine stellen können." Plum ist ein Allgemein- und Sportmediziner, als Gesundheitsexperte im Homeshopping-Kanal Channel21 im Einsatz - und ein begeisterter Hobbymusiker und passionierter Beethoven-Freund.

Und als er im Januar bei einem Mallorca-Aufenthalt in der MZ einen ersten Artikel über das geplante Festival und die dafür nötige Unterstützung las, kontaktierte er Magí Garcías. „Er hat uns neben der finanziellen Unterstützung auch organisatorisch unter die Arme gegriffen. Er war immer einen Schritt voraus. Man merkte, dass er deutlich mehr Erfahrung hatte als wir." So wurde aus den dreien ein gutes Team, das letztlich allen Widrigkeiten trotzte und ein Programm auf die Bühne bringt, das sich sehen lassen kann. Die Zusammenarbeit soll nun weitergehen. Geplant ist laut Garcías bereits ein Strawinsky-Festival im kommenden Jahr.

Dass die vier Termine umfassende Reihe tatsächlich stattfinden kann, ist auch dem Rathaus von Pollença zu verdanken. Garcías und Quetglas planten ursprünglich mit dem Konservatorium in Palma, mussten aber aufgrund der Sicherheitsprotokolle noch einmal umdisponieren und wollen nun drei der vier Konzerte unter freiem Himmel stattfinden lassen – so denn das Wetter mitspielt. In Pollença stießen sie auf offene Ohren. Die Gemeindeverwaltung stellte ihnen für die ersten drei Termine den stimmungsvollen Innenhof des Klosters Sant Domingo zur Verfügung, mit der Option eines Umzugs in die benachbarte Kirche Santa Maria dels Àngels, sollte es regnen. Das letzte Konzert am zweiten Oktoberwochenende wird in jedem Fall in der Kirche stattfinden. Die Zuschauerzahl ist in beiden Fällen auf maximal 250 begrenzt, sodass die Sicherheitsabstände gewährleistet sind.

Beginnen wird das Festival mit einem Konzert der beiden Organisatoren selbst. Bernat Quetglas bringt sein Orquestra de Cambra de Mallorca mit und wird dirigieren. Im ersten Teil des Abends setzt sich Magí Garcías selbst ans Klavier und spielt gemeinsam mit dem Ensemble das Klavierkonzert Nr. 1 in C-Dur. Eine Premiere für den eigentlich erfahrenen Pianisten. „Erinnern Sie mich nicht dran", sagt er im Scherz am Telefon. Das Stück habe ihn gereizt. Es sei ein jugendliches Stück, frech, ein bisschen humoristisch. Ein früher Beethoven eben. Da passe auch, dass er selbst noch ein junger Mann sei, sagt Garcías. Beethoven war zum Zeitpunkt der Entstehung des Klavierkonzerts gerade nach Wien gekommen und hatte dort Mozart und Haydn getroffen.

Das zweite Stück des Abends, das Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur ist dagegen ein sehr „reifes Werk". Es sei für die damalige Zeit enorm fortschrittlich gewesen, weil es nicht wie üblich mit dem Orchester beginne, sondern mit einem Piano-Solo. „Hier hört man eher den spirituellen Beethoven heraus, der mit fortschreitendem Alter mehr und mehr sakrale Elemente in seine Werke eingebaut hat", erklärt Garcías. Folgerichtig wird dieses Konzert von einem erfahrenen Pianisten vorgetragen. Die Veranstalter konnten Andreu Riera, einen der bedeutendsten spanischen Pianisten seiner Generation für den Abend gewinnen. Das Konzert beginnt am Sonntag (20.9.) um 19 Uhr. Karten gibt es für 10 bis 25 Euro (auch Viererabos für 50 bis 90 Euro sind erhältlich) unter bthvnmallorca2020.com.

Die drei weiteren Konzerte
Sonntag, 27.9., 19 Uhr: Kammermusik mit Cellistin Zuzanna Sosnowska und José M. Álvarez Losada;
Sonntag, 4.10., 19 Uhr: Siebte Sinfonie sowie Violinkonzert in D-Dur;
Samstag, 10.10., 18 Uhr: Streichquartett „Quiroga"

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