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Das Daniel Libeskind-Haus auf Mallorca ist jetzt ein Museum

Seit dem Tod der US-Künstlerin Barbara Weil war ihr Atelier in Port d'Andratx nicht mehr zugänglich. Nun eröffnen ihre Kinder es mit einem neuen Konzept
14-06-2019 06:22
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Jimmy und Jessica Weinstein im Hof des Studio Weil. Foto: Terrassa

Jimmy und Jessica Weinstein im Hof des Studio Weil. Foto: Terrassa

Eigentlich befand sich auf dem Gelände ein Tennisplatz, aber Barbara Weil stand der Sinn nicht so sehr nach Sport. Die US-Künstlerin wollte ein eigenes, spektakuläres Atelier gegenüber ihrem Wohnhaus, ­direkt am Wasser der Bucht von Port d'Andratx. Es war Ende der 90er-Jahre, und über einen gemeinsamen Bekannten lernte sie einen Architekten kennen, mit dem sie ihre Pläne verwirklichen wollte: Daniel Libeskind, der damals zwar schon das Jüdische Museum in Berlin baute, aber noch nicht den internationalen Ruhm von heute genoss.

Nun, anderthalb Jahre nach Weils Tod im Januar 2018, erfüllen ihre Kinder Jessica und Jimmy Weinstein einen letzten Wunsch von ihr: Das Atelier, das man zuvor nur mit einem Termin besuchen konnte, bekommt feste Öffnungszeiten – und soll in den kommenden Jahren als „Studio Weil" zu einem Impulsgeber der Kunstwelt im Südwesten der Insel werden.

Zu sehen gibt es nun zunächst, wie schon zu ihren Lebzeiten, Kunst von Weil. „Sie fand, dass ihre Arbeiten in Museen ­hängen sollten, also hat sie sich ihr eigenes bauen lassen", erklärt ihr Sohn Jimmy. Dementsprechend ist das Haus konzipiert – mit großen Ausstellungsräumen. „Libeskind und meine Mutter haben sich sofort verstanden", sagt Weinstein. „Sie hatten beide die gleiche Intuition." Mit seinem hellen Beton wirkt das Haus mit seinen verschiedenen Treppen und Ebenen wie ein Ufo zwischen den wenigen traditionellen
Häusern und den vielen modernen Villen, die die Umgebung architektonisch prägen.

Den Großteil der Arbeiten, die hier gezeigt werden, schuf Weil vor der Fertigstellung des Ateliers im Jahr 2003. Die 1933 in Chicago geborene Künstlerin war 1967 das erste Mal auf die Insel gekommen und 1972 fest hergezogen. „Sie sagte meinem Vater, dass sie einfach auf Mallorca sein und malen wollte", erinnert sich Jimmy Weinstein, der als Kind mit seiner Mutter auf die Insel zog.

Das eigentliche Atelier Weils ist der Eingangsbereich. Von dort geht es in einen Raum mit großformatigen, bunten Acrylgemälden und Skulpturen aus Glasfaser. Im angrenzenden Saal sind Arbeiten aus ihrem Spätwerk ausgestellt. Hier interpretiert Weil in Zeichnungen etwa Lars-von-Trier-Filme oder drückt in kleineren Skulpturen aus Styropor ihre Gedanken zur Flüchtlingskrise im Mittelmeer aus.

Konzerte im Hof

Über eine lange, gerade Treppe geht es von hier aus nach oben in den Hof. Auf einer Wand sieht man ein großformatiges Triptychon, das die Figuren der Frau, des Liebhabers und des Teufels zeigt. Hier, im Hof, will Jimmy Weinstein, der hauptberuflich Jazz-Schlagzeuger ist, eine bislang noch unregelmäßige Konzertserie mit Jazzmusikern fortsetzen. Für Juli und August diesen Jahres sind vier Auftritte geplant. Fest steht bereits ein Konzert der katalanischen Jazz-Sängerin Carme Canela am 21.8. Der Hof biete rund hundert Zuschauern Platz, so Weinstein.

Weiter geht es von dort aus in den dritten Ausstellungsraum, der sich vor allem um die Skulpturen Weils dreht und ihre künstlerische Entwicklung vom verformten objet trouvé bis hin zur Glasfaserskulptur mit Bemalung aus Autolack aufzeigt. Es sind meist geschwungene Formen, wie ihre Gemälde eher abstrakt und farbenfroh gehalten. Von hier aus sieht man auch Weils Wandskulptur „Superwoman" aus der Nähe – eines der zentralen Ausstellungsstücke und ganzer Stolz des Hauses. Es zeigt ein Gemälde Weils, aus der sie eine menschliche Figur herausgeschnitten hat.

In Zukunft sollen auch andere Künstler hier ausstellen und sich mit der spektakulären Architektur messen. „Wir werden spätestens kommendes Jahr mit temporären Ausstellungen beginnen", sagt Jessica Weinstein, die für die künstlerische Leitung des Hauses verantwortlich ist. „Geplant ist, in den Räumen sowohl mallorquinische als auch internationale Künstler zu zeigen."

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