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Art Brut auf Mallorca: Jede Kopie ist ein Unikat

Das Casal Solleric zeigt eine ArtBrut-Ausstellung mit künstlerischen Arbeiten von Patienten der Psychiatrie des Krankenhauses Son Espases in Palma – und von der Wiener Anstalt Gugging
14-12-2018 15:13
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Ausschnitt aus einer Arbeit des Gugging-Künstlers August Walla. Foto: Schirmer

Ausschnitt aus einer Arbeit des Gugging-Künstlers August Walla. Foto: Schirmer

Kunst, die erschaffen wurde, um dem Künstler zu helfen: In der Ausstellung „En versió original" (Originalversion) im Casal Solleric kann man sehen, wie kreativ sich Patienten der Psychiatrie des Krankenhauses Son Espases in Palma und von der Wiener Anstalt Gugging verwirklichen. In zwölf Sitzungen haben 15 Patienten von Son Espases in Zusammenarbeit mit dem städtischen Kunsthaus an einer Initiative teilgenommen, die an das kunsttherapeutische Programm der Wiener Klinik Gugging angelehnt ist. In Gugging hatte der damals zuständige Doktor Leo Navratil im Jahr 1954 erstmals Zeichentests mit Patienten der psychiatrischen Anstalt durchgeführt und in den folgenden Jahren einen wichtigen Zweig der Außenseiterkunst Art Brut geschaffen.

Gleich im ersten Raum sieht man auf der rechten Seite Werke aus der Gugging-Sammlung von Peter Hopf, einem engen Mitarbeiter Navratils. Auf der linken Seite sieht man die Arbeiten der mallorquinischen Neu-Künstler. Ein wenig gröber, unfertiger wirken letztere Arbeiten. Angesichts der Bedeutung Guggings in dem Bereich und der Kürze des Programms ist das kein Wunder.

Zeitungsausrisse neu interpretieren

In den folgenden Räumen sieht man dann die Arbeitsprozesse, die zu der Ausstellung geführt haben. Im Wesentlichen ging es darum, mit verschiedenen Techniken sowohl berühmte Bilder der Kunstgeschichte als auch Zeitungsausrisse zu kopieren und neu zu interpretieren. Damit sollte den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben werden, eine eigene Sprache, ein Ventil für die eigene Fantasie zu finden, ohne dabei den unbewussten Druck spüren zu müssen, ein leeres Blatt Papier ohne Anhaltspunkte füllen zu müssen.

„Ziel des Projekts war es, den Patienten einen neuen Zugang zu sich selbst und zu ihren eigenen Fähigkeiten zu öffnen", sagt Asun Clar, die Kuratorin der Ausstellung. Mit Erfolg, wie die bei der Präsentation anwesenden Teilnehmer bestätigen. Einer der Künstler, der sich nur mit dem Vornamen Juan Andrés vorstellt, sagt, über die gute Gruppendynamik hinaus habe er sich besonders darüber gefreut, sich neue gestalterische Techniken anzueignen.

Dem Besucher der Ausstellung steht es frei, inwieweit er sich auf den Entstehungsprozess einlassen will. Teilweise lassen einen die Interpretationen von berühmten Gemälden stauen, manchmal auch schmunzeln. In der Fülle kann es aber auch anstrengend werden, so wie bei jedem anderen Künstler auch, wenn man sich alle Probe- und Vorabarbeiten eines Kunstwerkes anschauen würde.

En versió original, Casal Solleric, bis 6.1.

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