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Ausstellung auf Mallorca: Eingepfercht im Keller der Kuriositäten

Wenn man da rauskommt, brummt der Kopf: In einer monumentalen Werkschau im Museum Es Baluard zeigt Bernardí Roig 18 Filme mit sonderbaren Protagonisten
16-05-2018 23:00
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„Cuidado con la cabeza

„Cuidado con la cabeza" heißt der Film von 2016. Auf einen Kopf wird aber diesmal nicht gepinkelt. Foto: Es Baluard

Es ist die maximale Reizüberflutung, die der mallorquinische Künstler Bernardí Roig da im Keller des Museums Es Baluard installiert hat. 18 Filme, manche von ihnen auf riesigen Leinwänden, manche auf Flachbildschirmen oder Röhrenfernsehern. Manche mit Ton, manche ohne. Von hinten rechts kommt die Musik eines einarmigen Gitarristen, der in einer Art David-Lynch-Ästhetik im Scheinwerferlicht steht. Von hinten links kommt ein Stimmenwirrwarr diverser Videos. Es braucht einige Minuten, um sich zu orientieren, um hier und da die Videos den Klängen zuzuordnen.

18 Filme aus 18 Jahren. Im großformatigen Beiheft zur Ausstellung sind sie chronologisch aufgezählt. In der Ausstellung hängen sie natürlich nicht in dieser Reihenfolge. Teilweise verweisen die Titel, aber auch die Filme, auf andere, nicht filmische Arbeiten Roigs.


Vorsicht mit dem Kopf

Teilweise verweisen die Videos auch auf andere der Videos. Wie etwa wenn die Protagonistin im pornografischen „Leidy B." (2002) – das in einem Separee mitten im Raum gezeigt wird – zu Anfang des Filmes mit dem abgeschnittenen Kopf einer männlichen Schaufensterpuppe masturbiert. Dieses Element des abgeschnittenen Kopfes taucht in „Repulsion Exercises (Salome)" (2006) wieder auf, als eine nicht näher definierte Frau darüber pinkelt. Das Motiv des Urinierens kehrt in „Cuidado con la cabeza" (2016) wieder.

Darin pinkelt eine Frau diesmal auf offener Straße. Der Titel, zu Deutsch „Vorsicht mit dem Kopf", ist wiederum ein Verweis auf den Schaufensterpuppen-Kopf, der hier nicht auftaucht. Der größte Unterschied ist vielleicht, dass Roig 2002 die Genitalien in den Mittelpunkt stellt, während er sie 2016 verpixelt.


Ravel auf der Gitarre

Ansonsten wirkt die Ausstellung wie ein Schaulaufen der Protagonisten eines Kuriositätenkabinetts. Ein Mann näht sich vor einem Bonzenpublikum die Lippen zu. Eine Art verrückter Professor läuft mit einer Lampe über dem Kopf durch die Hallen des Hauses von Wittgenstein in Wien („­Wittgenstein House", 2017) und in einem anderen Film durch das Madrider Museum Lázaro Galdiano („Ejercicios de invisibilidad", 2012). Es gibt einen „Mann mit brennenden Augen" („The Man with the Fire Eyes", 2003) und diversen Figuren, die ein Licht durch das Dunkel tragen. Nicht zuletzt eben auch der einarmige Gitarrist, interpretiert von Joan Feliu, der Ravels Konzert für die linke Hand auf eine verzerrte Paul Reed Smith überträgt.

Praktisch alle Protagonisten sind zumindest allein, wenn nicht einsam. Zusammengestellt in der Ausstellung wirken sie, als ob sie zusammengepfercht worden wären, sie bleiben aber unfähig, miteinander zu kommunizieren.

Roig hat drei Arten von Ausstellungsbesuchern für die Schau definiert. Den, der stehen bleibt. Den, der sich seinen Weg bahnt. Und den, der sich um die eigene Achse dreht, um die Bilder in sich aufzusaugen. Tatsächlich scheint letztere die sinnvollste Methode bei dieser Ausstellung zu sein. Auf ein einzelnes Werk wird man sich eh nicht konzentrieren können. Und vielleicht sind sie auch gar nicht dafür gemacht.

Bernardí Roig, Films 2000–2018, Es Baluard, bis 2.9.

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