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Mati Klarwein-Ausstellung auf Mallorca: das Licht des Traumes

Eine Retrospektive ehrt in Palma de Mallorca den Künstler und langjährigen Inselresidenten
15-05-2018 23:00
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Stilistisch nicht ganz leicht einzuordnen: Klarweins Arbeiten in der Capella de la Misericòrdia. Foto: Schirmer

Stilistisch nicht ganz leicht einzuordnen: Klarweins Arbeiten in der Capella de la Misericòrdia. Foto: Schirmer

Sein bekanntestes Werk stand in den 70er-Jahren in den Plattenschränken von Millionen Musikfans: Das Cover von Santanas Fusion-Erfolgsalbum „Abraxas" von 1970 zeigt einen Ausschnitt des Gemäldes „Annonciation" von Mati Klarwein.

Der 1932 in Hamburg geborene Sohn eines Architekten und einer Opernsängerin lebte seit den 50er-Jahren sporadisch und seit 1984 bis zu seinem Tod 2002 in Deià. Nun widmet ihm der Inselrat in der Capella de la Misericòrdia in Palma unter dem Titel „La llum del somni" (Das Licht des Traumes) eine Retrospektive. Es ist die erste seit 20 Jahren, die auf Mallorca stattfindet.

Klarweins Stil ist auch 16 Jahre nach seinem Tod schwer zu definieren. Realistische Malerei mischt sich mit psychedelischen Elementen. Die meisten Werke enthalten kulturelle Referenzen von der Antike bis zur Moderne. Und immer wieder, da haben die Ausstellungsmacher bei der Auswahl der nur 26 Arbeiten ein gutes Händchen bewiesen, schimmert auch Klarweins Wahlheimat Mallorca durch.

Die Ausstellung verteilt sich auf zwei Räume. Der eine, den man vom Carrer de la Misericòrdia aus betritt, zeigt Landschaftsbilder. Manche eher realitätsnah, wie etwa jenes, dass eine sonnenbadende nackte Frau in einer Tramuntana-Landschaft zeigt. Andere eher fantastisch, wie eines, auf dem unter anderem Kain und Abel und ägyptische Statuen in einer Landschaft mit brennenden Bäumen zu sehen sind.


Ein Who-Is-Who der ausländischen Inselgesellschaft

Der andere Raum, der auch vom Hof der Misericòrdia aus betreten werden kann, zeigt Porträts, die ein kleines Who's who der ausländischen Inselgesellschaft darstellen. So sind Yannick und Ben Jakober ebenso zu sehen wie Deià-Ikone Robert Graves oder auch andere Freunde des Künstlers wie die Familie Juncosa. In dem Raum sind zudem Memorabilien wie Seiten aus Notizbüchern, Plattencover, Fotografien und Postkarten ausgestellt.

Dort lassen die Ausstellungsmacher Klarwein in einem kurzen Text selbst erklären, wie er nach Mallorca gekommen ist. 1952 sei es gewesen, Klarwein war auf dem Weg von Barcelona nach Ibiza. Ein Sturm habe das Schiff gezwungen, Mallorca anzusteuern. Er besuchte in Deià einen Freund. Auf dem Rückweg habe der Bus diese „fatale Kurve genommen, auf der sich die gesamte Nordküste auf einen Schlag entblößt". Da habe er gewusst, dass er sein Zuhause gefunden habe, „wie die Biene ihren Stock und der Greifvogel seine Beute erkennt". Sich selbst definiert er in einem Gedicht namens „Curriculum Vitae": „Einst träumte ich von Sex. Jetzt träume ich von den Drogen. Bald werde ich vom Licht träumen. Gott sei Dank gibt es noch Hoffnung."

Mati Klarwein, La llum del somni, Capella de la Misericòrdia, bis zum 9.6., Eintritt frei.

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