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Klassikfestival auf Mallorca: Vom Broadway nach Son Marroig

Das Internationale Musikfestival Deià feiert mit guten Freunden und großen Namen seinen 40. Geburtstag
09-05-2018 23:00
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Hochkarätiges Programm: Das 40. Internationale Musikfestival Deià. Foto: Veranstalter

Hochkarätiges Programm: Das 40. Internationale Musikfestival Deià. Foto: Veranstalter

Alfredo Oyaguez ist einer von der effektiven Sorte. Der Professor für Piano am Konservatorium von
Palma leitet seit 15 Jahren das Festival Internacional de Música de Deià und hat als solcher naturgemäß tausend Dinge gleichzeitig um die Ohren. Ohne viel Zeit zu verlieren, rattert er beim Besuch der MZ die Höhepunkte der diesjährigen Festival-Ausgabe herunter, die am Donnerstag (10.5.) beginnt.

Erst gegen Ende lässt er sich auf ausschweifendere Ausführungen ein, als es darum geht, das geringe Interesse der Politik an Kultur auf Mallorca zu geißeln. Die Insel biete durchaus das Potenzial, etwas Großes auf die Beine zu stellen, meint Oyaguez. „Wenn wir hier ein Konservatorium auf hohem Niveau hätten, wäre es so viel einfacher,
Spitzenleute herzulocken. Wenn du den Musikern die Wahl zwischen Helsinki und Palma gibst, wo wollen sie wohl lieber hin?", fragt Oyaguez, um vorwegzunehmen: „Aber wenn es in Helsinki eben eine Sibelius-Akademie gibt, dann gehen sie dahin." Von dieser Qualität sei Palma noch weit entfernt. Es scheitere letztlich nur am Geld.


Internationaler Treffpunkt der Klassik

Der Madrilene tut einiges dafür, dass sich die Insel zumindest in den Sommermonaten in einen internationalen Treffpunkt der Klassik verwandelt. In diesem Jahr steht ein besonderes Jubiläum an: Das Festival feiert seinen 40. Geburtstag und findet dieses Jahr zu Ehren des Gründers Patrick Meadows statt. Der US-Amerikaner starb Ende April 83-jährig in einer Seniorenresidenz in Palma, in die er vor einigen Jahren gezogen war. Meadows hatte das Festival zunächst nur mit musikbegeisterten Amateuren 1978 zum ersten Mal auf die Beine gestellt und dann immer weiter professionalisiert, bis ihm Oyaguez zu Hilfe kam.

Um das Jubiläum mit den Richtigen zu begehen, greift Oyaguez in diesem Jahr vor allem auf gute Freunde zurück sowie auf Künstler, denen das Festival in Deià besonders am Herzen liegt. „Es gibt eine große Gruppe an Musikern, die uns in guten wie in schlechten Zeiten immer unterstützt haben", erzählt der Organisator. Auch sei es ein großes Glück, dass man mit der Familie Sevilla, den derzeitigen Eigentümern von Son Marroig, eine derart geduldige Familie als Ansprechpartner habe. Immerhin 17 Konzerte stehen auch dieses Jahr wieder in dem ehemaligen Erzherzog-Anwesen nahe Deià auf dem Programm.

Traditionell viele Deutsche

Die Festivalbesucher, darunter traditionell viele Deutsche, erwartet in diesem Jahr unter anderem ein Grammy-Sieger. Am 24. Mai tritt in Son Marroig der US-amerikanische Cellist Zuill Bailey auf. Bailey gewann im vergangenen Jahr den Klassik-Grammy in den Kategorien „Bestes klassisches Sammel­programm" sowie „Bestes klassisches Instrumentalsolo" für seine Live-Aufnahme von „Tales of Hemingway" von Michael Daugherty. Auf Son Marroig wird Bailey zusammen mit der russischen Pianistin Natascha Paremski mit Werken von Chopin, Prokofjew und Rachmaninow zu hören sein.

Den Auftakt zum Festival de Deià macht an diesem Donnerstag (10.5.) der Geiger Byron Wallis. Der US-Amerikaner lebt in Paris und tritt regelmäßig mit dem französischen Nationalorchester auf. Er war vor Jahren bereits Mitglied der Camerata Deià.

Ebenfalls gut bekannt ist die südkoreanische Geigerin Chee Yun Kim, die gemeinsam mit der Camerata Deià Werke von Turina, Mozart und Mendelssohn-Bartholdy spielt. Kim steht regelmäßig mit den großen Orchestern aus Philadelphia, London, Toronto oder Seattle auf der Bühne. Zum ersten Mal dabei ist eine gute Freundin von Oyaguez, die US-amerikanische Sopranistin Alba Rene Quezada, die guatemaltekische Wurzeln hat. Quezada wird in einer theaterähnlichen Performance im musikalischen Zwiegespräch mit Oyaguez, der am Klavier sitzt, über ihre Erfahrungen als Sängerin von „Phantom der Oper" am Broadway und anderen Musical- und Opern-Engagements berichten. Den Abschluss des Festivals bildet am 27. September ein Auftritt des „Utrecht String Quartet" aus den Niederlanden mit Werken von Turina, Granados, Schostakowitsch und Piazzolla.

Das Festival Internacional de Música de Deià findet vom 10. Mai bis zum 27. September (Konzerte im Juli und August um 21 Uhr, sonst um 20.30 Uhr) statt. Karten gibt es für 20 Euro (Studenten 10 Euro) unter concerts@dimf.com oder unter 678-98 95 36.
Einige der Konzerte werden am Freitag nach der Aufführung in Son Marroig im Palau March in Palma wiederholt. Information und Reservierung der Gratis-Tickets für den Palau March: 971-71 11 22.

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