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Fotoausstellung auf Mallorca: Ganz schön exzessiv

Die Fundació Toni Catany zeigt in Llucmajor eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen des belgischen Fotografen Marc Trivier – und macht Hoffnung auf ein tolles Stiftungsmuseum
08-05-2018 07:17
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„Escorxador, Brussel·les, 1982

„Escorxador, Brussel·les, 1982" von Marc Trivier. Foto: Marc Trivier/überlassen von der Fundació Ton

Eine gewisse Zeit wird es noch dauern, bis die Fundació Toni Catany ihre Ausstellungen im stiftungseigenen, vom katalanischen Architekten Josep Lluís Mateo entworfenen Museum zeigen kann. Doch auch so setzt die dem 2013 verstorbenen Fotografen gewidmete Stiftung aus Llucmajor ihre Mission fort: Hochkarätige Ausstellungen für Fotografen zu organisieren, die in ihrer Bildsprache Ähnlichkeiten zu den Arbeiten Catanys haben. Ruhig, introvertiert, bisweilen melancholisch. Nun also der Belgier Marc Trivier, dessen Arbeiten fast exzessiv und actionbeladen sind im Vergleich zu dem, was andere Künstler in den Ausstellungsräumen des Klosters Sant Bonaventura bislang gezeigt haben.

Künstler, Bäume und Kühe. So könnte man die Motivsuche Triviers zusammenfassen. Als gerade mal 20-Jähriger begann er Anfang der 80er-Jahre um die Welt zu reisen, um bekannte Kunstschaffende vor die Linse zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits als erster Fotograf überhaupt den Jugendpreis der Fondation Belge de la Vocation bekommen. Er begegnete unter anderem Andy Warhol, Jorge Luis Borges, Samuel Beckett. Und, vielleicht am beeindruckendsten – den großen Gesellschaftsfotografen Robert Frank. Wie viel Selbstbewusstsein oder auch Selbstüberschätzung muss es gekostet haben, als junger Mann einen der Großen des Fachs um ein Porträt zu bitten?


Eindrückliche Portraits

Bewaffnet mit der alten Rolleiflex seines Vaters positionierte Trivier die Künstler vor einem scheinbar wahllos ausgesuchten Hintergrund und drückte per Zeitschalte ab, sodass Fotograf und Objekt nur ungefähr abschätzen konnten, wann der Klick ertönt. Herausgekommen sind eindrückliche Porträts, die tief in die Seele der Künstler blicken lassen. So sehr konzentriert sich der Blick auf den Menschen in den Bildern, dass sie teilweise wirken, als wären sie reinmontiert, als würden sie in ihrer Umgebung schweben.

Zu den starken Momenten der Ausstellung gehört auch ein Trip­­tychon mit Bildern aus einem Schlachthof. Verlassen liegen die Gedärme auf dem Boden vor dem aufgeschlitzten Tier. Es wirkt, als ob die Arbeiter fluchtartig die Todesfabrik verlassen hätten. Es sind schauerliche Aufnahmen von großer Intensität.

Größtenteils harmlos dagegen die Landschaftsfotografien, die ein wenig an die Arbeiten des 2015 in der Stiftung gezeigten Finnen Pennti Sammalllahti erinnern. Ergänzt werden die Bilder um unscharfe Collagen aus Urlaubsfotos, die meist eine nicht benannte Frau in diversen Kontexten zeigt. Die inhaltlich etwas diffuse Hängung der Ausstellung erlaubt dem Betrachter, diese Collagen wie in einem Cut-up-Roman zu lesen oder im Zick-Zack seine eigene Geschichte zu konstruieren.

Marc Trivier, De la llum, Fundació Toni Catany, Kloster Sant Bonaventura, (C/. Fra Joan Garau, 2, Llucmajor, bis 13.8.).

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