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Künstler Hans Hinterreiter war Ibiza verfallen

Geometrische Formen: Die March-Stiftung zeigt in Palma Werke des Schweizer Künstlers Hans Hinterreiter. Er verbrachte einen Großteil seines Lebens auf der Nachbarinsel von Mallorca
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„Studie 80

„Studie 80", eines der Werke von Hans Hinterreiter. Foto: Fundación March

Er war nicht Mallorca verfallen, sondern Ibiza. Der 1902 in Winterthur geborene Schweizer Maler und Kunsttheoretiker Hans Hinterreiter verbrachte über sein halbes Leben auf Ibiza. Hier starb er auch 1989 – und hinterließ ein breites Schaffensspektrum, aus dem jetzt 75 Werke im Museu Fundación Juan March im Carrer de Sant Miquel in Palma de Mallorca gezeigt werden.

Hinterreiters Welt sind die klaren Formen und Farben, die Geometrie und die Logik: abstrakte Kompositionen, die auf mathematischen Abbildungen basieren. Es sind Muster von großer Schönheit: Quadrate, Kreise, Sterne, die wie durch ein Prisma betrachtet erscheinen oder –
banaler betrachtet – irgendwie an Modestoffe der 60er- und 70er-Jahre erinnern. Zwei Wände hat man in der Ausstellung dafür eigens grün gestrichen, was die leicht psychedelische Optik noch einmal unterstreicht.

Dynamisch sind diese Kunstwerke, und genau das wollte der Schweizer erreichen: Seine geometrischen Formen sollten „sichtbar gemachte Musik" sein. Dafür hatte Hinterreiter eine „Form­orgel" und eine „Farborgel" entworfen, die seine Muster im Lauf der Jahre immer komplexer werden ließen. Vorbild dafür war die in den 30er-Jahren vom deutschen Chemiker und Nobelpreisträger Wilhelm Oswald entwickelte Farbenlehre. Dabei dachte, malte und zeichnete der studierte Mathematiker und Architekt Hinterreiter nicht nur, sondern entwarf auch kunsttheoretische Schriften, die eine gewisse Bekanntheit erreichten, wie seine „Geometrische Schönheit" (1958) oder „Die Kunst der reinen Form" (1978).

Er stellte in Madrid, London, New York (sogar im Guggenheim), San Francisco und Los Angeles aus – und wurde dennoch nie richtig
bekannt. Als Mitglied der „Zürcher Schule der Konkreten" – einer Bewegung, die in den 30er-Jahren aus der Kunstgewerbeschule Zürich hervorging – waren seine künstlerischen Vorbilder unter anderem Wassily Kandinsky und Paul Klee. Den Mittelpunkt dieser Zürcher Bewegung bildete der Künstler und Architekt Max Bill, der für Hinterreiter ein großer Freund war.

Bills Sohn Jakob leitet heute die Hans-Hinterreiter-Stiftung in Zürich und hat dafür gesorgt, dass die Werke des Freundes seines Vaters nun in Palma zu sehen sind. Er erzählt von einem Einzelgänger, der ab 1934 zurückgezogen auf einer ­Finca in Santa Eulària des Riu lebte. ­Während des Spanischen Bürgerkriegs musste Hinterreiter in die Schweiz zurückkehren, kam dann aber 1939 wieder.

„Don Hans" lebte spartanisch, schon fast am Existenzminimum.Gleich am Anfang der Ausstellung fallen dem Besucher zwei Bilder auf, die aus der Reihe fallen: Landschaften und Figuren – Beispiele dafür, dass er, weil er verkaufen musste, auch figurativ malen konnte. Schließlich wollten seine komplizierten Studien und Experimente ja finanziert sein.

Zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen, in dem erstmalig eine Monografie von Hinterreiter auf Spanisch veröffentlicht wird. Zudem gibt es im ersten Stock des Museums ein ergänzendes Experimentalfilmprogramm.

Bis zum 26. Mai 2018. Mo.–Fr. 10–18.30 Uhr, Sa. 10.30–14 Uhr geöffnet (sonntags und an Feiertagen geschlossen), Eintritt ist frei.

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