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Evolution Film Festival: Die Kraft des Balearen-Kinos

Im Programm sind 28 Filme von den Inseln. Eigene Kategorie für Filmstudenten
03-11-2017 08:40
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Jede Menge Talent: die Balearen-Filmemacher mit Festivalleiterin Sandra Seeling-Lipski (3 v. re. u.).

Jede Menge Talent: die Balearen-Filmemacher mit Festivalleiterin Sandra Seeling-Lipski (3 v. re. u.).

Das Evolution Mallorca Internatio­nal Film Festival setzt in diesem Jahr noch mehr als in den Vorjahren auf die Arbeiten von Filmemachern der Balearen. Insgesamt 28 Filme von den Inseln werden im Rahmen des Festivals gezeigt. Festivalleiterin Sandra Seeling-Lipski sagte bei einer Pressekonferenz mit Filmemachern der Insel am Montag (30.10.), dass man verstärkt zusammenarbeiten wolle, „um sicherzustellen, dass das ganze Potenzial, das auf den Inseln herrsche die Unterstützung und Anerkennung bekommt, die es verdient". Das lokale Publikum solle einen Eindruck davon bekommen, wie vielfältig das Kino von den Inseln sei.

Neben Filmen von Regisseuren wie Toni Bestard, Marcos Cabotá und Miguel Eek hat das Festival in diesem Jahr auch eine eigene Kategorie für die Arbeiten von Filmstudenten eingeführt. Bei der Vorstellung der Arbeiten am Dienstag (31.10.) beeindruckte vor allem der Regisseur Raul Florit mit seinem Film „El Perdón", eine Geschichte um einen spanischen Soldaten im Irakkrieg. Dieser trifft auf einen feindlichen Kämpfer. Die beiden Männer schaffen es nicht, sich gegenseitig zu töten.

Der fünfminütige Film, der durch seine hohe Produktionsqualität überzeugte, wurde in einem Steinbruch auf Mallorca gedreht. Es ist das Erstlingswerk des Studenten der privaten Filmhochschule CEF in Palma. „Der Film basiert auf einer Anekdote aus dem Freundeskreis", sagte der junge Filme­macher bei der Präsentation im CineCiutat. Neben der Unterstützung durch die Filmschule habe er auch persönlich in den Film investiert, sagte er der MZ.

Whatsapp im Film

Ansonsten dominierten Filme, bei denen moderne Technologien und deren Missbrauch im Mittelpunkt standen. Besonders originell ging Joan Rotger von der Filmschule EDIB in „Tienes Wifi?" mit der Thematik um. Die Geschichte um eine Braut, die nach ihrem Junggesellinnenabschied mit einem anderen Mann im Bett gelandet ist, wird komplett in Form von Whatsapp-Nachrichten erzählt. Gabriel Videkis von der EDIB ersann in „Huntin" eine Welt, in der Familienangehörige vonMordopfern die Täter per Virtual-Reality-Brille digital töten können. In „Me gusta" von Amanda Barceló filmt eine junge Frau zwei Geiseln, um Likes auf Youtube zu bekommen.

Regisseur Toni Bestard, der unter anderem durch seine „Darth Vader"-Dokumentation „I Am Your Father" bekannt ist, sagte bei der Pressekonferenz, es gebe zwar immer mehr Filme von den Balearen. „Aber es ist immer noch sehr schwierig, hier einen Film zu machen." Am Freitag (3.11.) präsentiert er ab 18.30 Uhr seinen Kurzfilm „Talia", in dem es um eine 13-Jährige geht, die davon träumt, Boxerin zu werden, um der Gewalt zu Hause
zu entfliehen.

Paul Haggis im Publikum

Das Festival biete den Filmemachern die Gelegenheit, sich mehr als nur vor dem lokalen Publikum zu präsentieren. DavidSousa, der jahrelang gebraucht hatte, um seinen Low-Budget-Thriller „Reevolution" zu verwirklichen, sagte: „Jetzt hat sich Paul Haggis ins CineCiutat gesetzt und sich meinen Film angeguckt." Sein Film sei von Haggis „L.A. Crash" inspiriert.

Marcos Cabotá fügte hinzu, dass einige der beim Festival gezeigten Beiträge später auch in Los Angeles gezeigt werden, wo Festivalleiterin Seeling-Lipski lebt. Cabotá ist gleich mit zwei Filmen beim Festival vertreten. Am Dienstag (31.10.) wurde der Thriller „Noctem" gezeigt. Am Freitag (3.11.) folgt ab 20.30 Uhr im Es Baluard der Kurzfilm „Kyoko", bei dem es um die Verhaftung von John Lennon und Yoko Ono auf Mallorca im April 1973 geht.
Neben der Möglichkeit, die Filme zu zeigen, bot das Festival in diesem Jahr im Rahmen des „Pitch Forum" erstmals die Möglichkeit, dass Filmemacher ihre Präsentationsfähigkeiten verbessern und Produzenten ihre Projekte vorstellten.

Die Filmemacherin Laura de la Isla betonte die Bedeutung eines solchen Angebots: „Der ökonomische Aspekt ist unglaublich wichtig, wenn man mit seinen Projekten auch Geld verdienen will." De la Isla hatte am Samstag (28.10.) ihren Kurzfilm „La Canción del Pirata" gezeigt, in dem drei Schwestern nach der Beerdigung ihres Großvaters über den Tod nachdenken.

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