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La Oreja de Van Gogh: Der seichte Klang aus dem Norden

Seit über 20 Jahren ganz oben im spanischen Pop-Himmel: Die Baskenband schaut in Palma vorbei
02-02-2017 00:00
2 Stimmen
Schlagzeuger Haritz Garde, Bass-Gitarrist Álvaro Fuentes, Leire Martinez, Keyboarder Xabi San Martín und Gitarrist Pablo Benegas (v. li). Foto: Veranstalter

Schlagzeuger Haritz Garde, Bass-Gitarrist Álvaro Fuentes, Leire Martinez, Keyboarder Xabi San Martín und Gitarrist Pablo Benegas (v. li). Foto: Veranstalter

Im schnelllebigen Pop-Geschäft ist es eher eine Seltenheit, wenn eine Band 20 Jahre überleben kann. Den Musikern der „Oreja de Van Gogh" ist genau dies gelungen – mit poetischen Texten, die nicht an der Oberfläche bleiben, optisch und stimmlich ansprechenden Sängerinnen und mit Melodien, die so eingängig sind, dass man sie nur schwer vergisst.

Inzwischen können es sich die Basken erlauben, auch mal längere Zeit nichts zu tun. Nach fünf langen Jahren Abstinenz stellten sie Anfang November ein von der Kritik hochgelobtes neues Album vor – das bereits siebte. „El planeta imaginario" schnellte aus dem Stand in Spanien, Argentinien, Mexiko, Chile und Kolumbien auf Platz 1 der Charts. So wie das auch schon mit den Vorgängeralben „A las cinco en el Astoria" von 2008 und „Cometas por el cielo" aus dem Jahr 2011 geschehen war.

Neue Songs und auch bekannte Ohrwürmer – voraussichtlich an die 30 an der Zahl – präsentieren die Musiker am Samstag (4.2.) zweieinhalb Stunden lang im Auditorium Palma, einer weiteren Station auf ihrer Tournee, die sie bisher unter anderem nach Bilbao und Madrid führte und die weitere Auftritte in den USA, Chile und Argentinien vorsieht. Nach einem Auftritt am 27. Dezember in ­Bilbao gab sich die Zeitung „Diario Vasco" voll des Lobes: Die Künstler hätten darauf verzichtet, ihre Egos zu spreizen und ­stattdessen Wert darauf gelegt, „die Songs und die Kommunikation mit den Besuchern in den Vordergrund zu rücken".

Songs wie „Estoy contigo", „Diciembre" oder „Intocables" sind genretechnisch weitgefächert. Mal kommen sie poppig, mal rockig und mal sogar countryhaft daher, aber immer sind sie – ein Markenzeichen der Band – recht sentimental, was nicht unbedingt jedem schmecken dürfte. Die Künstler thematisieren neben den üblichen Beziehungshochgefühlen und -abgründen auch Trauriges – etwa geschlechtsspezifische Gewalt, die Flüchtlingskrise in Europa oder Alzheimer.

Der Gruppe gehe es um „die Dinge, die uns Sorgen machen und die uns passiert sind", sagte Gitarrist Pablo Benegas in einem jüngst erschienenen Interview. Man wende sich bewusst in erster Linie an die Gefühlswelt der Menschen – etwa mit dem Song „Verano". „Der Sommer ist die Jahreszeit, während der wir uns der Verantwortung entziehen und lieber spielerischer leben wollen."

Es sei keine einfache Sache gewesen, das neue Album auf die Beine zu stellen, so Benegas weiter. „Wir sind immer anspruchsvoller geworden." Auf die Erfolgsspur war die Gruppe ab 1996 mit der Sängerin Amaia Montero geraten. Ihre auffallend helle und leicht quakige, aber dennoch sanfte Stimme stach jedem ins Ohr. Wenn sie Liebesballaden wie „20 de enero" oder „Rosas" einprägsam sang, schmolzen in den Konzertsälen und vor den Radios die Herzen nur so dahin.

2007 trennte sich Amaia Montero von ihren vier Gruppenkollegen, die vorher „Los sin nombre" („Die Namenlosen") hießen und in San Sebastián und Umgebung U2-, Nirvana- und Pearl-Jam-Titel gecovert hatten. Mit der neuen Sängerin Leire Martínez, die als Frontfrau genauso engelhaft wie ihre Vorgängerin wirkt, ging die Erfolgsstory unvermindert weiter. Und das, obwohl deren Stimme nicht ganz so markant ausfällt.

„Leire steuert Natürlichkeit, Kraft und eine beeindruckende Fähigkeit bei, sich in unterschiedliche Rollen hineinzufinden", so Gitarrist Pablo Benegas über die aus der quotenträchtigen TV-Talentsendung „Factor X" hervorgegangene Sängerin. Pablo Benegas war es auch, der ihre zuvor völlig unbekannte Vorgängerin Amaia Montero Mitte der 90er-Jahre in einem Restaurant in einer Menschenmenge plappern gehört hatte. Er ließ sie alsbald vorsingen. Es folgten mehrere Zusammenkünfte, bis die wohlbekannte Ohr-Anekdote um den Maler Vincent van Gogh (1853– 1890) zur Sprache kam. Der hatte sich im Streit mit seinem Unterstützer, dem später in die Südsee abgewanderten Maler Paul Gauguin (1848–1903), am 23. Dezember 1888 in der französischen Stadt Arlés einen Teil seines linken Ohrs abgeschnitten.

Ironisch-sarkastisch, wie die aus dem Studenten-Milieu stammenden Musiker drauf waren, benannten sie ihre neue Band nach diesem betrüblichen Ereignis – und machten sie zu einer für sich stehenden Marke, die vom Pophimmel in der spanischsprachigen Welt nicht mehr wegzudenken ist.

La Oreja de Van Gogh im Auditorium Palma. Samstag, 4.2., 21 Uhr, Tickets 24 bis 48 Euro, erhältlich unter Orejadevangogh.com und palmaauditorium.com

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