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Diözesanmuseum: Rundgang beim Geburtstagskind

Alle laufen dran vorbei, kaum wer geht rein. Dabei lohnt sich der Besuch des nun 100-jährigen Museums auf jeden Fall
28-04-2016 23:00
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Das Diözesanmuseum in Palma feiert 100. Geburtstag und hat ein großes Problem: Kaum jemand kennt es. Die Lage kann es nicht sein: Das Museum befindet sich an einer von Touristen hoch frequentierten Stelle an der Stadtmauer in direkter Nachbarschaft der Kathedrale. Aber die Touristen haben oft zu wenig Zeit in Palma. „Und die meisten Einheimischen wissen nicht einmal von der Existenz des Museums", bedauert Führerin

Cristina Ortiz, die unter anderem für die pädagogische Aufbereitung des Museums für Schulklassen zuständig ist und uns auf eine Tour durch die Räume mitnimmt. Das Museum hat sich in den vergangenen Jahren gemacht und zu einem modernen Haus entwickelt. Untergebracht ist es im Bischofspalast, der im 13. Jahrhundert begonnen und in den vergangenen Jahren elegant restauriert wurde. Man hätte kaum eine stimmungsvollere Location finden können.

Eröffnet wurde die Sammlung am 23. Februar 1916, nachdem der für seine Zeit ausgesprochen modern denkende Bischof Pere Campins das Projekt vorangetrieben hatte. Sein Vorgänger Mateu Jaume war derjenige gewesen, der – allerdings noch ziemlich unstrukturiert – anfing, einzelne reli­giöse Gegenstände und Gemälde zu sammeln. Campins, der auch den Umbau der Kathedrale mit dem katalanischen Künstler Antoni Gaudí plante und ausführen ließ, erlebte das Ergebnis seiner Arbeit nicht mehr. Er starb wenige Monate vor der Eröffnung.

Der Rundgang beginnt in der Kapelle Sant Pau, dem gotischen Teil des Baus. Gegenüber dem Eingang steht das Originalretabel des Gebetshauses. Ein Gaudí-Fenster hinter der Kassenbediensteten hätte eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient. „Wir wissen, dass der Eingang hier etwas ungünstig ist, weil die Kapelle kaum beachtet wird", ist sich Cristina Ortiz des Problems bewusst. Ein anderer Zugang sei allerdings aus organisatorischen Gründen nicht möglich.

Seit das Museum vor drei Jahren behutsam umgestaltet wurde, sind die Besucherzahlen zwar auf niedrigem Niveau, aber doch spürbar gestiegen, in den beiden ersten Monaten des Jahres 2016 waren es beispielsweise 1.200, etwas mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2015. Die Besucher der Kathedrale haben den Eintritt zum Museum beim Kauf der 7 Euro teuren Karte für La Seu ohnehin schon bezahlt. Der Museumseintritt allein kostet 3 Euro, für Residenten 2 Euro.

Im ersten Raum nach der Kapelle weist Cristina Ortiz auf ein Gemälde des französischen Malers Pere Niçard hin, das aus dem Jahr 1468 stammt. Es zeigt den Drachentöter Georg, hierzulande Sant Jordi genannt. Das Werk ist, gleichwohl zwischenzeitlich restauriert, erstaunlich gut erhalten. Die Farben glänzen beinahe noch. Das Gemälde war Teil eines Retabels in der ehemaligen Kirche an der Porta Sant Antoni in Palma, die mit der massiven Stadterweiterung im 19. Jahrhundert niedergerissen wurde.

Wie Sant Jordi stammen die meisten anderen Ausstellungsstücke, von denen häufig nur noch Fragmente erhalten sind, aus heute nicht mehr existierenden Kirchen in Palma oder dem Umland. Viele der jahrhundertealten Kunstwerke wurden nahezu in letzter Sekunde vor der Zerstörung oder der Ignoranz bewahrt. Ortiz hält vor einem wundervollen Gemälde der Krönung der Muttergottes an. Am Rand sind deutlich sichtbar Aufhängungen angebracht worden. „Das Kunstwerk wurde jahrelang als Tür zu einem Vorratsraum in einer Kirche in Inca zweckentfremdet", erklärt sie, bevor sie auf den ausgestopften Mini-Kaiman in der Mitte des Saals deutet – den Drac de na Coca.

In Palma sind die diesem Original nachgeahmten Pappmaché-Figuren inzwischen unverzichtbar. Eine von ihnen entfacht unter anderem zu Palmas Patronatsfest Sant Sebastià das Feuer auf der Plaça Major. Das im Museum ausgestellte ausgestopfte Exemplar eines Mini-Krokodils war im Jahr 1776 wohl auf einem Handelsschiff nach Palma gelangt. Es ging an Land und lebte fortan in den Abwasserkanälen unterhalb der Altstadt. Im Laufe der Zeit soll das Tier immer wieder Kinder angegriffen haben. Der Gouverneur von Alcúdia, Bartomeu Coc, erdolchte das Reptil schließlich und schenkte es seiner Angebeteten, der sogenannten Coca.

Eine Kanzel aus dem 14. Jahrhundert ist der Hingucker weiter hinten im Saal. Sie stand in einer Kirche im Pla de Sant Jordi nahe dem Flughafen und ist eine der ältesten noch erhaltenen Kanzeln auf der Insel. Das Besondere hier: Christliche und muslimische Elemente verschmelzen in einer Darstellung auf der Reiter zu sehen sind, aber auch geometrische Formen.

Die Räume im Museum sind stilvoll ausgeleuchtet, es wirkt alles nobel – schließlich wird hier auch ein Herrschersitz ausgestellt, auf dem Kaiser Karl V. Platz genommen haben soll, als er sich im Jahr 1541 einige Tage lang in Palma aufhielt. Er machte Station auf dem Weg zu einer Expedition nach Algerien und besuchte mehrmals die Kathedrale zu Messen. In Palma wurde der König mit allen erdenklichen Ehrerbietungen empfangen. Auch ein Sarkophag des Königs Jaume II. steht im Museum. Den hatte König Carlos III. 1779 beim italienischen Architekten Francesco Sabatini in Auftrag gegeben, weil er befand, dass Jaume in einem für einen König gänzlich unwürdigen Grab untergebracht war.

Ein Rundgang durch das Obergeschoss schließt die Tour ab. Dort befinden sich in diesem Jahr zwei Sonderausstellungen, die zu Ramon Llull (MZ berichtete in der Ausgabe 805 vom 8. Oktober 2015) und die zur Kathedralenumgestaltung von Campins und Gaudí. Beide sind mit großem Aufwand und guten Ideen gestaltet. Ein Besuch des Diözesanmuseums lohnt also allemal.

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