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Vorhang auf für Puppenspielertricks

Das 17. Festival Internacional de Teatre de Teresetes präsentiert eine ganz eigene Kunstform
08-05-2015 09:31
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Hugo Suárez kommt zum 17.Festival de Teatre de Teresetes
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Puppentheater ist nicht nur etwas für Kinder. Das beweist das „Festival Internacional de Teatre de Teresetes" in diesem Jahr bereits zum 17. Mal. Noch bis zum 10. Mai präsentieren zehn Gruppen und Künstler aus Mallorca, Katalonien, Frankreich, Peru, Tschechien und Israel in Palma und 14 weiteren Gemeinden der Insel ihre Künste. „Es ist jedes Jahr ein Kampf", sagt Festival­leiterin Aina Gimeno über ihr Herzens­projekt. Sie arbeitet mit einem Budget von 55.000 Euro. Ein Festival wie dieses sei wichtig, um die Kunst des Puppenspiels an sich zu würdigen. „Nicht nur unser Programm hat sich in dieser Zeit verändert. Auch das Publikum ist mitgewachsen. Wir haben neue Pforten geöffnet, die Leute sind mit uns reifer geworden." Ansonsten sind ihre Ambitionen bescheiden: „Wir hoffen, nicht zugrunde zu gehen", sagt Gimeno und lacht. Folgende Aufführungen werden dieses Jahr geboten:

Hugo Suárez: „Body Rhapsody"
Ob mit Fuß, Bauch oder Knie: Dem Peruaner Hugo Suaréz ist kein Körperteil zu schade, um es in eine lebendige Puppe zu verwandeln. Er lässt diese kleinen, skurrilen Charaktere Kunst­stücke aufführen. Etwa sein Knie: Das bekommt ein Hemd und eine Clownsnase verpasst. Verzweifelt versucht es, das Publikum mit ein paar Zaubertricks zu unterhalten. Das ist verblüffend virtuos und vor allem grandios komisch. In der 50-minütigen Show wird kein einziges Mal gesprochen.

Konmo: „El Conte del vell llop"
Hat eigentlich schon mal jemand den Wolf gefragt, was er davon hält, dass er in Märchen wie Rotkäppchen immer als der Bösewicht dargestellt wird? Die tschechische Gruppe Konmo geht dieser Frage nach und lässt den Wolf mit viel Musik und Humor erzählen, wie sich die Geschichte wirklich zugetragen hat. Und auch das Publikum wird einbezogen. Die Vorstellung findet auf Spanisch statt.

La Madre: „La Dulce Ingeborg. El Crimen de las Marionetas"
Am 26. Juli 1977 wird auf Ibiza die deutsche Schauspielerin Ingeborg Schäfer ermordet. Die Tatwaffe: Eine Schreibmaschine. Die einzigen Zeugen: Ihre Puppen. Dieser wahren Geschichte nimmt sich Andrea Cruz von der mallorquinischen Gruppe La Madre an. Mit Handpuppen spielt sie die Geschichte im Stil einer Krimi-Doku zwischen klassischer und experimenteller Erzählweise nach. Auf Spanisch.

Bakelite Company: „Braquage"/ „La caravanne de l'horreuer"
Die französische Gruppe Bakelite bringt gleich zwei Shows mit auf das Festival. „Braquage" erzählt von einem Raubüberfall. Wachmänner patrouillieren, Verbrecher flüchten, eine wüste Verfolgungsjagd. In der „Karawane des Horrors" hat ein Serienkiller die Phantasie entführt. Dieses Stück ist für 17 Zuschauer konzipiert und dauert 17 Minuten. Es kommt ohne Worte aus, während „Braquage" auf Französisch mit spanischen Untertiteln gezeigt wird.

The Train Theater: „The Chelem Legend"
Der israelische Beitrag überrascht mit der charmanten Idee eines Pop-up-Buches. Auf jeder aufklapp­baren Seite warten neue Abenteuer auf die Papierfiguren, die der jüdischen Folklore entnommen sind. Galia Levy Grad, die Puppen­spielerin, interagiert mit ihren Figuren. Das 45-minütige Programm ist auf Englisch mit katalanischer Simultanübersetzung.

Colorincoloradas: „Little Awa"
Die mallorquinische Gruppe Colorincoloradas erzählt in einem Schattentheater die Geschichte des kleinen afrikanischen Mädchens Awa, die eines Tages Wasser von sehr weit weg holen muss.
Begleitet von afrikanischer Musik trifft sie befreundete Tiere und weniger sympathische Gestalten. Das Stück ist ab 3 Jahren und auf Englisch.

Toni Rumbau/La Fanfarra: „A mans plenes"
Eine Verbindung von Schatten­theater und traditionellen ­Marionetten zeigen Toni Rumbau und La Fanfarra aus Katalonien. Eine fantasievolle Welt in einer Lichtbox, aus der später die Charaktere ausbrechen und zu Marionetten werden. Auf Katalanisch.

Disset Teatre: „La vertadera història de Pere Pocapor"
Angst zu haben ist ganz normal. Und wenn man Angst hat, geht man am besten in den Laden von Pere Pocapor. Dort wird man ­exzellent bedient und erfährt so manche aufregende Geschichte. Das katalanischsprachige Stück des mallorquinischen Disset ­Teatres wurde schon im kleinen Saal des Teatre Principal gezeigt.

Théâtre des Tarabates: „Tot ... I ...Pulcinella"
Die französische Gruppe führt auf Englisch und Spanisch ein Kasperletheater mit Live-­Akkordeonmusik auf.

Titelles Sebastià Vergés: El fantàstic Màgic d'Oz
Für ein klassisches Stück hat sich auch die katalanische Gruppe Sebastià Vergés entschieden: Mit Handpuppen wird auf Katalanisch die Geschichte des Zauberers von Oz erzählt.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 7. Mai (Nummer 783) lesen Sie außerdem:

- Songs aus dem Steinbruch: Neues Album von Joan Miquel Oliver
- Bemerkenswerte Künstlerporträts im CaixaForum in Palma

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