Wandern

Wanderung im Gebirge: Große Runde um Alaró

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Alaró - Illes Balears - Mallorca

Durch Olivenhaine und kleinste Dörfer zu aufgespießten Märtyrern

KATHRIN BREMER

Diese Tour erfordert wegen ihrer Länge und den zwei steilen Anstiegen einen langen Atem. Wir starten auf dem schönen Hauptplatz, Plaça de l‘Ajuntament, in Alaró. Wir verlassen den Platz am oberen Ende auf der Carrer de Ca‘n Xalet in Richtung Bar Troquet. An dieser biegen wir links in die Carrer d‘Enmig ein und folgen ihr in Richtung des alten Ortsteils von Alaró „Los d‘Amunt“. An einer Gabelung halten wir uns rechts (Carrer de Ca‘n Coxeti). Vorbei an schönen Häusern folgen wir der Straße und ignorieren eine links abzweigende Straße. An einer Gabelung mit drei Straßen gehen wir geradeaus auf der mittleren Straße weiter, die nun Carrer de Torrent de S‘Estret heißt. Wir erreichen einen kleinen hübschen Platz, den wir überqueren und rechts die Straße nehmen, die aus dem Ort heraus bergan führt (Carrer Son Duran oder auch Cami de Sa Font de ses Artigues). 

 

Der wenig befahrenen Straße folgen wir etwa 40 Minuten beständig bergauf. Die Steigung ist zumeist sanft und führt uns an schönen Gutshäusern wie Ca‘n Corona und der Quelle ses Artigues vorbei. Selbige gab dem Landgut Possessió de ses Artigues seinen Namen. Das älteste Dokument über die Existenz dieser Quelle stammt aus dem Jahr 1232. Bereits Ende des 13. Jahrhunderts sollen hier zehn Mühlen betrieben worden sein. 

 

Etwa zehn Minuten nach Einbiegen in die Carrer Son Duran kommt rechterhand für kurze Zeit unser Ziel, das Castell d‘Alaró, in Sicht. Wir ignorieren alle Abzweigungen entlang der asphaltierten Straße, die zumeist zu oberhalb gelegenen Anwesen führen. Kurz bevor die Straße endet und bei Eintritt in einen Wald, ist links unser Weg nach
Orient ausgeschildert; mit roter Farbe steht der Ort bereits auf einem Stein, es ist aber neuerdings auch ein Holzschild aufgestellt. Bis hierher haben wir etwa eine Stunde seit Start gebraucht. Unser Weg durch Steineichenwald führt nun zunächst über Felsen stetig bergauf bis zum Pass. Zwischendurch passieren wir eine Felsentreppe Pas de s‘Escaleta, die schwieriger aussieht, als sie ist. Für Menschen mit Schwindel ist es sinnvoll, wenn jemand zur Sicherheit unterhalb stehen bleibt. Der Weg ist stets eindeutig, im Zweifel weisen (relativ neu aufgestellte) Pfostenpfeile und ein Schild den Weg. Nach etwa 15 Minuten haben wir den Pass Coll de les Tosses (594 m) erreicht. Nun geht es durch einen Mauerdurchlass und in Kehren etwa 15 Minuten bergab bis zur Landstraße Ma-2100, die Orient mit Alaró verbindet. Wie auf einem Schild bei einem Gatter ausgewiesen, biegen wir links ab und folgen der Landstraße nach Orient. Besonders im Frühjahr und Herbst ist diese Strecke sehr beliebt bei Rennradfahrern, die man, bevor sie an einem vorbei rasen, kaum hört. In 15 Minuten haben wir den hübschen Ort erreicht und machen hier eine Mittagspause. Dafür kann man in einem der beiden Cafés des Ortes einkehren oder es sich auf dem Platz vor der Kirche gemütlich machen. 

 

Definitiv ist Orient eines der kleinsten Dörfer Mallorcas; die Einwohnerzahlen schwanken von 30 bis 150 (je nach Jahreszeit und Quelle). Der historische Ortskern stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die Kirche Sant Jordi, im höchstgelegenen Teil des Ortes, aus dem 18. Jahrhundert. Im unteren Ortsteil findet man die Überreste eines Waschhauses. Eine Besonderheit sind auch die Apfel- und Kirschplantagen, die sonst kaum auf der Insel zu finden sind.

 

Nach unserer Pause gehen wir das Stück auf der Landstraße zurück und an dem Ursprungsabzweig vorbei. Wir folgen der Straße, vorbei am (Luxus-)Hotel L‘Hermitage mit einer historischen Ölmühle. Hier werden immer wieder Seminare zu Olivenöl-Pressung angeboten. An dem Straßenschild „Coll d´Orient“ posieren Radler gerne für ein Gruppen-foto. Gegenüber befindet sich ein Gatter und ein Holzschild, welches den Weg zum Castell weist. Das Gatter ist zumeist offen, im Zweifel kann man links hinübersteigen. Wir halten uns nach dem Gatter links und wandern auf einem wunderschönen Weg durch alte Olivenbäume sanft bergan. Linkerhand können wir bald den Puig Major und den Puig de Massanella ausmachen. 

 

Allmählich wird der Weg schmaler und geht schließlich in einen Wald über. Nun wird es auch steiler. In vielen Kehren zieht sich der Weg bis zu einem Sattel hinauf, wo sich ein Parkplatz befindet, Es Pouet (702 m).

 

Hinter diesem halten wir uns links, ein Schild lässt keinen Zweifel aufkommen, wo es zum Castell geht. Auf einem angelegten Pflasterweg wandern wir bis zu einem Querweg. Auch hier ist wieder ein Holzschild aufgestellt, welches uns nach links weist. Auf dem Rückweg vom Castell werden wir hier später dem Querweg (Richtung Alaró) folgen. Wunderschön ist der Blick auf den unter uns gelegenen Bauernhof Es Verger, der für seine Lammschulter bekannt ist. Im Rahmen dieser Tour ist eine Einkehr nicht vorgesehen, diese lohnt sich aber in jedem Fall für einen weiteren Ausflug. Man kann mit einem (geländegängigen) Wagen bis dorthin anfahren. Wir erreichen schließlich erst ein, dann ein weiteres Burgtor. Nach dem zweiten empfiehlt sich links ein kurzer Abstecher zu einem schönen Aussichtspunkt auf die Serra de Tramuntana und die Richtung, aus der wir kamen. Um zum Castell zu gelangen, halten wir uns immer weiter bergan, bis wir schließlich auf die Terrasse des Puig d‘Alaró (821 m) treten und die fantastische Aussicht auf die Bucht von Palma genießen.

 

Neben der kleinen Bar, in der wir uns mit Getränken und Kuchen versorgen können, befindet sich die Kapelle Nostra Senyora del Refugi sowie eine Herberge. Nach Voranmeldung unter Tel.: 971-18 21 12 oder reserves@castellalaro.cat kann man dort in Mehrbettzimmern übernachten. Es lohnt sich, das oberhalb der Herberge gelegene Gipfelplateau zu erkunden, denn von dort aus bieten sich spektakuläre Ausblicke in alle Himmelsrichtungen.

 

Das Castell d‘Alaró galt einst als uneinnehmbar. In der Kapelle wird zwei treuen Gefolgsleuten des mallorquinischen Königs Jaume II. gedacht, den lange als Märtyrern
verehrten Cabrit und Bassa. Sie sollen sich von hier aus König Alfons III. von Aragon widersetzt haben, als dieser versuchte, die Balearen seinem Reich anzugliedern. Nach langer Belagerung wurden die beiden gefangen genommen, aufgespießt und bei lebendigem Leibe geröstet. 

 

Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns an den Abstieg bis zu der beschriebenen Kreuzung und folgen hier nun der Ausschilderung „Alaró“. Etwa 20 Minuten gehen wir in Serpentinen bergab. Wir gelangen schließlich auf den Fahrweg, der zur Finca „Es Verger“ führt. Wir gehen hier nach links. Wann immer wir Pfostenpfeile sehen, die uns von dem Fahrweg abführen, folgen wir diesen. Sie sind Abkürzungen und führen immer wieder auf die Piste. Ab und an lohnt ein Blick zurück auf das nunmehr sehr fern scheinende Castell. 

 

Wir gelangen etwa 5 Minuten nach dem Gut Son Penyaflor an eine Kehre, wo ein Holzschild uns nach links weist. Nach wenigen Minuten erreichen wir die Ma-2100, der wir nach rechts in Richtung Alaró folgen. Nach 10 Minuten haben wir schließlich wieder den Hauptplatz von Alaró erreicht und kehren in einer der Bars oder Restaurants ein.

 

 

Wegstrecke

16,5 km

Nettogehzeit

5 Stunden

Höhenunterschied

750 m

Schwierigkeitsgrad

 

***

 

Anfahrt von Palma:  Auf der Ma-13 von Palma Richtung Inca, Ausfahrt Consell/Alaró, auf die Ma-2022. Kostenfreie Parkplätze am Ortsrand im Bereich des Sportplatzes.

Tourencharakter: Schwere, da lange
Tour auf Fahr- und Waldwegen und gepflasterten Pfaden.

Ausrüstung: Wanderschuhe, Wasser,
Proviant, Sonnenschutz.

 

Einkehr: Restaurants und Bars in Orient und Alaró, Kaffee und Kuchen in der Bar auf dem Puig d‘Alaró.

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