Wandern

Wanderung ganz im Westen: Die zweite Etappe des GR 221

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Andratx - Illes Balears - Mallorca

Von Sant Elm über das Trappistenkloster bis nach Coll de sa Gramola

KATHRIN BREMER

Vom Hauptstrand in Sant Elm (Platja d´Es Geperut) nehmen wir die hübsche Flaniermeile durch den Ort (Avinguda Jaume I.). Wir lassen den kleinen Hafen, wo die Fähre auf die Insel Sa Dragonera ablegt, links liegen. An einer Rechtskurve folgen wir der Straße Cala en Basset. An der Bar Es Moli nach rechts über den kleinen Platz, wo die Avinguda La Trapa beginnt, der wir folgen. Bald verlässt man die letzten Häuser des Ortes und der Weg führt in den Wald. Nach etwa 15 Minuten erreichen wir die Ruine des Hauses Can Tomeví. Wanderer mit Klettererfahrung können an dieser Stelle eine (landschaftlich schönere) Alternative wählen und den Weg geradeaus in den Wald hinein nehmen, der im Folgenden jedoch lediglich durch Steinmännchen markiert ist. Wir folgen jedoch der Schotterpiste am Can Tomeví entlang (Cami de la Punta de Sa Galera). Nach wenigen Minuten biegen wir als Abkürzung in einen Waldweg ab. Nach weiteren wenigen Minuten erreichen wir wieder die Schotterpiste, die sich nun steil in unzähligen Kehren den Berg hinaufzieht bis zum Gebirgspass Coll de ses Animes (365 Meter). Es lohnt sich, immer wieder den Blick zurück zu werfen und den wunderschönen Ausblick auf die Berge Puig de ses Celles, den Puig d’en Farineta und sogar bis Santa Ponça und die Inselgruppe Malgrats zu genießen.

 

Vom Sattel hat man bereits den ersten Blick auf das ehemalige Kloster Sa Trapa. Während der Französischen Revolution sah sich eine Gruppe Trappistenmönche aus der Normandie gezwungen, nach Mallorca zu flüchten. An der schwer zugänglichen Felsküste, weit ab von jeglicher Zivilisation, siedelten sie sich im Jahr 1810 an. Sie legten Terrassen an, auf denen Getreide, Obst, Gemüse und Wein angebaut wurde. Ein Brunnen sorgte für die Wasserversorgung, eine Mühle für die Verarbeitung des Getreides, bei welchem auf dem großen, kreisrunden Dreschplatz zunächst die „Spreu vom Weizen“ getrennt wurde. Bereits im Jahr 1820 wurde der Orden allerdings aufgelöst und das Kloster von den Mönchen verlassen. In den folgenden Jahrzehnten verfielen die Gebäude und die Felder. Seit 1980 gehört das etwa 80 Hektar große Gelände der mallorquinischen Naturschutzorganisation GOB, die die Anlage aus Spenden finanzierte. Nach und nach werden die Gebäude wiederaufgebaut. Wer möchte, kann hier in Wochenendseminaren lernen, wie die berühmten Trockensteinmauern gebaut werden, die dem Fernwanderweg GR 221 seinen Namen gaben („Ruta de pedra en sec“). Dauerhaft sollen die ehemaligen Klostergebäude nach ihrer Renovierung als Herberge (Refugi) auf dem GR 221 dienen.

 

Bis zum Pass haben wir etwa eine Stunde gebraucht, für den Abstieg bis Sa Trapa benötigen wir eine Viertelstunde. Beim Abstieg fällt uns schon rechts in einer Kurve der Einstieg in einen hübschen Trampelpfad auf, den wir später nehmen werden. Zunächst steigen wir aber bis zum Dreschplatz hinab, wo wir eine Pause einlegen und den spektakulären Blick von dort auf die vorgelagerte Dracheninsel genießen.

 

Nach der Pause folgen wir dem Zufahrtsweg zu Sa Trapa wieder hinauf bis zu dem beschriebenen Einstieg. Wir gehen durch Binsen und Ginsterbüsche und steigen langsam immer weiter bergan. Nach gut zehn Minuten biegen wir in einer Rechtskehre links auf einen schmaleren Pfad ab. Auf diesem wandern wir erst flach, dann stellenweise steiler aufwärts. Zu unserer Linken begleitet uns beständig der wunderschöne Blick auf Sa Dragonera. Nach weiteren zehn Minuten erreichen wir eine Riesensteinpyramide, an dem wir einen kurzen Abstecher nach links zum „Cap de Fabioler“ machen. Dieser spektakuläre Aussichtspunkt ist nichts für Menschen mit Schwindel, denn es geht hier 450 Metern senkrecht nach unten. Von hier eröffnet sich ein neuer Blick auf Sa Dragonera und die umliegende Landschaft. Nach kurzem Aufenthalt gehen wir zurück zu der Steinpyramide und links an ihr vorbei weiter geradeaus. Wir folgen dem gut ausgetretenen Pfad durch die Abhänge des Puig de des Basses und in einer Schleife um den Gipfel (492 Meter) herum. Der Blick weitet sich auf die atemberaubende Landschaft, die Nordküste und bis zum Gipfel des Esclop. Etwa eine knappe Stunde nach der Steinpyramide erreichen wir ein verlassenes Gebäude, welches zu dem ehemaligen Weiler ses Basses gehörte. 

 

An dieser Caseta des ses Basses halten wir uns links und folgen dem breiten Karrenweg Camí de ses Basses in Serpentinen abwärts. An einer Abzweigung ist nach wenigen Minuten rechts eine Variante des GR 221 nach s´Arraco ausgeschildert. Wir halten uns jedoch links. Auf einer Tafel an dieser Kreuzung können wir den bisherigen und weiteren Wegverlauf gut nachvollziehen. Wir wandern auf dem klar erkennbaren breiten Schotterweg beständig in Richtung Coll de sa Gramola.

 

Heute ist nicht mehr viel von dem schlimmsten Feuer zu erahnen, welches diese Region erschütterte. Im Sommer 2013 wurden 2.335 Hektar Tramuntana-Bergwald vernichtet. Die Feuerwehren benötigten damals elf Tage, um die Flammen zu löschen. Ein Anwohner am Ortsrand von Andratx hatte mit den Resten von Grillkohle, die er entsorgte, das Feuer entfacht. Nunmehr zeugen nur noch vereinzelte verkohlte Baumstümpfe von dem Brand.

 

Wir gehen zunächst immer sanft bergab, bis wir nach einer weiten Kehre ein Stück bergan gehen. Wir passieren eine Kette, die wir übersteigen, ein Haus und stehen schließlich auf dem Parkplatz am Pass Coll de sa Gramola auf 344 Meter. Hier hat man entweder ein zweites Auto abgestellt oder eine Zeit mit der Taxizentrale von Andratx (Telefonnummer siehe Kasten) vereinbart. Wer den Fernwanderweg GR 221 weiterwandert, geht nun noch weiter zur letztes Jahr in Betrieb genommenen Finca Ses Fontanelles. Eine Übernachtung sollte unbedingt vorab reserviert werden: Tel.: 971-94 09 41 oder www.ses-fontanelles.es. Vom Pass Coll de sa Gramola folgt man der Ma-10 nach links (Richtung Estellencs) etwa zwei Kilometer bis zum Kilometerstein 104. Dort rechts in den Camí de Ses Fontanelles einbiegen (Schild bei km 103,9). Der Weg führt direkt zur Grundstückseinfahrt. Durchlass für Wanderer auf der rechten Seite nutzen. Die Gehzeit bis hierher beträgt etwa 40 Minuten vom Pass aus.

 

Wegstrecke

13 km

Nettogehzeit

4 Stunden

Höhenunterschied

620 m

Schwierigkeitsgrad

 

***

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-20 Richtung Port d´Andratx. Auf halber Strecke von Andratx nach Port d´Andratx rechts ab und circa sechs Kilometer den Schildern Richtung Sant Elm folgen. Am Strand stehen (kostenpflichtige) Parkplätze zur Verfügung.

 

Tourencharakter: Mittelschwere Tour auf Waldwegen und Schotterpisten, zumeist schattenlos. Wer nicht in Ses Fontanelles übernachten möchte, lässt sich am Coll de sa Gramola mit dem Taxi abholen (Tel.: 971-13 63 98 bzw. 971-23 55 44) oder stellt dort ein zweites Auto ab.

 

Ausrüstung: Wanderschuhe, Wasser, Proviant.

 

 

Einkehr: Mehrere Restaurants und Bars in Sant Elm.

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