Wandern

Hoch hinaus: Auf den Massanella

0 Stimmen

Escorca - Illes Balears - Mallorca

Es gilt, den zweithöchsten Berg auf Mallorca zu besteigen. Sechs Euro Weggeld sollte man dabeihaben 

KATHRIN BREMER

Die schwere Wanderung beginnt am Parkplatz des Kloster Lluc. Mit dem Rücken zum Kloster gehen wir ein Stück bergan und eine Treppe neben dem Restaurant Sa Font Cuberta hinauf. Diesem direkt gegenüber befindet sich die gleichnamige Quelle, an der wir unsere Wasserflaschen auffüllen können. Wir folgen der Straße zwischen Restaurant und Quelle bergauf, vorbei an einem Campingplatz. Nach etwa 20 Minuten erreichen wir die Pass-Straße Ma-10, die Sóller mit Pollença verbindet. An dem Zebrastreifen gehen wir in Richtung der Tankstelle und an dieser vorbei auf die andere Straßenseite. Dieser markante Sattel auf 580 m nennt sich Coll de sa Batalla. 

 

Circa 200 Meter hinter der Tankstelle findet sich eine Tafel mit einigen Wanderwegen der Region, auf der unser Weg allerdings nicht markiert ist. Wir folgen dem Wegweiser „GR 222, Caimari“ rechts von der Straße in den Wald hinein. Mit dem GR 222 entsteht neben der beliebten „Route der Trockensteinmauern“ (GR-221) auf Mallorca gerade ein zweiter Fernwanderweg, der mit einer Länge von voraussichtlich 126 km auf Dauer Lluc mit Artà verbinden wird. Der erste Teil führt von Lluc über Caimari nach Inca. 

 

Kurz nach Eintreten in den Wald passieren wir die Quelle „Font des Guix“ und folgen dem Weg leicht bergan. Bereits an der nächsten Kreuzung verlassen wir allerdings den GR 222 scharf nach rechts. Hier findet sich ein halb verwittertes Schild an einem Baum, welches auf den Weg zum „Puig Massanella“ verweist. Nach 15 Minuten vom Coll aus erreichen wir ein Tor, wo Guillermo, der Wärter der Finca Coma Freda, das Weggeld von sechs Euro pro Person kassiert. Wir folgen dem Hauptweg bis zu einer gerade voraus liegenden Mauer, bei der der Hauptweg durch einen Mauerdurchlass führt. Ein schlecht zu erkennendes Schild „Massanella“ weist uns jedoch nach links auf den schmaleren Pfad. -Diesem folgen wir stetig leicht bergan, bis wir nach weiteren 15 Minuten auf einen Hauptweg treffen, dem wir links bergauf folgen. Eine rote Markierung besagt uns hier „Puc“ mit einem Pfeil nach links. Wir steigen immer weiter bergan, bis wir rechter Hand auf einem kleinen Sattel (Coll de sa Linia, 832 m) zwei Steinpfosten vorfinden. Zwischen diesen geht es rechts bergauf, worauf auch eine eingemeißelte -Markierung „Puig“ hinweist.

 

Stetig steigen wir in dem bewaldeten Hang in Kehren bergan. Zwischendurch werden immer wieder Blicke frei auf die Bucht von Pollença auf der einen Seite, beziehungsweise in der anderen Richtung auf die Zwillingsberge von Alaró. Dieser Bergpfad wurde einst von den sogenannten „nevaters“ (Schneesammlern) angelegt. Vom 16. Jahrhundert bis in die 30er-Jahre gab es auf Mallorca die Tradition des Schneesammelns. Als es noch keine Kühlschränke gab, trugen die Schneesammler den winterlichen Schnee zusammen und verdichteten ihn in Gruben zu Eis. Dazu wurden vier bis acht Meter tiefe und bis zu 16 Meter lange, in Trockenbauweise ausgekleidete Schächte ausgehoben. Unter Schichten von Holz, Asche, Reisig, Gras und Laub hielt sich das Eis bis weit in die Sommermonate und wurde nach und nach mittels Esel- oder Maultiertransport in die nahe gelegenen Orte gebracht. Im Fall der Schneesammler der Finca Coma Freda nach Caimari und Inca. Man verwendete das Eis zur Kühlung von Lebensmitteln und für medizinische Zwecke, aber auch zur Herstellung von Erfrischungsgetränken und Speiseeis.

 

Nach etwa einer halben Stunde von den letzten Steinpfosten aus erreichen wir einen weiteren Steinpfosten. Links davon führt der Weg auf den Massanella über die Quelle „Font des Avenc“, welcher anspruchsvoller ist. Bei dieser Variante würden wir nach 30 Minuten beschwerlichen und schwierigen Weges auf den Eingang der Quelle treffen, die über einige Stufen bergab in eine von Insekten umschwirrte Grotte führt. Im Folgenden wird der Weg noch unwegsamer und erfordert echtes Klettergeschick. 

 

Daher wenden wir uns bei dem Steinpfosten nach rechts. Der Weg führt weiter stetig in engen Kehren bergauf. Bald verlassen wir die Baumgrenze und der Blick wird zunehmend freier. Eine halbe Stunde nach dem Steinpfosten erreichen wir die Schnee-Ebene („Pla de sa Neu“) auf 1.180 Meter. Voraus können wir nun gut den Doppelgipfel des Massanella erkennen. Wir steuern den rechten Gipfel an. Steinmännchen weisen uns den Weg. Zunächst über die Ebene, dann aber stetig über scharfkantigen Fels bergauf. Nach 40 Minuten von der Ebene aus haben wir den Gipfel auf 1.360 m erreicht. An klaren Tagen hat man einen 360-Grad-Rundumblick über die gesamte Serra de Tramuntana. Bei drei Aufstiegen der Autorin in den letzten drei Monaten war allerdings die Sicht jedes Mal verhangen. Dennoch kann man immer mindestens den Stausee Cúber, die umliegenden Berge wie den Tomir sowie den höchsten Berg Mallorcas, den Puig Major, gut erkennen. Der „Große Berg“ ist mit 1.445 Metern Höhe der höchste Berg Mallorcas und ist mit seiner Radarstation unzweifelhaft auszumachen. Nach einer wohlverdienten Pause erfolgt der Rückweg auf der gleichen Route.

 

Wegstrecke

14 km

Nettogehzeit

5,5 Stunden

Höhenunterschied

950 m

Schwierigkeitsgrad

****

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-10 von Sóller oder Pollença aus. Der Beschilderung zum Kloster Lluc folgen. Oder man nimmt den öffentlichen Bus L 310 von Palma nach Inca und L 330 von Inca nach Lluc.

 

Tourencharakter: Anspruchsvolle Wanderung auf Karrenwegen, Waldpfaden und steinigen Steigen. Am Gipfel felsig und unwegsam, hier ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unerlässlich. Rückweg auf der Hinroute. Bei schlechtem Wetter sollte man auf den Aufstieg verzichten. Am Eingang der Finca Coma Freda wird derzeit ein Eintritt von sechs Euro pro Person kassiert.

 

Ausrüstung: Gut eingelaufene Bergstiefel, Wasser, Proviant, Fleece-Jacke für den Gipfel (windig).

 

 

Einkehr: In Lluc und am Coll de sa Batalla.

 

 

 

Diese Wanderung wurde am 26. Oktober 2017 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

Fotogalerie


    Warning: Invalid argument supplied for foreach() in /mnt/datos/ocio.laopinion.es/include/page/planes.php on line 57

Karte