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Wandern bei Port de Sóller: Jetzt schlägt's 13

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Sóller - Illes Balears - Mallorca

Unterwegs zu historischen Orten, an denen die Mallorquiner den Korsaren ihre Grenzen aufzeigten. Eine Rundtour bei Port de Sóller

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung beginnt in Port de Sóller gleich hinter dem Autotunnel Sa Mola bei einem Kreisel. Hier zweigt rechts der Camí de sa Figuera ab, auf dem man bei dieser Rundtour wieder ankommen wird. Rechts von diesem Weg, der die Straße Ma-2124 ist, befindet sich eine Tafel „Camina per Mallorca“. Rechts von dieser steht ein Schild „Sóller“, dem nun zu folgen ist.

 

Ein Karrenweg führt sogleich in einen lichten Kiefernwald. Man passiert dann ein offenes Holztor und kommt an einem Kalkofen mit einer überdachten Steinhütte der Kalkbrenner vorbei. Ein Pfad verläuft dann leicht nach oben, wobei man bei Abzweigen den Pfostenpfeilen folgt. Nach einem dieser Wegweiser steigt man auf einem gepflasterten Abschnitt weiter auf und gelangt dann auf der nun steileren Piste zu einer kleinen Lichtung.

 

Dort folgt man geradeaus einem Pfostenpfeil. Die Piste steigt dann leicht an, wobei Pfostenpfeile und ein roter Punkt die Richtung zeigen. Nach einem kurzen Abstieg passiert der Wanderer mehrere Anwesen, die aber nicht zugänglich sind.

 

Nach einem weiteren Pfostenpfeil steigt die Piste leicht an. Man passiert ein Holztor, später ein weiteres. Hinter dem zweiten Tor führt ein gepflasterter Pfad zu einem breiten Weg, auf den rechts (Schild „Sóller“) abgebogen wird. Der Waldweg führt dann alsbald zum Coll d‘en Borrassar, wobei die Gehzeit seit Tourstart rund 35 Minuten betragen hat. 

 

Hier hat man nun einen famosen Ausblick auf den Puig de l‘Ofre, die beiden Cornadors, den Barranc de Biniaraix, die Serra de Son Torrella und die Serra d’ Alfàbia. Vom Sattel Borrassar führt ein breiter Weg geradeaus (Pfostenpfeil) abwärts. Auch auf dem nächsten Streckenabschnitt zeigen Pfostenpfeile und das Schild „Sóller“ die Richtung. Der Wanderer passiert einige finquitas und gelangt schließlich zu den Häusern Ca‘n Joan Pagès und Ca‘n Toni Tamany, wobei die Gehzeit vom Coll d‘en Borrassar bis hier rund eine Viertelstunde betragen hat.

 

Hier fallen an den Hausfassaden zwei Tafeln auf. Den Inschriften ist zu entnehmen, dass sie den „Valentes dones de Ca‘n Tamany“ gewidmet sind. Bei den „mutigen Frauen von Ca’n Tamany“ handelt es sich um Catalina und Francesca Casesnoves. Der Legende nach haben die beiden Schwestern am 11. Mai 1561 während eines Überfalls von 1.700 Korsaren auf Sóller in Ca‘n Tamany mit einem Türriegel einen Piraten erschlagen, der mit einer kleinen Gruppe in ihr Haus eindringen wollte. Der Rest der Korsaren war von dem Mut der Frauen so entsetzt, dass sie die Flucht ergriffen.

 

Zuvor hatten die Seeräuber ihre 23 Schiffe an der Landspitze Punta Llarga geankert und waren auf der heute „Ruta del corsarisme a Sóller“ genannten Wanderroute über den Coll de s‘Illa in Richtung Sóller marschiert, um die Stadt auszuplündern. 

 

Unter dem Anführer Capità Joan Angelats schlugen jedoch rund 500 sóllerics mithilfe von Soldaten aus Alaró, Bunyola und Santa Maria del Camí die Angreifer in die Flucht. Die Schlacht wird seit 1854 alljährlich jeden Montag nach dem zweiten Wochenende im Mai von den Bewohnern Sóllers nachgestellt. Heute kommen zu dem Volksfest „Es Firó“ Tausende von Besuchern.

 

Weiter geht es von Ca‘n Tamany auf einer breiten Piste. Man folgt dann bei Wegteilungen den Schildern „Sóller“ und gelangt danach zu der Landstraße Ma-10, auf die links in Richtung der Stauseen Cúber und Gorg Blau einzubiegen ist. Nun sind am Straßenrand mit der gebotenen Vorsicht rund 800 Meter bis Kilometerstein 50,4 aufzusteigen. Hier verweist ein Schild „Sa Figuera“ links auf eine Asphaltpiste, bei der es sich um die Ma-2124 handelt. 

 

Die Fahrbahn führt leicht ansteigend durch eine große Senke, in der sich Terrassen befinden, die mit vielen, teils uralten Ölbäumen bewachsen sind. Die kurvige, stetig ansteigende Strecke führt auch an einigen Anwesen vorbei. Schließlich wird auf der Ma-2124 der Coll d’en Marquès erreicht, wobei die Gehzeit von Ca‘n Tamany rund
50 Minuten betragen hat.

 

Auf dem Sattel ist das Schild „Camí de sa Figuera, Fornalutx, Tuent, Sa Calobra“, das nach rechts verweist, zu ignorieren. Man bleibt geradeaus auf der Ma-2124. Diese Straße, auf der sich die Wanderer heute bewegen, ist 1939 unter unmenschlichen Bedingungen von republikanischen Kriegsgefangenen erbaut worden. Die Franco-Militärs hatten Ende 1936 in dem Militärhafen von Port de Sóller in einem alten Lazarett ein Zwangsarbeiterlager für Hunderte von Gefangenen errichtet. Die Internierten mussten auch Teile der heutigen Straße von Sóller nach Deià und die Straße von Port de Sóller zum Leuchtturm Far des Cap Gros bauen.

 

Die Straße verläuft in einigen Kurven talwärts. Dabei kann man immer wieder einen famosen Ausblick auf Port de Sóller, die Hafenbucht, den Wachturm Torre Picada und den Leuchtturm Far des Cap Gros genießen. Der Wanderer ignoriert später einen linken Abzweig mit dem Schild „Sóller“ und steigt auf der Ma-2124 weiter in Richtung Port de Sóller ab. Er passiert die Eingangstore der Anwesen Es Bosc, Ca‘n Gordo, Cas Conco, Ca s‘Hereu und Sa Coma. Die Gutshöfe werden von den Zinnen und Steilwänden der Muntanyeta de Bàlitx überragt. Schließlich ist rund 30 Minuten nach dem Coll d‘en Marquès die Possessió Ca’n Bardi erreicht.

Die Route verläuft weiterhin meerwärts und verflacht dann zusehends. Man kommt schließlich an einem kleinen Anwesen vorbei, in deren Garten sich ein Asiatisches Hängebauchschwein unter Zitronenbäumen häuslich eingerichtet hat. Rund 25 Minuten nach Ca‘n Bardi ist dann wieder der Kreisel bei dem Autotunnel Sa Mola erreicht.

 

Wegstrecke

9 km (Rundtour)

Nettogehzeit

rund 2 Std. 40 Min.

Höhenunterschied

230 m

Schwierigkeitsgrad

**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-11 nach Sóller und Port de Sóller. Parkplätze gibt es bei dem Kreisel des Autotunnels Sa Mola.

 

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf Pfaden, Waldwegen und Asphalt. Bei dem 2,4 Kilometer langen Aufstieg auf der Ma-10 und der Ma-2124 bis zum Coll d‘en Marquès ist gute Kondition gefragt. Bei dem Abschnitt auf der Ma-10 ist auf den Straßenverkehr zu achten.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant und evtl. Regenschutz.

 

Einkehr: Lokale in Port de Sóller.

 

 

Karte: Mallorca Tramuntana Central, Editorial Alpina, 1:25.000.

 

Diese Wanderung wurde am 9.2.2017 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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