Wandern

In die Büsche: auf die Puntals de Valldurgent

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Calvià - Illes Balears - Mallorca

Schöne Bilder garantiert: eine leichte Wanderung  zwischen Palma und Calvià

ROLAND OTTO

 

Start der leichten Wanderung ist auf dem Coll des Vent bei Kilometerstein 6 der Landstraße Ma-1043. Hier beginnt rechts bei zwei Eisenpfosten eine breite, steinige Piste, die durch einen lichten Kiefernwald leicht nach oben führt. Nach etwa 20 Metern wird bei einem Haufen aus Bauschutt ein rechter Abzweig ignoriert.

 

Der holprige Waldweg verläuft dann etwas steiler aufwärts, wobei man für längere Zeit immer auf der Hauptpiste bleibt. Rechts und links der Route bilden Mastix, Dissgras und Zistrosen eine dichte Vegetation. Auch viele Exemplare des Westlichen Erdbeerbaumes sind zu sehen.

 

Diese manchmal meterhohen Sträucher präsentieren sich im Herbst mitunter als farbenprächtiges Kunstwerk der Natur, weil sie gleichzeitig weiße und rosarote Blüten, gelbliche Beeren und rote, essbare Früchte tragen. Auf Mallorca nutzten Köhler früher auch das Holz des Westlichen Erdbeerbaumes zum Befeuern der Köhlermeiler. Heute werden in mallorquinischen Haushalten aus den Früchten Marmelade und Kompott gekocht.

 

Die steinige Piste wird dann steiler, verläuft später wieder abwärts und führt an einer markanten Felsformation mit kleineren Höhlenbildungen vorbei. Nach einem kurzen Anstieg wird schließlich ein Sattel erreicht, wobei die Gehzeit seit Tourstart rund eine Viertelstunde betragen hat.

 

Hier hat man rechts einen wunderschönen Blick auf das Castell de Bellver, die Marienstatue oberhalb von Gènova und Palma mit seiner Bucht. Auch die Kathedrale La Seu ist mit bloßem Auge zu erkennen. In der Ferne sind der bei Algaida und Llucmajor liegende Klosterberg Randa und die Serra de Galdent mit dem Puig de Son Roig und den Puig de ses Bruixes auszumachen.

 

Weiter geht es von dem Sattel kurz abwärts. Man bleibt immer auf dem Hauptweg und umrundet eine Talsenke. Danach verengt sich der breite Weg in einen ruppigen Pfad, der in einigen Kehren relativ steil nach oben verläuft. Auch jetzt sind Sträucher des Westlichen Erdbeerbaumes zu sehen.

 

Die nach wie vor sehr steinige Piste verbreitert sich dann wieder und führt nach einem flachen Abschnitt und einem kurzen Anstieg zu einer Wegteilung. Hier wird nun links (Steinmännchen und roter Klecks) auf einen -breiten Weg abgebogen. Die Gehzeit von dem Sattel bis hier hat rund 20 Minuten betragen.

 

Eine breite, steinige Piste führt dann nicht allzu steil nach oben. Rund fünf Minuten nach der Wegteilung ist dann der Gipfel der Puntals de Valldurgent erreicht. Hier fällt zunächst eine kleinere Ebene, auf der sich auch ein gemauertes Erdloch befindet, auf. Ältere Fotos von dem Gipfel zeigen, dass sich auf diesem Plateau bis vor einigen Jahren ein Brandwachturm befunden hat.

 

Die Puntals, die „Erhebungen mit Zacken“, sind nach der Possessió Valldurgent benannt, die unterhalb des Gipfels gelegen ist. Leider ist das Landgut von hier oben nicht einsehbar. Wer aber bei der Rückfahrt über Calvià nach Palma fährt, kommt direkt an der possessió vorbei, die sich bei Kilometerstein 8 der Ma-1043 befindet.

 

Archäologische Funde zeigen, dass die Umgebung von Valldurgent schon 1600 bis 1100 v. Chr. besiedelt war. Viel später errichteten die Mauren während ihrer Herrschaft auf Mallorca hier ein kleines Gehöft. Im Jahr 1344 war die Familie Safortesa die Besitzerin von Valldurgent. Fast 90 Jahre späerwarb die Familie Brondo das Anwesen, deren Nachkommen bis in das 19. Jahrhundert die Eigentümer waren. Zum Schutz vor
Piratenüberfällen wurde ein Wehrturm errichtet.

 

Die possessió zählte über Jahrhunderte zu den ertragreichsten Gutshöfen auf dem Gemeindegebiet von Calvià. Hier wurden vor allem Oliven, Getreidesorten und Wein angebaut. Anfang des 17. Jahrhunderts erwarb die Familie Brondo auch einen Teil der nicht weit entfernt liegenden Possessió Es Burotell.

Dieses Anwesen ist vom Gipfel der Puntals de Valldurgent links unten zu sehen. Die finca mallorquina ist heute ein großer Bauernhof mit einer Fläche von 260 Hektar, der für Kinder und Jugendliche eine Vielzahl von Kursen, Freizeitveranstaltungen und Sommercamps anbietet. Auf der granja escola werden Pferde, Kühe, Schweine, Hühner, Schafe und Ziegen gehalten. Auch Olivenhaine und ein Kräutergarten sind vorhanden. 

 

Die Aussicht von dem 511 Meter hohen Gipfel ist vom Allerfeinsten. So schweift der Blick über die Serra de na Burguesa bis hin zum Meer bei Santa Ponça und Peguera. Auch der Puig de Garrafa bei Andratx, der Berg sa Cadira des Bisbe bei den Cases de Galatzó und der Puig de na Bauçana in der Nähe von Galilea sind zu sehen. 

 

Imposant ist dann die Weitsicht auf die markantesten und höchsten Gipfel im südwestlichen Teil der Serra de Tramuntana: die Mola de s‘Esclop, den Puig de Galatzó und die Serra des Puntals mit den Bergen Puntals de Planícia, Puntals de Son Balaguer und die Mola de Planícia. Auch die Fita del Ram und die Mola de Son Ferrandell bei Esporles sind zu erblicken.

 

Allerdings nur an klaren Tagen kann der Wanderer sogar die Talaia Vella bei Valldemossa, das Teix-Massiv, den Penyal des Migdia, den Puig Major, den Puig de ses Bassetes und den Puig de Massanella erkennen.

 

 

Wegstrecke

4 km (hin und zurück)

Nettogehzeit

1 Std. 10 MIn. 

Höhenunterschied

150 m

Schwierigkeitsgrad

**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-20 bis zur Ausfahrt Gènova (Ausfahrt Nr. 9). Dann auf der schmalen und sehr kurvenreichen Ma-1043 bis Kilometerstein 6, bei dem sich der Coll des Vent befindet. Etwas unterhalb gibt es nach Kilometerstein 6,1 am linken Straßenrand begrenzte Parkmöglichkeiten.

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten, holprigen Waldwegen und Pfaden. Rückweg auf der Hinroute.

Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.

Einkehr: Lokale in Gènova oder Calvià.

 

Diese Wanderung wurde am 20.10.2016 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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