Wandern

Tour im Nordosten: Traumblicke

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Artà - Mallorca

Eine Wanderung im Naturpark Llevant mit Aufstieg auf den Puig des Porrassar

ROLAND OTTO

 

Die leichte Wanderung beginnt am Parkplatz bei der Finca pública s‘Alqueria Vella de Baix. Das Anwesen, zu dem auch die Cases de s‘Alqueria Vella de Dalt gehören, wurden im Jahr 2001 vom balearischen Umweltministerium gekauft. Zusammen mit den schon ein Jahr zuvor erstandenen Landgütern Es Verger und Cases d‘Albarca wurde das Areal 2001 von der Regierung der Balearen zum Parc natural de la Península de Llevant deklariert. Vor Tourstart sollte man aber noch dem Informationszentrum des Naturparks einen Besuch abstatten.

 

Dort sind kostenlose Infoblätter (auch auf Deutsch) über den Park, seine Flora und Fauna und seine 13 Wanderrouten erhältlich. Los geht also die Wanderung beim Parkplatz. Man folgt hier rechts der Beschilderung „Nr. 3, Camí dels Presos, Puig de sa Tudossa“. Auf einer Asphaltpiste fällt dann links eine Tafel auf, auf der über den Wiederanbau von verschiedenen Feigensorten informiert wird. Der Wanderer erreicht dann ein verschlossenes Tor, das durch eine Pforte passiert werden kann.

 

Ein Schild weist da­rauf hin, dass Hunde nur angeleint mitgeführt werden dürfen. Die Piste steigt nun leicht an. Man gelangt dann zu einer Stelle, an der ein Schild „s‘Alqueria Vella de Dalt“ links auf einen Weg verweist. Danach wird ein offenes Holztor durchschritten. Man bleibt nun immer auf dem Hauptweg und gelangt dann zu den Cases de s‘Alqueria Vella de Dalt, wobei die Gehzeit seit Tourstart rund zehn Minuten betragen hat. Der Gutshof wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Neben dem Haus des Verwalters sind noch die Unterkünfte der Landarbeiter und Stallungen vorhanden.

 

Auf Terrassen und Ebenen wurden auf diesem Terrain in mühevoller Arbeit unter anderem Getreidesorten und Hülsenfrüchte angebaut. Wegen Einsturzgefahr dürfen die Häuser nicht betreten werden. Anschließend begibt man sich wieder zurück zu dem Abzweig mit dem Schild „s‘Alqueria Vella de Dalt“ und steigt links weiter auf. Man folgt dann einem Pfostenpfeil und ignoriert später einen rechten Abzweig mit den Schildern ­„GR 222, s‘Arenalet des Verger“ und „Nr. 3, Camí des Presos“ und passiert dann ein weiteres offenes Tor.

 

Der Wanderer gelangt dann bei einer kleinen Brücke zu einer Tafel, der zu entnehmen ist, dass sich hier eine ehemalige Schmiede befunden hat, die links etwa 20 Meter entfernt nur noch als Ruine vorhanden ist. Die primera ferreria war Teil des Arbeitslagers Campament dels Soldats, zu dem man später noch gelangen wird. Weiter geht es auf der Kieselpiste, die in Kehren nicht allzu steil nach oben verläuft. Man bleibt auf dem Hauptweg und erreicht schließlich in rund 30 Minuten nach s‘Alqueria Vella de Dalt das Campament dels Soldats.

 

In diesem Zwangsarbeiterlager, dessen Gebäude verfallen sind, waren nach dem Spanischen Bürgerkrieg in den Jahren 1941/42 republikanische Kriegsgefangene interniert. Die über 900 Inhaftierten mussten den Camí dels Presos bauen. Die Fahrbahn diente als Nachschubweg der franquistischen Militärs und führte sowohl auf den Puig de sa Tudossa als auch bis unterhalb der Sa Talaia Moreia. Die Regierung der Balearen hat zu Ehren

 

der Gefangenen im Jahr 2002 am Eingang des Lagers einen Gedenkstein errichtet. Weiter geht es kurz nach dem Eingangstor des Campament links (Schild „Pujada al Puig des Porrassar, Nr. 12“). Der Wanderer passiert sogleich ein Tor, folgt einem Pfostenpfeil „Nr. 12“ und gelangt zu einem geschlossenen Tor, das links auf einer Leiter überstiegen wird. Man folgt dann der Beschilderung „es Porrassar, Nr. 12“, Pfostenpfeilen „Nr. 12“ und Steinmännchen. Eine steinige Piste führt anfangs leicht ansteigend aufwärts.

 

Später verläuft ein felsiger Pfad in engen Kehren steil nach oben. Schließlich ist rund 30 Minuten nach dem Campament die Gipfelpyramide des fast 500 Meter hohen Puig des Porrassar erreicht. Die Aussicht von hier oben ist phänomenal. Der Blick schweift vom Cap Formentor über das Cap Pinar, die Talaia Moreia, von den Stränden s‘Arenalet, es Matzoc, Cala Mitjana, Cala Torta, Cala Mesquida bis hin zur Cala Agulla. Blickt man nach Osten, sind in der Ferne das Cap Vermell und die Cala Canyamel zu erkennen.

 

Der Wanderer kann aber von hier oben auch einen Eindruck von der ursprünglich geplanten Fläche des Naturparks bekommen. Die geschützte Fläche sollte auf Land fast 16.232 Hektar betragen. Geplant war auch ein Meeresschutzgebiet von 5.275 Hektar. Betroffen waren davon die Gemeinden Artà, Capdepera, Santa Margalida, Son Servera und Sant Llorenç des Cardassar. Auch die Cala Canyamel zählte dazu.

 

Diese Pläne mussten nach heftigen Protesten von Hoteliers, Tourismusverbänden, Landbesitzern, Landwirten und Baufirmen aufgegeben werden. Eröffnet wurde der Naturpark dann 2001 auf einer eher bescheidenen Fläche von nur 1.671 Hektar. Deshalb konnten in der Folge vermutlich einige bauliche Umweltfrevel nicht verhindert werden, von denen die Fünf-Sterne-Hotelanlage „Park Hyatt“ bei der Cala Canyamel der aktuellste ist. Nach einer ausgedehnten Pause steigt man in rund 25 Minuten wieder zu dem campament ab und biegt bei dem Gedenkstein links auf die breite Piste ab.

 

Diese wird dann nach rund 20 Metern bei dem Schild „Nr. 3, Centre d’informació“ links wieder verlassen und danach wird der Beschilderung „GR 222, Ermita de Betlem, Betlem“ gefolgt. Ein Waldweg und später ein Pfad führen (Pfosten­pfeile) dann wieder auf die breite Piste vom Hinweg und auf diesem zu dem Parkplatz der Finca pública s‘Alqueria Vella de Baix, wobei die Gehzeit vom Campament rund 25 Minuten betragen hat. 

 

Wegstrecke 6 km (hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 2 Std.

 

Höhenunterschied 265 m

 

Schwierigkeitsgrad **

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-15 nach Artà und dort weiter in Richtung Capdepera. Am Ortsausgang von Artà befindet sich eine Tankstelle, bei der links (Schild „Parc natural“) abgebogen wird. Man folgt dann weiter dieser Beschilderung und gelangt zur Landstraße Ma-3333, die zur Ermita de Betlem führt und die bei Kilometer 4,7 rechts verlassen wird (Beschilderung). Eine Fahrbahn führt nun zum Parkplatz von s‘Alqueria Vella de Baix.

 

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Pisten und steinigen Pfaden. Beim technisch nicht schwierigen Auf- und Abstieg zum und vom Puig des Porrassar ist aber Trittsicherheit notwendig.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, evtl. Regenschutz.

 

Einkehr: Lokale in Artà.

 

Diese Wanderung wurde am 14.03.2016 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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