Wandern

Die Tour beginnt am Waschhaus: Zur Belohnung Tropfen

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Sóller - Mallorca
Eine Tour entlang des Barranc de Biniaraix mit dem Besuch einer wundersamen Höhle

ROLAND OTTO

 

Die mittelschwere Wanderung beginnt in dem bezaubernden Bergdorf Biniaraix an der Placeta de Jean Dausset, auf der sich das restaurierte Waschhaus der Gemeinde befindet. Der kleine Platz ist nach dem französischen Mediziner und Wissenschaftler Jean Dausset benannt, der 1980 den Nobelpreis für Medizin erhalten hat und der 2009 in Palma de Mallorca verstorben ist. Bei dem Waschhaus beginnt geradeaus (Schild „GR 221, Barranc de Biniaraix, Cúber“) eine Erdpiste.

 

Der Wanderer befindet sich jetzt auf dem Langwanderweg GR 221, der Ruta de Pedra en Sec. Dieser Teilabschnitt verläuft durch den Barranc de Biniaraix über den Coll de l‘Ofre zum Stausee Cúber. Die breite Piste führt dann eben weiter. Rechts sind in der Ferne das Teix-Massiv und der Puig des Vent zu sehen. Der Weg wird dann nach rund 200 Metern rechts (Beschilderung wie oben) wieder verlassen. Eine gepflasterte Piste führt dann zu einer Brücke, auf der der Barranc de Biniaraix gequert wird. Danach wendet sich die Route nach links.

 

Der dann folgende gepflasterte Steig wurde nach Planungen von zwei mallorquinischen Ingenieuren in den Jahren 1986 bis 1991 von Auszubildenden der Steinmetzschule Sóller restauriert. Die Steinmetze haben über 1.930 Stufen errichtet und die Seiten des Weges mit teils meterhohen Mauern gesichert. Der Pflasterweg führt dann in einigen Kehren relativ steil aufwärts. Man ignoriert einen rechten Abzweig und bleibt geradeaus (Pfostenpfeil) auf dem Hauptweg.

 

Schließlich wird nach einem ebenen Abschnitt rund 20 Minuten nach Tourstart eine Wegteilung erreicht, bei dem ein Schild „Camí Vell Cúber“ nach rechts verweist. An dieser Stelle wird man später auf dem Rückweg wieder ­ankommen. Doch zunächst steigt der Wanderer geradeaus (Schild „GR 221, Camí des Barranc, Cúber“) weiter auf und quert dann auf einer Brücke nochmals den Barranc. Danach schraubt sich die Piste in Kurven steil nach oben. Man kommt an einer Steinhütte vorbei und stößt nach weiteren Kehren auf eine restaurierte Wasserrinne aus Tonziegeln.

 

Die síquia gehörte einst zu einem Wasserkanal, durch den schon Mitte des 19. Jahrhunderts Wasser aus der viel weiter oben gelegenen Quelle Font des Verger geleitet werden sollte. Das ehrgeizige Objekt scheiterte aber an den hohen finanziellen Kosten. Der Pflasterweg verläuft nun zunächst leicht, später steiler aufwärts. Man durchschreitet dann den s‘Estret, die engste Stelle des Barranc. Der Wanderer quert auf einer Brücke nochmals das Bachbett und gelangt nach einem steilen Aufstieg zu einer weiteren Brücke, die über den Barranc führt.

 

Schließlich wird eine Wegteilung erreicht, bei der sich links die Bergfinca Ca‘n Silles befindet. Die Gehzeit von dem Abzweig mit dem Schild „Camí Vell Cúber“ bis hier hat rund 30 Minuten betragen. Man folgt jetzt geradeaus der Beschilderung „GR 221, l‘Ofre, Cúber“, ignoriert etwa 20 Meter weiter einen rechten Abzweig und verlässt dann später den Hauptweg rechts bei einem Steinmännchen. Eine Piste führt dann sogleich zu dem Barranc de Biniaraix, der auf Trittsteinen gequert wird.

 

Danach führt ein breiterer Weg parallel zu einer Mauer nicht allzu steil aufwärts. Man passiert das renovierte Anwesen Ca‘n És Barranc und gelangt dann zu einer Wegteilung, bei der ein Pfostenpfeil geradeaus auf einen Pfad verweist. Dieser führt zunächst eben, später aufwärts zum Coll d‘en Se, wobei die Gehzeit von Ca‘n Silles bis hierhin rund eine Viertelstunde betragen hat. Hier sollte nun eine Pause eingelegt und der Blick auf die imposante Berglandschaft genossen werden.

 

Rechts gegenüber, auf der anderen Seite des Barranc, türmen sich die Steilwände des Morro d‘en Joi, des Xaragall des Verger und von Ses Solanes auf. Links ragen ganz in der Nähe die kolossalen Felswände der beiden Cornadors empor. Auch das Meer bei Port de Sóller ist zu sehen. Weiter geht es vom Coll d‘en Se geradeaus (Pfostenpfeil) auf einem holprigen Pfad, der in Kehren durch terrassierte Olivenhaine noch nicht allzu steil abwärts führt (Pfostenpfeile, Steinmännchen). Schließlich wird nach rund einer Viertelstunde eine Wegteilung erreicht, bei der ein blauer und ein roter Pfeil rechts auf einen steinigen Pfad verweisen.

 

Dieser führt nach oben (weitere rote Markierungen und Steinmännchen). Man trifft dann auf eine Steintreppe und gelangt zu einem offenen Eisentor. Dahinter kann man auf Steinstufen eine Mauer ersteigen und steht dann sogleich in der Cova de ses Alfàbies. Die „Höhle der Tonkrüge“ macht ihrem Namen alle Ehre. So findet der Wanderer in der über zehn Meter hohen Tropfsteinhöhle einen aufgestellten größeren Tonkrug vor, in dem sich Wassertropfen sammeln. Auf Naturgestein wurden kleinere, quadratische Auffangbehälter für Tropfen errichtet.

 

An einem langen und breiten Stalaktit hat ein Künstler oder eine Künstlerin einen Kopf mit Augen, Nase und Mund modelliert. Nach der Besichtigung der Höhle begibt man sich wieder zurück zu dem Abzweig mit dem blauen Pfeil, wobei der kurze Abstecher zur Cova hin und zurück rund zehn Minuten betragen hat.

 

Man steigt dann auf dem teils gepflasterten, steilen und kurvenreichen Camí Vell ab, folgt dabei einigen roten Markierungen, Steinmännchen und Pfostenpfeilen, passiert eine lange Geröllzunge und erreicht schließlich ein offenes Eisentor, biegt dahinter rechts ab und erreicht nach etwa zehn Metern den Abzweig vom Hinweg mit dem Schild „Camí Vell Cúber“. Die Gehzeit von dem Abzweig mit dem blauen Pfeil zur Cova de ses Alfàbies hat rund 30 Minuten betragen. Nun sind auf der Hinroute noch etwa eine Viertelstunde bis zu dem Waschhaus von Biniaraix zu wandern. 

 

Wegstrecke 7 km (hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 2 Std. 15 Min.

 

Höhenunterschied 360 m

 

Schwierigkeitsgrad ***

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-11 nach Sóller, dort der Beschilderung „Centre“, „Fornalutx“ und „Biniaraix“ folgen. Da es in dem kleinen Dorf nur wenige Parkmöglichkeiten gibt, ist es ratsam, den Pkw etwa 150 Meter vor der Gemeinde in der Straße Camí de Biniaraix zu parken.

 

Tourencharakter: Mittelschwere Wanderung auf breiten, gepflasterten Pisten und teils sehr holprigen Pfaden und Wegen. Bei dem teils sehr steilen Abstieg vom Coll d‘en Se nach Biniaraix und auf dem Steig zur Cova de ses Alfàbies ist Trittsicherheit notwendig. Vorsicht bei Nässe, dann sind die gepflasterten Pisten sehr glatt. Nach längeren Regenfällen ist im Barranc auf den Wasserstand zu achten.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.

 

Einkehr: Bar Bodega, Biniaraix, Plaça de la Concepció 1, Öffnungszeiten: 9.00 bis 21.00 Uhr, montags geschlossen.

 

Diese Wanderung wurde am 10.03.2016 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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