Wandern

Auf in den Nordosten: Bauernland und Naturpark

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Artà - Mallorca

Eine Rundwanderung bei der Ermita de Betlem

ROLAND OTTO

 

Die leichte Wanderung beginnt am Parkplatz der Finca pública s‘Alquería Vella de Baix. Das Anwesen wurde im Jahr 2001 vom balearischen Umweltministerium gekauft. Zusammen mit den schon ein Jahr zuvor erstandenen Landgütern Es Verger und Cases d‘Albarca wurde das Areal dann von der Regierung der Balearen zum Parc natural de la Península de Llevant erklärt. Das Naturschutzgebiet hat eine Fläche von fast 1.700 Hektar. Vor Tourstart sollte man aber noch dem Informationszentrum des Naturparks einen Besuch abstatten.

 

Dort sind kostenlose Faltblätter (auch auf Deutsch) mit einer Vielzahl an Infos über den Park, seine Flora und Fauna und seine 13 Wanderrouten erhältlich. Los geht also die Wanderung am Parkplatz bei den Schildern „Nr. 10, Els Establits“, „GR 222, Arenalet d‘Albarca“ und „Camí de s‘Ermita de Betlem“. Eine breite Piste führt zunächst leicht aufwärts. Man folgt dann bei zwei Wegteilungen zunächst geradeaus dem Schild „Nr. 10, Volta als Establits de s‘Alqueria Vella“ und danach geradeaus einem Pfostenpfeil. Die holprige Piste verläuft dann in einigen Kehren etwas steiler nach oben. Man stößt schließlich auf eine Tafel, auf der über die Zwergpalme informiert wird.

 

Der palmito ist neben der Kretischen Dattelpalme die einzige Wildpalme Europas und zudem eine Nutzpflanze. Sie hat ihr größtes Vorkommen auf Mallorca auf der Península de Llevant. Aus den Blattgrundfasern stellte man ab Ende des 19. Jahrhunderts leichte Schuhe, Besen, Korbwaren, Matten und Polstermaterial her. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts verarbeiteten 60 Prozent der Bevölkerung von Artà und Capdepera die Blattgrundfasern in kleinen Manufakturen und in Heimarbeit. Auf dem breiteren Pfad wird dann eine weitere Tafel erreicht, die über die landwirtschaftliche Produktion auf dem Terrain informiert.

 

Auf Terrassen und kleineren Ebenen wurden in mühevoller Arbeit unter anderem Getreidesorten angebaut. Davon zeugen heute noch Terrassen­mauern und Ruinen von Steinhütten, die auf dieser Wanderung zu sehen sind. Mitte des 19. Jahrhunderts kauften dann die Brüder Homar aus der Gemeinde Alaró auf der Halbinsel Ferrutx ein Gebiet von 2.500 Hektar. Der Grundbesitz der Homars umfasste neben der ­Possessió Devesa de Ferrutx und den Küstengebieten Betlem de Marina, es Caló und Es Barrancar auch den Gutshof s‘Alqueria Vella sowie die Berge Talaia Freda de Morei und den Puig de sa Tudossa.

 

Später wurde das Anwesen parzelliert und große Teile des Bodens verkauft. Bei dem Landgut Devesa de ­Ferrutx entstand 1880 auch die Siedlung Colònia de Sant Pere, die sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößerte. Eine der ­Folgen der Parzellierung und Bebauung war dann der Niedergang der ­Landwirtschaft. Weiter geht es von der Tafel auf der teils mauergestützten Piste, die aufwärts zu dem Schild „Ermita de Betlem“ führt und dort links wegknickt. Auf einem ebenen Pfad wird dann rund 25 Minuten nach Tourstart auf dem Coll de sa Truja eine Wegteilung erreicht, bei der rechts dem Schild „Volta als Establits de s‘Alqueria Vella, Mirador“ zu folgen ist.

 

Eine steinige Piste verläuft nun in einigen Kurven nicht allzu steil nach oben (Pfostenpfeile „Nr. 10“ und Steinmännchen). Nach rund zehn Minuten ist der Mirador, bei dem sich ein Holzgeländer befindet, erreicht. Die Aussicht aus 360 Meter Höhe ist fantastisch: Tief unten liegt die weite Bucht von Alcúdia mit Son Serra de Marina, Ca‘n Picafort und der Platja de Muro. Direkt gegenüber sind das Cap Pinar und die Gipfel Talaia d‘Alcúdia und Penya des Migdia zu erkennen. Auch die Halbinsel Formentor ist zu sehen. Rechts von dem Mirador erheben sich die Gipfel Talaia Freda de Morei und der Puig de sa Creu.

 

Ganz tief im Südwesten ist der Puig de Galatzó auszumachen. Von dort schweift der Blick über das Teix-Massiv, den l‘Ofre, den Penyal des Migdia, Puig Major, Puig de Massanella bis hin zum Puig Tomir. Anschließend begibt man sich in rund zehn Minuten wieder zurück zum Coll de sa Truja und biegt dort rechts (Schild „Ermita de Betlem“) ab. Die steinige Piste führt dann (Steinmännchen) abwärts zu einem Mauerdurchlass und von dort in einigen steilen Kehren zu einer weiteren Mauerbresche.

 

Danach steigt die Piste leicht an und man gelangt schließlich zu einem breiten Weg, wobei die Gehzeit vom Coll de sa Truja rund 25 Minuten betragen hat. Der Wanderer folgt nun links dem Schild „Ermita de Betlem“, passiert sogleich die Quelle Font de s‘Ermita und erreicht nach rund fünf Minuten die Ermita de Betlem. Das 1805 gegründete Kloster wird seit über 200 Jahren von Mönchen des Ordens der Heiligen Paulus und Antonius bewohnt.

 

Nachdem im September 2010 drei Mönche zu ihren Glaubensbrüdern in die Ermita de la Trinitat bei Valldemossa gezogen sind, hält sich im Kloster nur noch ein Mönch auf, der Andenken verkauft und die Kapelle öffnet. Nach der Besichtigung der kleinen Kirche, hinter deren Altar sich eine aufwendig gestaltete Krippendarstellung befindet, begibt man sich wieder zum Eingangstor der Ermita. Dort beginnt die Straße Ma-3333, auf der der Rückweg zur Finca pública s‘Alqueria Vella de Baix verläuft.

 

Die Fahrbahn führt in einigen steilen Kehren – verbunden mit einem wunderbaren Blick auf das Meer und die Halbinsel Formentor – in rund 20 Minuten zum Pas de sa Mèl.lera. Danach schlängelt sich die schmale Straße in einigen Kurven steil nach unten. Dabei kann man immer wieder eine wunderschöne Aussicht auf das Meer bei Canyamel auskosten. Schließlich wird nach weiteren 25 Minuten der Abzweig zur Finca pública s‘Alqueria Vella de Baix und dann zehn Minuten später der Parkplatz erreicht. 

 

Wegstrecke 8,5 km (Rundtour)

 

Nettogehzeit rund 2 Std. 10 Min.

 

Höhenunterschied 160 m

 

Schwierigkeitsgrad **

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-15 nach Artà und dort weiter in Richtung Capdepera. Am Ortsausgang von Artà befindet sich eine Tankstelle, bei der links (Schild „Parc natural“) abgebogen wird. Man folgt dann weiter dieser Beschilderung und gelangt zur Landstraße Ma-3333, die zur Ermita de Betlem führt und die bei Kilometer 4,7 rechts verlassen wird (Beschilderung). Eine Fahrbahn führt nun zum Parkplatz von s‘Alqueria Vella de Baix.

 

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Pisten, steinigen Pfaden und Asphalt. Hunde dürfen im Naturpark nur angeleint mitgeführt werden.

 

Öffnungszeiten des Infozentrums: täglich 9–16 Uhr.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.

 

Einkehr: Lokale in Artà.

Diese Wanderung wurde am 25.02.2016 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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