Wandern

Im Zickzack nach oben

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Alcúdia - Mallorca

Eine Wanderung von der Ermita de la Victòria auf den Felskopf Penyal des Migdia

ROLAND OTTO

 

Die Halbinsel Sa Victòria bei Alcúdia ist ein Naturschutzgebiet mit einer Größe von knapp über 1.000 Hektar. Die landschaftlich reizvolle Region mit ihren verschwiegenen Buchten und markanten Gipfeln bietet gleich mehrere Wanderziele. Eine dieser Touren führt auf den 358 Meter hohen Felsklotz Penyal des Migdia, der auch Penyal Roja genannt wird. Die mittelschwere Tour beginnt am Parkplatz der Ermita de la Victòria. Die Gründung des Klosters geht auf den Eremiten Arnau Got zurück, der Ende des 14. Jahrhunderts in einer Höhle der östlich gelegenen Berghänge von Alcúdia lebte.

 

Im Jahr 1403 ließ der Bischof von Palma, Lluís de Prades, das erste kleine Gebäude der Ermita errichten. Die Kirche wurde 1678 erbaut, später immer wieder erweitert und restauriert. Über 260 Jahre später, nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939), war in der Ermita ein Zwangsarbeiterlager für republikanische Gefangene untergebracht. Die Inhaftierten mussten 1941 für die Franco-Militärs die Straße von Alcúdias Stadtteil Mal Pas, der bei dem heutigen Sporthafen El Cocodrilo gelegen ist, bis zum Militärstützpunkt auf dem Cap des Pinar bauen. Den Stützpunkt benutzt das spanische Militär heute noch.

 

Aber auch die Straße zur Ermita de la Victòria mussten die Gefangenen unter unmenschlichen Bedingungen errichten. Los geht es also auf dem Parkplatz der Ermita, bei dem man dem Schild „Talaia d‘Alcúdia, Collet des Coll Baix – Refugi“ folgt. Ein breiter Waldweg führt dann an einem Restaurant und einem Schlagbaum vorbei nach oben. Wenig später verweist das Schild „Ses Tres Creus“ links auf einen Pfad, der nach etwa 30 Metern zu drei Kreuzen führt. Neben einem alten Steinkreuz sind zwei neue Holzkreuze aufgestellt worden.

 

Welche Bewandtnis es mit den „Ses Tres Creus“ hat, wird leider nicht – etwa mit einer Tafel – erklärt. Vermutlich dienen sie der Verehrung der Mare de Déu de la Victòria. Die Madonnenfigur befindet sich unten in Kirche. Von den drei Kreuzen begibt man sich wieder zurück zu dem Hauptweg, der in einigen Serpentinen steil nach oben führt. Man erreicht rund eine Viertelstunde nach Tourstart in einer Rechtskehre eine Stelle, an der sich links Stufen, ein rote Markierung und ein Holzgeländer befinden und bei der links abgebogen wird.

 

Die Route verläuft nach den Stufen in leichtem Auf und Ab durch felsiges, mit Dissgras, Zwergpalmen, Mastix, Meerzwiebeln, Rosmarin und Kiefern bewachsenes Terrain. Man bleibt immer auf dem Hauptweg und hat mehrmals eine fabelhafte Aussicht auf die Bucht von Pollença. An manchen Stellen tun sich neben dem Pfad bis zu 100 Meter tiefe Abgründe auf. Deshalb sollte man besonders beim Fotografieren gesicherte Standorte einnehmen und bei der Suche nach lohnenden Bild­motiven auf seine Schritte achten. Schließlich wird nach einem kurzen, steilen Anstieg (roter Punkt) ein kleiner Platz erreicht, wobei die Gehzeit von dem Abzweig mit dem Geländer rund eine Viertelstunde betragen hat.

 

Hier kann man eine famose Aussicht auf die Bucht von Pollença und die Halbinsel Formentor mit den markanten Gipfeln El Pal, El Fumat und dem Morro de Catalunya genießen. Weiter geht es dann geradeaus (roter Punkt, ein rechter Abzweig ist zu ignorieren) auf einem Pfad, der leicht abwärts führt. Bei einem sehr großen Wurzelstock einer umgestürzten Kiefer wendet sich der Weg nach links (Steinmännchen, roter Klecks). Auch jetzt muss man auf die Abbruchkanten links des Pfades achten, die zum Meer bis zu 150 Meter abstürzen.

 

Schließlich wird in rund zehn Minuten ein spektakulärer Felsdurchbruch erreicht. Dabei handelt es sich um einen alten Wachturm, der 1603 errichtet und an den Fels gemauert worden ist. Der Durchgang verfügt über zwei schmale Pforten, durch die man sich zwängen muss. Hinter dem Durchschlupf geht es auf einem steinigen Pfad weiter, wobei der erste Abschnitt mit einer Eisenkette gesichert ist, weil sich auf der linken Seite Steilabbrüche befinden. Tief unten ist das Cap des Pinar zu sehen. Auf dem Pfad ist dann der Mirador des Morro erreicht.

 

Hier stößt man auf Relikte der Wachmannschaft, die schon Anfang des 16. Jahrhunderts im Gipfelbereich stationiert war. So sind noch ein überdachter aljub (Wasserspeicher), ein Brennofen zum Herstellen von Kanonenkugeln und eine Steinbaracke erhalten. Weiter unten befinden sich zudem Reste einer Verteidigungsmauer mit einem Turm, zu der man allerdings nicht absteigen kann. Der Aufstieg zum Gipfel ist kein Zuckerschlecken.

 

Er beginnt rechts von der Steinhütte (roter Punkt). Ein sehr steiler, felsiger Pfad verläuft im Zickzack nach oben. Der Steig verlangt absolute Trittsicherheit, weil er zudem auch einige Felspassagen aufweist. Steinmännchen und rote Punkte zeigen jedoch die sicherste Route zum Gipfel. Schließlich wird ein kleiner Sattel erreicht, bei dem sich ein weiterer Brennofen für Kanonenkugeln befindet. Von dort wird dann über steilem Fels bis zum Gipfel aufgestiegen.

 

Die Gehzeit von dem Felsdurchbruch bis hier hat rund 30 Minuten betragen. Dort fällt zuerst das Rondell auf, in dessen Mitte die Lafette mit dem Kanonenrohr steht. Das Kriegsgerät wurde 1630 hier installiert. Die Aussicht aus 358 Metern Höhe ist großartig. Nach Nordosten reicht der Fernblick über das Cap Ferrutx bis zur Talaia de Son Jaumell in der Nähe von Cala Ratjada. Im Westen bilden die Tausender Puig Tomir, Puig Roig, Massanella und Puig Major eine Traumkulisse. Imposant auch der Blick nach Nordwesten auf den Puig Gros de Ternelles bei Pollença und die Gebirgskette Serra de Cornavaques.

 

Wegstrecke 4,5 km ( hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 2 Std. 10 Min.

 

Höhenunterschied 310 m

 

Schwierigkeitsgrad ***

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 nach Alcúdia. Dort dem Schild „Mal Pas, La Victòria“, später der Beschilderung „Mirador de la Victòria“ bis zur Ermita de la Victòria folgen.

 

Tourencharakter: Mittelschwere Wanderung auf breitem Waldweg, Trampelpfaden und über spitzes Felsgestein. Beim Kletteranstieg auf den Gipfel ist absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Dies gilt auch für den Abstieg. Vorsicht bei Nässe, wenn der Fels spiegelglatt ist und die steilen Pfade rutschig sind. Rückweg auf der Hinroute.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel mit sehr guter Profilsohle.

 

Einkehr: Lokale in Alcúdia.

 

Diese Wanderung wurde am 31.12.2015 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.  

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