Wandern

Tour im Westen: Unterwegs in der Geschichte

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Sóller - Mallorca

Eine Rundtour bei Port de Sóller hoch über dem Meer durch Zitrus- und Olivenhaine

ROLAND OTTO

 

Start der leichten Wanderung ist in Port de Sóller an der Platja d‘en Repic. Dort beginnt bei den Schildern „Refugi Muleta“ und „es Cap Gros“ die Ma-1150, die in Kurven bald steil nach oben führt. Diese Fahrbahn wurde vor fast 80 Jahren unter unmenschlichen Bedingungen von republikanischen Kriegsgefangenen erbaut. Die Franco-Militärs hatten dazu Ende 1936 in dem Militärhafen von Port de Sóller in einem alten Lazarett ein Zwangsarbeiterlager errichtet. Die Internierten mussten auch Teile der heutigen Straße Ma-10 von Sóller nach Deià bauen. Dass sich der Wanderer nun auf geschichtsträchtigem Boden befindet, zeigen beim Aufstieg etwa in halber Höhe links am Rand der Ma-1150 auch einige Steinstufen.

 

Hier befand sich etwas oberhalb noch bis vor einigen Wochen ein Steinkreuz, das an den franquistischen Soldaten Javier Lizasoaín erinnerte. Dieser war im Juli 1936 bei einem Sabotageversuch auf die Telegrafiestation, die sich damals im Gebäude des heutigen Refugi Muleta befand, zu Tode gekommen. Der Abriss des Kreuzes wurde von der Gemeinde Sóller nach dem „Gesetz zum historischen Gedenken“ veranlasst, wonach franquistische Denkmäler abzureißen sind. Schließlich ist in rund 25 Minuten nach Tourstart der Far des Cap Gros erreicht. Der Leuchtturm wurde 1842 von der Gemeinde Sóller errichtet und später mehrmals modernisiert. Der Ausblick 100 Meter über dem Meer ist grandios: Tief unten liegt die Bucht von Port de Sóller. Gegenüber schweift der Blick über den Puig de Bàlitx, das Küstengebirge Montcaire, den Puig Major, den Penyal des Migdia, die Serra de Son Torrella bis hin zum Puig de l‘Ofre, zu den beiden Cornadors und zum Gebirgszug Serra d‘Alfàbia.

 

Vom Leuchtturm ist dann auf der Fahrbahn wenig später das Refugi Muleta erreicht. Die heutige Herberge wurde von 1912 bis 1956 von der spanischen Marine genutzt. Sie hatte in den Räumen Sende- und Empfangseinrichtungen zur Übermittlung von Telegrafie­signalen installiert. Die Telegrafen waren vor allem im Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 von großer Bedeutung. Weiter geht es von dem Refugi bei dem Schild „GR 221, Sóller, Deià“ und Pfostenpfeilen geradeaus auf einer steinigen Piste. Man befindet sich jetzt auf dem Langwanderweg GR 221, der Ruta de Pedra en Sec. Ein steiniger Pfad führt zunächst zu einem Mauerdurchlass. Danach folgt man rechts der Beschilderung „GR 221, Sóller, Deià“.

 

Die Piste steigt dann nicht allzu steil an. Der Wanderer passiert einen Kalkofen, bei dem die Route links (Pfostenpfeil) wegknickt. Nach einem Sattel verläuft der Pfad abwärts. Man umrundet eine kleine Senke und folgt dabei Pfostenpfeilen. Der teils gepflasterter Weg steigt dann (blaue Kleckse, Pfostenpfeile) steil an, verflacht aber bei einem Zaun, hinter dem sich ein Anwesen befindet, wieder. Nachdem zwei Mauerlücken durchschritten sind, wird ein breiter Weg erreicht. Die Gehzeit vom Far des Cap Gros bis hier hat rund 35 Minuten betragen.

 

Man folgt nun links der Beschilderung „GR 221, Port de Sóller, Sóller“, passiert einen Mauerdurchlass und ein weiteres Schild mit der Schrift wie oben und biegt dann bei einem Pfostenpfeil sogleich rechts auf eine breite Piste ab. Der Wanderer umgeht nun das Anwesen Muleta Gran. Sein Wahrzeichen ist ein gewaltiger Wehrturm, der im 17. Jahrhundert zum Schutz vor Piratenüberfällen errichtet wurde. Im Juli 1983 wütete auf dem Gebiet des Anwesens zwei Tage lang ein Waldbrand, der auch einen großen Teil der teils alten Olivenhaine zerstörte. Man umgeht also Muleta Gran, wobei bei dem Schild „GR 221, Port de Sóller“ die Route links wegknickt.

 

Der Wanderer befindet sich jetzt auf dem Olivenanbaugebiet von Muleta de Cas Avinyons. Der Gutshof ist rechts etwas entfernt zu sehen. Hier sind uralte Ölbäume mit fast surrealistisch anmutenden Wuchsformen zu bestaunen. Der bekannteste und mit geschätzten 500 Jahren auch älteste Baum wird von den Bewohnern Sóllers „Es Camell“ genannt. Das Pracht­exemplar steht bei einem Pfostenpfeil direkt rechts der Piste. Ein steiniger Pfad führt dann parallel eines Zaunes leicht abwärts. Man folgt den Pfostenpfeilen und quert nach einem steileren Abschnitt ein kleines Bachbett. Danach führt der Weg wieder aufwärts und später eben zu dem schmucken Landhotel Muleta de Ca s‘Hereu.

 

Man folgt nun rechts der Beschilderung „GR 221, Port de Sóller, Sóller“. Eine steinige Piste führt jetzt talwärts, wobei der Wanderer eine Senke umrundet. Später verläuft die Route in einigen Kurven steil abwärts.Man gelangt zu einem offenen Gattertor, bei dem ein Schild darauf hinweist, dass Hunde nur angeleint mitgeführt werden dürfen. Ein holpriger Pfad führt (Pfostenpfeile) dann durch einen terrassierten Olivenhain zu einem weiteren offenen Tor. Danach verläuft eine teils gepflasterte Piste in Kehren steil abwärts. Man passiert eine Steinhütte und gelangt schließlich zu einem breiten Weg, auf den links (Schild „Port de Sóller“) ab­gebogen wird.

 

Auf diesem kommt man sogleich an der Stelle vorbei, an der bis Anfang 2015 noch die Hotel­ruine Rocamar gestanden hat. Nach deren Abriss wurden hier Terrassen mit Ölbäumen angelegt. Der Wanderer gelangt nun nach wenigen Metern zu der Ma-1134 und biegt dort links ab. Die Gehzeit von Muleta Gran bis hier hat rund 40 Minuten betragen. Am Rand der Straße werden dann einige Anwesen mit Zitrushainen und ein kleiner Garten mit Skulpturen aus Cortenstahl passiert und nach rund zehn Minuten der Strand Platja d‘en Repic erreicht. 

Wegstrecke 7 km (Rundtour)

 

Nettogehzeit rund 1 Std. 50 Min.

 

Höhenunterschied 200 m

 

Schwierigkeitsgrad **

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-11 bis Sóller und dann Richtung Port de Sóller. Dabei fährt man nicht durch den Tunnel sa Mola, sondern direkt in Richtung Meer. Bei den Schildern „Platja d‘en Repic“ und „Far es Cap Gros“ biegt man links in die Ma-1134 ein. Auf dieser gelangt man zur Platja d’en Repic. Parkplätze sind beim Strand vorhanden.

 

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Wegen, teils holprigen Pfaden (Trittsicherheit) und Asphaltpisten.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Proviant, Regenschutz.

 

Einkehr: Lokale in Port de Sóller.

Diese Wanderung wurde am 03.12.2015 veröffentlicht. Die Vorstellung der Route erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen des Autors. Die Benützung geschieht auf eigenes Risiko. Soweit gesetzlich zulässig, wird eine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art aus keinem Rechtsgrund übernommen.

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