Wandern

Tour im Norden: Unter uns das Meer

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Pollença - Mallorca


Eine Wanderung bei Cala Sant Vicenç auf die Steilklippe Punta de l‘Àguila

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung beginnt in Cala Sant Vicenç bei Kilometerstein 3,8 der Ma-2203. Dort biegt links eine Asphaltpiste ab. An dieser Stelle befindet sich auch eine Tafel des Rathauses von Pollença. Die Gemeinde bietet auf ihrem Gebiet zehn Wanderungen an, die als „Rutes de Biodiversitat“, Routen der biologischen Vielfalt, bezeichnet werden. Eine dieser Wanderungen hat die Bezeichnung „R 5 – Coves Blanques“.

 

Auf dieser Route wird der 1. Teil der heutigen Wanderung verlaufen. Auf der Tafel finden sich dreisprachig zudem Infos über die Flora und Fauna sowie die Geschichte des Areals. Los geht also die Wanderung bei der Tafel, bei der sich auch ein Holzpfostenpfeil befindet. Die Asphaltpiste führt dann an dem Anwesen „Casa Camí“ vorbei, bei dem die Piste in einen Waldweg übergeht. Ein sobald folgender linker Abzweig wird ignoriert.

 

Auf dem Hauptweg ist dann ein Eisentor mit einer Pforte erreicht. Hier befindet sich eine Statue aus Steinplatten, die das Rathaus von Pollença im April 2005 aufgestellt hat. Der Inschrift auf einer Plakette ist zu entnehmen, dass das Denkmal republikanischen Gefangenen gewidmet ist, die während des Spanischen Bürgerkriegs und auch nach dessen Ende auf dem Gemeindegebiet von Pollença von den Franco-Militärs zur Arbeit gezwungen wurden.

 

Hinter dem Tor beginnt eine breite Piste. Der erwähnten Tafel ist zu entnehmen, dass der Camí de Coves Blanques genannte Weg zwischen 1940 und 1942 von 179 republikanischen Gefangenen, die allesamt vom spanischen Festland nach Mallorca verschleppt worden waren, gebaut wurde. Die Inhaftierten mussten auch die Coves Blanques, die weißen Höhlen, errichten, zu denen man später noch gelangen wird. Die breite Piste verläuft nun zunächst eben durch einen lichten Kiefernwald.

 

Später führt der mauergestützte Weg stetig und moderat ansteigend in einigen Kehren aufwärts. Der Wanderer kommt an einem Steinbruch vorbei, in dem die Gefangenen ebenfalls schuften mussten. Rechts ist der Pla de Coves Blanques zu sehen, der großflächig mit Dissgras bewachsen ist. Die Gräser tragen Anfang Mai bis zu 50 Zentimeter lange Blütenrispen. Schließlich wird rund 45 Minuten nach Tourstart zunächst ein Wasserbecken und wenige Schritte weiter der Eingang der Coves Blanques erreicht, die nur mit einer starken Taschenlampe betreten werden können.

 

Diese Höhlen wurden – wie auch eine andere, nicht weit entfernt liegende Höhle – ebenfalls von den republikanischen Gefangenen errichtet. Dazu mussten die Inhaftierten ausschließlich in Handarbeit, also nur mit Spitzhacken und Schaufeln, einen rund 40 Meter langen Stollen in eine Felsflanke des Puig de l’ Àguila treiben. Zudem legten sie zwei etwa fünfzehn Meter hohe Schächte an, die nach oben zu einer quadratischen Vertiefung führten, auf der von den Franco-Militärs eine Flak­batterie aufgestellt werden sollte.

 

Aus technischen Gründen wurde dieser Plan jedoch nicht realisiert. In den Höhlen war dann ein Munitions­lager untergebracht. Der bei der Ma-2203 aufgestellten Tafel ist zu entnehmen, dass es auf dem Gemeindegebiet von Pollença noch zwei weitere Zwangsarbeiterlager gegeben hat. Das eine befand sich von 1937 bis 1939 in Port de Pollença. Die dort Inhaftierten bauten die zwischen dem Hafenort und Alcúdia gelegene Küstenstraße, die heutige Ma-2220. Das andere Lager befand sich auf der Halbinsel Formentor am Coll de la Creueta. Von hier mussten die republikanischen Gefangenen zwischen 1937 bis 1941 die Straße zur Talaia d‘Albercutx errichten, auf der dann eine Flakbatterie zum Schutz der Militärbasis von Port de Pollença installiert wurde.

 

Auf dieser Basis waren während des Spanischen Bürgerkriegs Wasserflugzeuge der deutschen „Legion Condor“ und der italienischen „Aviazione Legionaria“ stationiert. Die Finanzierung der italienischen Kampfflieger hatte zum Teil der umtriebige Bankier Juan March übernommen. Die Flugzeuge bombardierten zwischen 1937 und 1939 Barcelona und andere Ziele in Katalonien sowie auch Valencia, Denia und Alicante. Den Angriffen sind Tausende von Zivilisten zum Opfer gefallen, Abertausende wurden verletzt. Auch wenn die Wanderung „R 5“ bei den Coves Blanques endet, kann man weiter in Richtung der Gebirgszüge Serra de Cala Sant Vicenç und Serra de Cornavaques wandern.

 

Im Folgenden wird der Aufstieg bis zur Steilklippe Punta de l‘Àguila beschrieben. Beim Höhleneingang beginnt geradeaus (roter Punkt) ein Pfad, der dann rechts (Steinmännchen) abknickt und im steilen Zickzack zu einer Geröllhalde und zu der erwähnten quadratischen Vertiefung führt. Hier bietet sich ein famoser Ausblick auf Cala de Sant Vicenç, den Gebirgszug Serra del Cavall Bernat und auf den El Pal, den höchsten Gipfel auf Formentor. Auch das winzige Eiland El Colomer, das sich unterhalb des El Pal befindet, ist zu erkennen. Man steigt nun links über Karst zu einer Steinpyramide auf und folgt den zahlreichen Steinmännchen.

 

Ein Pfad führt dann zu einer Ebene und von dort durch eine Senke aufwärts (Steinmännchen) zu einer weiteren Ebene, die längs gequert wird. Danach verläuft ein felsiger Pfad erst leicht, später steiler (viele Steinmännchen) hinauf zum höchsten Punkt der Steilklippe Punta de l‘Àguila, wobei die Gehzeit von den Höhlen bis hier rund 40 Minuten betragen hat. Nun ist aus 250 Meter Höhe ein spektakulärer Tiefblick auf die Buchten Cala Estremer, Cala Castell, die Landzungen Punta de la Galera und Punta Topina möglich. Auch das Castell del Rei und der Puig de Cornavaques sind von hier sehr schön zu sehen.

 

Wegstrecke 8 km (hin und zurück)

 

Nettogehzeit rund 2 Std. 45 Min.

 

Höhenunterschied 250 Meter

 

Schwierigkeitsgrad **

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 und der Ma-2220 nach Pollença, dann auf der Ma-10 und Ma-2203 nach Cala Sant Vicenç bis zu Kilomterstein 3,8.

 

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Wegen, steinigen Pfaden und über spitzes Karstgestein. Beim Aufstieg von den Coves Blanques zur Punta de l‘Àguila und beim Abstieg ist jedoch Trittsicherheit gefragt. Auf dem schmalen Gipfelgrat der Steilklippe ist Schwindelfreiheit notwendig. Die Coves Blanques können nur mit einer starken Taschenlampe betreten werden. Rückweg auf der Hinroute.

 

Ausrüstung: Wanderstiefel, Taschenlampe, Wasser, Proviant, Sonnenschutz.

 

Einkehr: Lokale in Pollença.

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