Wandern

Tour im Südosten: Die Burg erklimmen

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Felanitx - Mallorca

Eine Wanderung bei Felanitx zum Castell de Santueri

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung beginnt bei Kilometerstein 13,7 der Ma-14, die von Felanitx nach Santanyí führt. Dort biegt bei den Schildern „Castell de Santueri“ links eine schmale Fahrbahn ab. Die leicht ansteigende Asphaltpiste verläuft zunächst durch fruchtbares Kulturland mit Mandel-, Oliven-, Johannisbrot- und Feigenbäumen. Auch mehrere Brunnen sind zu sehen.


Die Pflanzungen, Gemüse­gärten und mehrere kleine Weinanbauflächen gehören zu den Fincas Es Pouet, Sa Coma Vella, Sa Coma Nova, Can Negret und Can Tries. Bei einem neueren Gebäude wird eine Weggabelung erreicht, bei der links (Schild „Castell de Santueri“) auf einen Fahrweg abzubiegen ist. Hier bietet sich nach Norden ein herrlicher Ausblick auf den Puig de Sant Salvador mit seinem Santuari. Auch die hohe Statue Crist-Rei und das Kreuz Creu des Picot sind auf der Klosteranlage zu sehen. Geradeaus erheben sich die massiven Felswände des Castell de Santueri.


Die Route verläuft dann in leichtem Auf und Ab durch einen Mischwald aus Kiefern und Steineichen. Neben Mastix, Schneidegras, Wolfsmilchgewächsen und Zwergpalmen bilden auch einige Exemplare des Westlichen Erdbeerbaums das dichte Unterholz.


Der Wanderer kommt an den Anwesen Binifarda und Binifarda Nou vorbei. Hier befinden sich ein Feld mit neu gesetzten Olivenbäumen und ein überdachter aljub, ein Wassersammelbecken. Man passiert dann die Zufahrt zu dem Torre Binifarda und zum Chalet Binifarda und gelangt danach zum Eingangstor der Finca Bell lloc, bei dem sich ein großes Feld mit Zitrusfrüchten und Feigenbäumen erstreckt.


Die an der linken Seite mit Zedern gesäumte Fahrbahn steigt nun etwas steiler an und führt dann zu der Auffahrt des Anwesens Ca’n Burguesa, das rechts auf einem mit Kiefern bewaldeten Hügel liegt. Schließlich wird rund 50 Minuten nach Tourstart die Possessió des Castell erreicht. Das nicht zugängliche Landgut ist im Besitz der Familie Vidal, die seit 1811 auch die Eigentümer der Festungsburg Castell de Santueri ist. Die possessió verfügt über eine eigene tafona, eine Ölpresse.


Felanitx war das erste Weinanbaugebiet auf Mallorca. Ende des 18. Jahrhunderts wurden auf dem Gemeindegebiet auf einer Fläche von rund 2.200 Hektar verschiedene Rebsorten angepflanzt. Im 19. Jahrhundert wurde auch auf dem Landgut des Kastells Wein angebaut. Der dort hergestellte Rebensaft war so edel, dass er 1851 als erster Tropfen spanienweit prämiert wurde. Die Weinherstellung musste dann um 1900 wegen der Reblausplage eingestellt werden.


Der Fahrweg steigt nun in Kurven und langen Geraden weiterhin steil an. Dabei hat man immer wieder einen schönen Blick auf die Possessió de Castell, die unten kaum einsehbar ist. Beim Aufstieg wird ein linker Abzweig ignoriert, der zum Kloster Santuari de Sant Salvador führt. Auf der Asphaltpiste wird dann nach rund einer Viertelstunde der Parkplatz des Castell de Santueri erreicht.


Von hier fällt der Blick zunächst auf die fjordähnliche Küste bei Portocolom und Cala d’Or sowie auf die Buchten Cala Mondragó und Cala Figuera. Erst nach dieser schon überwältigenden Aussicht nimmt man die nähere Umgebung wahr: die mächtige Südmauer der Burg mit ihrem runden Eckturm, dem Torre de l’ Homenatge, und einem rechteckigen Mittelturm sowie einem quadratischen torre. Die rund zehn Meter hohe und etwa 70 Meter lange Befestigungsmauer zwischen den drei Türmen ist gut erhalten und mit einer Vielzahl von Schießscharten versehen.


Das Kastell kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. In den östlich unterhalb des Tafelbergs gelegenen Höhlen Cova Calenta und Cova dels Bous lebten schon 1800 v. Chr. Menschen. Dann kamen die Römer, später die Mauren, die nach dem 10. Jahrhundert n. Chr. die Bastion mit Türmen und Mauern verstärkten. Die Verteidigung der Anlage war dadurch so effizient geworden, dass die Truppen von König Jaume I. nach der Eroberung Mallorcas 1229 noch ein Jahr lang gegen in der Festung verschanzte Sarazenen anrennen mussten. Ähnlich harten Widerstand leisteten die Mauren in den Burgen Castell d’ Alaró und Castell del Rei. Seit ihrer Einnahme nehmen die drei Burgen in der Geschichte Mallorcas einen Ehrenplatz ein und haben Denkmal­status. Sie werden castells roquers genannt. 


Die restaurierte Burgfestung, die nach jahrelangen Querelen mit dem Inselrat Mallorcas von dem Besitzer im vergangenen März für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurde, wird durch das Außentor und wenige Meter weiter durch das Haupttor betreten. Links oberhalb des Haupttors befindet sich die Südwestmauer, die mit mehreren Zinnen bestückt ist. Man folgt bei dem Rundgang über die Anlage nun rechts bei einer Eisentreppe einem blauen Pfeil. Ein mit Geländern versehener Pfad führt nun leicht ansteigend aufwärts. Links ist etwas entfernt ein aljub zu sehen. Weiter oben befindet sich auf der südöstlichen Seite des Kastells ein zweiter kleinerer Wassertank.


Die Fernsicht von den verschiedenen Aussichtspunkten der Festungsburg ist exzellent. So sind aus über 420 Metern Höhe weite Teile der Insel, der Küste und der Archipel Cabrera zu erblicken. Auch die Zentralebene, der Pla de Mallorca, ist von hier oben gut zu sehen. Absolut atemberaubend ist ebenfalls der Blick auf die Serra de Tramuntana: Sie ist vom Puig de Galatzó im Südwesten, über die zentralen Gipfel Puig de l’Ofre, Sa Rateta, Penyal des Migdia, Puig Major und Puig de Massanella im Westen bis hin zum Tausender Puig Tomir im Nordwesten zu überblicken.

 

Wegstrecke
7,5 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 2 Std. 10 Min.    


Höhenunterschied
260 m


Schwierigkeitsgrad
*

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-15 nach Manacor und der Ma-14 nach Felanitx. Dort weiter auf der Ma-14 Richtung Santanyí bis Kilometerstein 13,7, bei dem links eine schmale Fahrbahn abzweigt (Schilder „Castell de Santueri“).


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf Asphaltpiste und Trampelpfad. Für Kinder geeignet. Rückweg auf der Hinroute. Öffnungszeiten der Burg: Täglich von 10-19 Uhr, vom 23.10.2014 bis Ostern 2015: Täglich von 10-17 Uhr. Eintritt: 4 Euro. Ein Angestellter der Possessió de Castell verteilt ein Infoblatt (auch auf Deutsch).


Infos: info@santueri.org


Ausrüstung: Leichte Wanderschuhe, Wasser, Proviant, Regenschutz.


Einkehr: Lokale in Felanitx.
 

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