Wandern

Leichte Tour: Vogelfreies altes Land

5 Stimmen

Ariany - Mallorca

Wo sich einst die Bauern erhoben: Erster Teil einer Rundtour im Dreieck der Gemeinden Ariany, Maria de la Salut und Petra

Die leichte Wanderung, deren erster Teil hier beschrieben wird, beginnt bei der Landstraße Ma-3342, die die Gemeinden Ariany und Maria de la Salut verbindet. Bei Kilometer 0,1 der Straße biegt links eine schmale Fahrbahn ab. Ein Schild „Coto privado de caza“ (privates Jagdgebiet) an einem Zaun zeigt, dass der richtige Einstieg gefunden worden ist.


Man passiert zunächst ein großes und ein kleineres Anwesen. Später fällt auf der rechten Seite des Flurwegs eine Hütte auf, die aus Blöcken des Kalksandsteins Marès errichtet worden ist und auf der die Nummer „157“ geschrieben steht. An der Rückwand ist ein großer Feigenbaum gewachsen. An diesem Schuppen kann man teils noch heute sehen, wie die Landarbeiter früher Wasser für ihre Felder gesammelt haben. Die Steinhütte verfügte über zwei Dachschrägen, unter denen jeweils eine Wasserrinne aus Tonziegeln angebracht war. Über die Rinnen wurde das Regenwasser dann durch Rohre in eine Zisterne geleitet. Diese Steinschuppen, von denen viele auch nur eine Dachschräge haben, sind auf den Feldern des Pla de Mallorca sehr oft vorhanden.


Von dieser Stelle sind auf der linken Seite in einiger Entfernung die ehemaligen Ställe des Gutshofs Son Bacs zu sehen. Während des Bauernaufstands, der von 1450 bis 1453 stattgefunden hat, wurde der Besitzer von Son Bacs ermordet. Ein Dokument von 1510 belegt, dass sich auf der ­possessió eine Weinkelterei und eine molí de sang befunden haben. Bei dieser Art von Mühle wurde das Mühlrad durch die Kraft eines Tieres – meist einen Esel – bewegt.


Weiter geht es auf dem Flurweg, an dessen Seite sich Getreidefelder erstrecken. Man erreicht dann eine Steinhütte mit einem kleinen Wasserbecken. Die Schrift „Prohibido bañarse“ zeigt an, dass Baden verboten ist. Hier befinden sich auch Mispelbäume. Einige Schritte später knickt die Piste dann bei einem Feigenbaum zunächst rechts, weitere zehn Meter weiter links weg. Der breite, ebene Flurweg führt nun wiederum an Getreide­feldern und an einer Hütte vorbei, die aus Marès errichtet worden ist. Sie verfügt über zwei Dachschrägen und eine grüne Eingangstür. Auf der rechten Seite des Daches befindet sich ein Kamin. Von hier ist rechts der Puig des Rafal zu sehen.


Weiter geht es nun auf dem Flurweg einige Meter entlang des Torrent de Son Real, der links der Piste liegt. Auf der rechten Seite gelangt man dann zu einem etwa 100 Meter langen und etwa 20 Meter breiten Wasserreservoir, wobei die Gehzeit seit Tourstart bis hier rund 30 Minuten betragen hat. Die Flurpiste führt nun zu der Caseta de Son Bacs und danach an Feldern mit Obst- und Olivenbäumen und Wein­reben vorbei. Schließlich wird das Eingangstor einer Kläranlage erreicht, die von den Gemeinden Sineu, Petra, Maria de la Salut und ­Ariany genutzt wird. Kurz darauf gelangt man zu einer Weggabelung und biegt dort links ab. Geradeaus ist in der Ferne der Klosterberg Randa zu sehen.


Der Wanderer passiert eine weitere Hütte aus Marès, die ein Schrägdach und eine Rinne aus Tonziegeln aufweist, und quert danach auf einer kleinen Brücke den Torrent de Montblanc, der auch Torrent de Son Real und Torrent de Binicaubell genannt wird. Er hat eine Länge von 20 Kilometern und ein Wasser­einzugsgebiet von 150 Quadratkilometern. Der Torrent beginnt auf dem Gemeindegebiet von Sant Joan und mündet in die Bucht von Alcúdia. Zwischen den Kommunen Santa Margalida und Ariany bildet er auf Höhe der Possessió Son Boscanet die Gemeindegrenze.


Weiter geht es auf der Flurpiste, die nun leicht ansteigt und die an den Seiten mit Brombeerhecken, wildem Fenchel und Klatsch-Mohn bewachsen ist. Die scharlachroten Kronblätter der Mohn-Pflanze sind ein Augenschmaus. Man kommt dann an einem kleinen Wäldchen mit Kiefern und Wildoliven vorbei, ignoriert einen linken Abzweig und erreicht danach die Ma-3301. Die viel befahrene Landstraße wird mit gebotener ­Vorsicht gequert.


Der Wanderer folgt nun geradeaus dem Schild „Petra“. Die schmale Fahrbahn, Camí de
s‘Estorell genannt, steigt kurz steil an und verläuft dann in sanftem Ab und Auf Richtung Osten. Dabei hat man links einen wunderschönen Ausblick auf Ariany und seine Pfarrkirche. Schließlich ist eine Weggabelung erreicht, bei der rechts zwei Tonziegeln mit der Schrift „Son Bacs“ auf die gleichnamigen, etwa 500 Meter entfernt liegende Anwesen hinweisen. Ebenfalls rechts befindet sich der Gutshof s‘Estorell, dessen Gebäude zu sehen sind.


Weiter geht es auf der Fahrbahn geradeaus, auf der sogleich das 1999 errichtete Anwesen Son Bacs Nou erreicht ist. In der weitläufigen Gartenanlage fallen lange Reihen von bewässerten Rosmarinsträuchern auf. Einige Bienenstöcke weisen darauf hin, dass hier auch Imker am Werke sind.


Man erreicht dann auf der schmalen Asphaltpiste eine weitere Weggabelung und bleibt dort auf dem Hauptweg. Rechts ist ein Brunnen mit zwei Pfeilern zu sehen. Der Wanderer kommt nun auf das Gemeindegebiet von Petra. Auf der linken Seite der Route befinden sich zahlreiche Feigen- und Johannisbrotbäume, während auf der rechten Seite bewaldete Zonen zu sehen sind. Schließlich ist links die Zufahrt zu der Possessió d‘es Pujol erreicht, wobei die Gehzeit von dem großen Wasserspeicher bis hier rund 45 Minuten betragen hat.


Das beeindruckende Anwesen liegt auf einer 112 Meter hohen Anhöhe. Das Haupthaus ist in einem sehr guten Zustand, während die Nebengebäude, in denen auch die Stallungen untergebracht waren, noch einer Renovierung bedürfen. Dokumente aus dem Jahr 1659 belegen, dass in dieser Zeit Jaume Gibert der Besitzer gewesen ist und dass er Getreide angebaut hat. 1759 war der Priester Nicolau Sureda, der Pfarrherr von Marratxí, der Eigentümer. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die possessió es Pujol dels Gibert genannt. Der Gutshof wurde dann aufgeteilt, und es entstanden weitere eigenständige Anwesen wie es Pujolet, Son Gibert und andere.


Wegstrecke: 4 km
Tourencharakter: Wanderung auf Asphalt und Flurwegen. Keine nennenswerte Höhenunterschiede.
Schwierigkeitsgrad: Leicht
Nettogehzeit: rund 1 Std. 15 Min.


Die Texte der „Es Pla“ Wanderungen stammen von Miquel Àngel Lobo, Manolo Suárez, Vicenç Sastre und ARCA, Zeichnungen: Vicenç Sastre und Cati Artigues, deutsche Bearbeitung: Roland Otto.

Fotogalerie

Karte