Wandern

Panorama-Tour: Immer den Mallorquinern nach

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Bunyola - Mallorca

Eine Wanderung bei Bunyola auf den Aussichtsberg Sa Gúbia

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung beginnt unweit des Sóller-Tunnels an der Landstraße Ma-11 bei Kilometerstein 15,8. Hier zweigt links eine schmale Piste ab. Ein altes Schild „Camino particular, prohibido el paso“ (Privatweg, Durchgang verboten) kann ignoriert werden, da der Besitzer sämtliche Tore geöffnet hat. Zudem verläuft die Tour größtenteils auf dem alten, öffentlichen Weg von Bunyola nach Valldemossa. Für Mallorquiner zählt die Wanderung zur Sa Gúbia zu den klassischen Wandertouren. Deshalb sind vor allem an Wochenenden viele Wandergruppen unterwegs. Zwei weitere Schilder weisen darauf hin, dass das Radfahren und das Mitführen von Hunden nicht gestattet ist.


Die Piste führt dann nach etwa 50 Metern zur Possessió s’ Alqueria d’ Avall. Die erste urkundliche Erwähnung des Gutshofs datiert aus dem 16. Jahrhundert. Im Lauf der Zeit wechselten mehrmals die Besitzer. Aktuelle Eigentümerin von s’ Alqueria d’ Avall ist Maria Rotger Salas, die Ehefrau von Gabriel Cañellas, dem Ex-Minister­präsideten der Balearen. Das stattliche Landgut, zu dem auch die weiter oben gelegene Bergfinca Muntanya gehört, wird als „Gran Possessió olivarera“ bezeichnet, weil es zu den größeren Olivenanbaugebieten Mallorcas zählt.


Vor dem großen Hauptgebäude zweigt neben einer verwaisten Hundehütte links ein Weg ab. Wenige Schritte weiter wird ein zu öffnendes Tor passiert, das wieder zu schließen ist. Links vom Tor befinden sich eine Werkstatt und die alten Stallungen des Gutshofs. Auch hier zeigen zwei Schilder, dass Radfahren und das Mitführen von Hunden verboten ist. Zudem wird das Areal als Gebiet für die Hochwildjagd ausgewiesen.


Weiter geht es auf der breiten Piste, die Camí de la Muntanya genannt wird und die sich in der Folge in 39 Serpentinen bis zum Coll de sa Gúbia emporschlängelt. Der Wirtschaftsweg knickt dann in der ersten Kehre rechts weg und führt nicht allzu steil aufwärts. Man passiert ein weiteres offenes Tor und gelangt danach zu einem überdachten aljub (Wassersammelbecken). Hier fallen in der näheren Umgebung einige sehr hohe und prächtig gewachsene Kiefern auf.


Die Karrenpiste steigt dann in Kurven weiter an. Rechts und links des Wegs sind sorgfältig gepflegte Ölbaumplantagen zu sehen. Die Trockensteinmauern entlang des Camí sind vorbildlich instand gesetzt. Schließlich wird eine Zisterne und eine Steinhütte, die einst auch als ein Wasserspeicher genutzt wurde, erreicht.


Von dieser Stelle sind links und geradeaus vorne die beiden bizarren Felskolosse Puig de Son Poc und Puig de Son Nassi zu sehen. Der letztgenannte Gipfel weist eine kolossale, senkrecht abfallende Steilwand auf. Nach Nordwesten bietet sich eine famose Aussicht auf den Puig d’en Bennassar, den Coll de Sóller, auf die beiden Gipfel Puig de Sant Pere und Puig del Rei en Jaume sowie die Gebirgskette Serra d’ Alfàbia, die an ihren Antennen zu erkennen ist.


Der Camí de la Muntanya schraubt sich dann immer noch in mal kürzeren und mal längeren Serpentinen durch eine Terrassenlandschaft mit teils uralten Olivenbäumen weiter nach oben. Der Wanderer passiert ein weiteres offenes Tor und gelangt kurz darauf zu einem Steinschuppen, bei dem sich ebenfalls eine Zisterne und ein ehemaliger Köhlermeiler befinden. Vom Tourstart an der Landstraße bis hier sind rund 50 Minuten vergangen.


Weiter geht es auf dem Karrenweg, der nun auch in langen Geraden und weiteren mauergestützten Kehren aufwärts verläuft. Die Terrassenlandschaft mit Ölbäumen wird jetzt von einem Mischwald aus Kiefern und Steineichen abgelöst. Man bleibt beim Aufstieg immer auf der Hauptpiste und ignoriert Abzweige. Rund 30 Minuten nach dem Steinschuppen und dem einstigen Köhlerplatz sind ein überdachter aljub mit einer Zisterne und wenig später der Coll de sa Gúbia erreicht.


Auf dem Sattel befindet sich links ein Gedenkstein, der 1958  vom Foment del Turisme de Mallorca (Fremdenverkehrsverband Mallorcas) für Leandre Ximenis errichtet worden ist. Der Mallorquiner war in den 1920er Jahren Bergführer in der schon 1905 gegründeten Wandergruppe des Foment und ein ausgezeichneter Kenner der Serra de Tramuntana. Er erforschte zudem die Flora und Fauna des Gebirges und fertigte detaillierte Skizzen von Pflanzen an.


Links bei dem Ehrenstein (Steinmännchen) zweigt ein Trampelpfad ab. Der steinige und steile Steig verläuft nun im Zickzack hinauf zu einem Tor, das auf einer Metallleiter überstiegen wird. Danach steigt man auf einem Felspfad weiter auf und gelangt zunächst zu einer Schutzhütte und dann zu einem gemauerten Mirador mit einer Sitzbank. Beide sind nach Leandre Ximenis benannt. In einer Höhe von 609 Metern befindet sich auf dem Gipfel der Sa Gúbia, der auch Puig de s’ Alqueria genannt wird, eine geodätische Säule. Der Aufstieg von unten vom Sattel hat rund zehn Minuten betragen.


Die Aussicht von hier oben ist famos: Weit im Norden sind der Puig de Massanella, der Puig de n’ Alí und der Puig des Tossals zu erkennen. Im Süden breitet sich Palma mit seiner Bucht aus. An klaren Tagen ist sogar die Inselgruppe Cabrera auszumachen. Im Südwesten ragen die markanten Berge Fita del Ram, die Mola de Planícia, der Puig de Galatzó und die Mola de s’ Esclop empor. Imposant ist auch der unmittelbare Tiefblick auf die Senke Comellar del Bon Jésus mit ihren gewaltigen Steilwänden.

 

Wegstrecke
9 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 2 Std. 45 Min.


Höhenunterschied
400 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-11 Richtung Sóller. Bei Kilometerstein 15,8 biegt links der Zufahrtsweg zum Landgut s’ Alqueria d’ Avall ab. Wenige Parkplätze am Straßenrand vorhanden.


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breitem Wirtschaftsweg und auf steinigem Pfad. Hinweis: Der Rückweg über den Pas de sa Fesa und durch das Gebiet des Gutshofs Biniforani Vell ist nicht zu empfehlen. Der Autor ist diese Route Ende März 2014 abgelaufen und hat dabei festgestellt, dass der Besitzer zwei neue, geschlossene Tore errichtet hat. Zwar sind die angrenzenden Zäune jeweils durchgeschnitten, unter diesen Umständen ist auf dieser Route jedoch immer mit Problemen zu rechnen. Rückweg also auf der Hinroute.


Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.


Einkehr: Lokale in Bunyola.

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