Wandern

Steinige Tour: Und hoch oben die Geier

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Eine Wanderung vom Gutshof Mortitx zur Steilküste im Nordwesten Mallorcas
 

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung beginnt am Eingangstor der Possessió Mortitx, die bei Kilometerstein 10,9 der Landstraße Ma-10 gelegen ist (Schilder „Refugi“, „Mortitx“). Ein Fahrweg führt vorbei an einem Tennisplatz, dem Hauptgebäude und der Weinkellerei der öffentlichen Finca zu einer großen Rebanbaufläche. Seit sieben Jahren wird auf einem Teil der Felder des Gutshofs Wein angepflanzt. Die Rebstöcke sind mit zwei Metern Höhe und dicken Stämmen eine besonders robuste Rebsorte und deshalb gut geeignet für die raue Witterung in einer Höhenlage von fast 400 Metern.


Man folgt dann einem weiteren Schild „Refugi“ und gelangt rund eine Viertelstunde nach Tourstart zu einem Tor mit dem Schild „Finca pública de Mortitx“, das auf einer Holzleiter überstiegen wird. Dort zeigt eine Schautafel auch die heutige Wanderroute. Ein weiteres Schild verbietet das Fahren von Quads und Geländemotorrädern.


Die Route führt jetzt durch eine Landschaft von überwältigender Schönheit, wobei man bei einer Weggabelung geradeaus dem Schild „Camí de ses Basses, Nr. 1“ folgt. Im näheren Umkreis stehen bizarr gestaltete, von der Erosion zurechtgestutzte Felsriffe. Dazwischen uralte Olivenbäume mit knorrigen Windungen. Ein Blick zurück zeigt den Tausendergipfel Puig Tomir sowie die Nachbargipfel Puig de Ca de Míner und Cuculla de Fartàritx.


Man gelangt nun zu einer Weggabelung, bei der rechts die Route zum Torrent de Mortitx beginnt. Diese Wanderung, auf die weiter vorne auf einem Schild schon hingewiesen wurde, sollte nur im Sommer unternommen werden. Der Wanderer bleibt jetzt geradeaus auf der breiten Piste. Diese steigt bald zunächst leicht, später in steilen Kehren an. Der Aufstieg wird mit dem Blick auf die imposante Landschaft belohnt: Rechts sind die massiven Schluchtwände des Torrent de Mortitx zu sehen, links türmen sich die senkrecht abfallenden Hochwände des Puig Caragoler de Femenia auf.


Völlig unerwartet stößt der Wanderer nach einem geöffneten Tor (Schild „Camí des Basses, Nr. 1“) auf einen kleinen See mit einer Staumauer, wobei die Gehzeit von dem Tor mit dem Schild „Finca pública de Mortitx“ bis hier rund 25 Minuten betragen hat. In diesem Reservoir wird das Wasser aus dem Torrent de s’ Hort des Molí gesammelt. Das Ufer des „Bergsees“ ist mit hohem Schilf, Olivenbäumen und Steineichen bewachsen. Auf der glasklaren Wasseroberfläche spiegeln sich die Zinnen des darüber liegenden Berges Puig de ses Moles, während am Seegrund wild wuchernde Schlingpflanzen zu sehen sind.


Bei dem Wasserspeicher befindet sich auch eine Tafel des Umweltministeriums der Balearen, auf der mehrsprachig darauf hingewiesen wird, dass der Weiterweg im Naturschutzgebiet vom 1. Februar bis 30. Juni „nur mit einer Sondergenehmigung“ möglich ist, „da bedrohte Arten beeinträchtigt werden könnten.“ Dabei handelt es sich vor allem um die voltors negres, die Mönchsgeier, die in dem genannten Zeitraum in dieser Gegend brüten.


Schließlich ist nach einigen steilen Kehren ein Sattel erreicht, auf dem sich eine Mauer mit Lücke befindet. Links fällt eine Fingerzinne auf, die sich von dem Berg Puig de ses Moles abgespalten hat. Rechts liegt der Pla de Lavanor, eine fruchtbare Hochebene, die von einem wilden Küstengebirge umrahmt wird. Dieses unzugängliche Areal ist eines der Brutgebiete des voltor negre. Mit etwas Glück lässt sich gerade auch ein Mönchsgeier in den Lüften erblicken. Leider weiß man von unten nicht, ob es sich bei diesem Vogel gerade um den Mönchsgeier handelt, der im Sommer 2006 nach dem mallorquinischen Tennisspieler Rafael „Rafa“ Nadal benannt wurde und der auf diesem Terrain seinen Lebensraum hat.


Etwa 300 Meter nach dem Sattel verweist ein Schild „Refugi“ rechts auf eine Piste, auf der man zu dem Refugi de Lavanor gelangt. Die Gehzeit von dem „Bergsee“ bis hier hat rund 25 Minuten betragen. Die Berghütte ist unterhalb des Puig de ses Paredes überaus idyllisch gelegen. Tische und Bänke unter einem Feigenbaum laden zu einer Rast ein.


Danach begibt man sich wieder zu dem Abzweig oben und biegt dort rechts (Schild „Camí de ses Basses, Nr. 1“) ab. Die breite Piste führt nun leicht abwärts und steigt dann wieder steil an. Der Wanderer erreicht mit dem Campet Rodó eine kleine Hochebene, eine heimelige Scholle mitten in der Serra de Tramuntana. Von hier hat man nach Norden einen fabelhaften Blick auf das Vall d’Ariant, den El Pa de Figa, den Puig de Gironella und den Puig Gros de Ternelles.


Weiter geht es nun kurz abwärts. Später steigt der Weg wieder steil an. Man passiert ein weiteres Schild, das das Wandern im Zeitraum vom 1. Februar bis zum 30. Juni wegen der Brut der Mönchsgeier verbietet. Wenige Schritte vor dem Coll des Vent empfiehlt sich rechts (Steinmännchen) ein kurzer Abstecher zu einer Abbruchkante, von der man einen famosen Blick auf das Meer hat.


Rund eine Viertelstunde nach dem Refugi wird der Coll des Vent erreicht. Nach dem Sattel verläuft eine Betonpiste in einigen Kurven steil nach unten. Dabei bleibt man immer auf dem Hauptweg und genießt links den Blick auf den Tausender Puig Roig. Circa 20 Minuten nach dem Coll des Vent sind dann Ses Basses de Mortitx, das untere Gebiet der Possessió Mortitx, erreicht.


Auf dem heute noch bewirtschafteten Feld wurden schon vor Jahrhunderten Agrarprodukte angebaut. Bis in das 19. Jahrhundert haben hier sogar Imker Honig gewonnen.


Nachdem ein Schild „Final, Camí de ses Basses, Nr. 1“ unmissverständlich verkündet, dass man nun nicht mehr weiterwandern kann, macht man sich nach einer Pause wieder auf den Rückweg. 

 

 

Wegstrecke
10,4 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 3 Std. 20 Min.


Höhenunterschied
200 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma:
Auf der Ma-13 und der Ma-2220 nach Pollença. Dort auf der Ma-10 Richtung Kloster Lluc bis zu Kilometerstein 10,9. Hier befindet sich das Eingangstor der Finca pública de Mortitx. Einige Parkplätze am Straßenrand vorhanden.


Tourencharakter:
Leichte Wanderung auf breiten Flur- und Betonpisten. Für Kinder geeignet. Rückweg auf der Hinroute. Reservierung (mindestens 3 Monate vorher) im Refugi de Lavanor: Tel.: 971-17 76 52, Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr.


Ausrüstung:
Wanderstiefel, Wasser, Proviant.


Einkehr: Lokale in Pollença
 

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