Wandern

Tour in der Tramuntana: Wo sich die Ritter todesmutig schlugen

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Alaró - Mallorca

Zweiter Teil der Wanderung von Alaró über den Pas de s‘Estaca auf den Puig d‘Alaró

ROLAND OTTO

In der vergangenen Ausgabe der Mallorca Zeitung (Nr. 699 vom 26. September 2013) wurde der Abschnitt von Alaró zum Landgasthof Es Verger beschrieben. Teil 2 der Wanderung führt nun von Es Verger über den Pla des Pouet auf den Puig d‘Alaró und von dort wieder zurück nach Alaró.


Kurz oberhalb von Es Verger biegt man jetzt links (Schild „Castell d‘Alaró, Pla des Pouet, Orient“) auf eine breite Piste ab. Diese führt in einigen Kurven nicht allzu steil nach oben. Beim Aufstieg kann der Wanderer auf steinigen Pfaden die langen Serpentinen dreimal abkürzen. Man gelangt immer wieder auf den Hauptweg und ignoriert später bei einem roten Pfeil einen linken Abzweig. Schließlich ist nach rund 20 Minuten die Hochebene Pla des Pouet erreicht.


Auf dem Plateau wird dann rechts (Schild „Castell d‘Alaró, Alaró“) abgebogen, während links der Abstieg nach Orient beginnt. Der Wanderer befindet sich jetzt auf der Nebenstrecke G des Fernwanderwegs GR 221. Ein teils gestufter und gepflasterter Weg führt dann in einigen Kehren hinauf zu der Felsenge s‘Estret. Von dort wird auf der Piste in leichtem Auf und Ab eine Weggabelung erreicht, bei der links (Schild „Castell d‘Alaró“) abgebogen wird. Auf einem gepflasterten Weg sind dann zunächst das äußere Burgtor und kurz darauf auf sehr steilen Stufen der Torre del Homenatge erreicht. Die Gehzeit vom Pla des Pouet bis hier hat rund 25 Minuten betragen.


Bei dem Turm biegt gleich links (roter Klecks) ein Pfad ab, der in rund fünf Minuten zu dem westlichen Festungswall der Anlage führt. Dabei muss man an zwei Stellen kurze Felstritte machen.


Bei Überresten von Mauern und Zinnen hat man eine famose Aussicht auf die zentrale Serra de Tramuntana. So sind die Tausender Puig de l‘Ofre, Sa Rateta, Penyal des Migdia, Puig Major, die Tossals-Berge, Puig de Massanella und Puig de n‘Alí zu erkennen. Auch ein Blick auf den Puig Tomir und die Bucht von Pollença mit der Halbinsel s‘Victòria ist von hier möglich. Oben auf dem Gipfel des Puig d’Alaró ist diese Sicht nach Norden durch den Felsklotz Puig d’Alcadena verstellt.


Anschließend begibt man sich in rund fünf Minuten wieder zurück zum Torre del Homenatge und steigt links auf einer felsigen Piste in weiteren fünf Minuten zum Gipfel des 821 Meter hohen Puig d‘Alaró auf. In einer mallorquinischen glosa popular, einem Volksreim, heißt es: „Wenn es dir nicht gut geht, dann besuche diesen Ort. Nicht Sant Salvador, nicht Randa, nicht den Galatzó. Denn nirgends gibt es einen schöneren Blick als vom Castell d‘Alaró.“


Und tatsächlich bietet sich dem Besucher von den verschiedenen Aussichtspunkten an klaren Tagen eine spektakuläre Rundsicht. Der Blick schweift von dem Archipel Cabrera im Süden über das Cap Blanc, Palma und seine Bucht bis hin zur Bucht von Alcúdia bei Son ­Serra de Marina und zur Halbinsel Ferrutx mit ihren markten Berggipfeln.
Weit im Südwesten sind der Puig de na Bauçà und der Galatzó zu erkennen. Im Osten können der Gebirgszug Serra de Calicant, der Klosterberg Randa, der Puig de Sant Salvador bei Felanitx und das Meer bei Cala Bona und Cala ­Millor ausgemacht werden.


Direkt gegenüber erhebt sich der massige Felsklotz Puig d‘Alcadena, dessen Besteigung leider immer noch nicht gestattet ist. Der Legende nach haben auf einem zwischen den beiden Tafelbergen gespannten Seil bruixes, Hexen, getanzt. Eine Darstellung dieser Legende befindet sich in der Sala d‘Interpretació. In dem Ausstellungsraum können sich Besucher auch über die Geschichte des Kastells, die Flora und Fauna der Umgebung informieren.


Auf dem Gipfel befindet sich ein kleiner Gasthof und eine Terrasse mit Holztischen- und bänken. Daneben steht eine Kapelle, die 1662 im Beisein von über 3.000 Pilgern vom Ortspfarrer feierlich eingeweiht wurde. Auf dem Altar der Ermita steht eine Statue der Mare de Deú del Refugi, der Heiligen Jungfrau der Zuflucht. Am Altareingang haben auf zwei Gemälden die Ritter Guillem ­Cabrit und Guillem Bassa ihren Platz gefunden. Die beiden Adligen aus Alaró verteidigten 1285 mit einigen Getreuen die Festung gegen die Truppen von Alfonso III.


Der zwischenzeitlich verstorbene aragonesische König Pedro der Große hatte zuvor das Königreich Mallorca überfallen. Dessen König Jaume II. gelang die Flucht. Die beiden Ritter Cabrit und Bassa wurden später aufgespießt und bei lebendigem Leib verbrannt.


Wenn man sich in dem Gasthof etwas zum Trinken und Essen holt, sollte man auf Bücher achten, die dort ausliegen. Eines davon heißt „Clic a la Serra. Fotografia i
Muntanya, Mallorca 1910-1960.“ Das Buch enthält bezaubernde Schwarz-Weiß-Aufnahmen von ­mallorquinischen Wandergruppen, die zwischen den Jahren 1910 und 1960 in der Serra de Tramuntana unterwegs waren.


Für den Rückweg begibt man sich in rund zehn Minuten wieder zu der Weggabelung mit dem Schild „Castell d‘Alaró“ und folgt dort geradeaus dem Schild „Alaró“. Eine steinige Piste führt nun talwärts (Pfostenpfeil) in rund 25 Minuten auf eine holprige Straße, auf die links eingebogen wird (Schild „Alaró“). In der Folge verweisen Pfostenpfeile und Steinmännchen auf zwei Abkürzungspfade, die wieder die Fahrbahn kreuzen.


Schließlich wird nach rund 40 Minuten der Gutshof Penyaflor erreicht. Der Wanderer folgt dann bei einer Kreuzung links dem Schild „Alaró“ und gelangt später zur Landstraße Ma-2100, auf die er rechts (Beschilderung) einbiegt. Rund 20 Minuten nach Penyaflor werden die ersten Häuser von Alaró erreicht. Auf den Straßen Solleric, Pontarró, Ca‘n Ros und Petit stößt man nach rund fünf Minuten wieder auf die Plaça von Alaró.

 

Wegstrecke
9 km


Nettogehzeit
rund 2 Std. 40 Min.


Höhenunterschied
236 m, insgesamt 600 m


Schwierigkeitsgrad
***

 

Anfahrt von Palma:
Auf der Ma-13 und Ma-2050 nach Alaró. Einen gebührenfreien Parkplatz gibt es am Gemeinde­zentrum Son Tugores.


Tourencharakter:
Insgesamt lange und mittelschwere Wanderung, die eine gute Kondition erfordert. Vorsicht beim Aussichtspunkt auf dem westlichen Festungswall des Castell d‘Alaró, weil Steilab­stürze nicht gesichert sind. Man muss auch schwindelfrei sein. Ein Besuch der Ausstellung im Sala d‘Interpretació auf dem Castell d‘Alaró ist empfehlenswert.


Ausrüstung:
Wanderstiefel, Wasser, Proviant.


Einkehr: Bar auf dem Castell d‘Alaró, Öffnungszeiten: 9-23 Uhr, kein Ruhetag. Infos zur Übernachtung in der Herberge auf dem Kastell: reserves@castellalaro.cat, Tel.: 971-18 21 12 oder 971-94 05 03.
 

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