Wandern

Himmel über dem Meer

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Andratx - Mallorca

Eine Wanderung im Westen Mallorcas auf dem Höhenküstenweg Camí de s‘Illeta

Start der mittelschweren Wanderung ist in Port de Sóller bei der Plaça Reis de Mallorca. Dort beginnt neben einer Steintreppe die Carrer Bélgica, die steil nach oben führt. Nach etwa 300 Metern verlässt man die Fahrbahn in einer Linkskurve und wandert auf einer Asphaltpiste geradeaus weiter. Diese führt in einigen Spitzkehren durch eine Terrassenlandschaft mit teils uralten Olivenbäumen sehr steil nach oben. Beim Aufstieg hat der Wanderer rechts eine vorzügliche Aussicht auf den Gebirgszug Serra d‘Alfàbia und den Cornador Gran. Auch der Gipfel des Puig de l‘Ofre ist zu sehen. Schließlich wird rund eine Viertelstunde nach Tourstart der Coll de l‘Illa erreicht.


Der eher unscheinbare Sattel spielt in der Stadtchronik von Sóller eine bedeutende Rolle. So sind am 11. Mai 1561 maurische Korsaren mit 22 Schiffen und 1.700 Mann an der unterhalb des Coll de l‘Illa gelegenen Bucht Ses Puntes an Land gegangen, um die Gemeinde Sóller zu überfallen und auszuplündern. Den sóllerics gelang es jedoch, die Piraten in die Flucht zu schlagen.


Über 100 Jahre später ankerte im Januar 1662 der Sólleric Mateu Roger mit seiner llaüt, einem kleinen Segelboot, in der Bucht Ses Puntes. Er war von Barcelona über das Meer gesegelt und hatte sich dort zuvor mit der Pest infiziert. In der Folge verbreitete sich die Epidemie von Sóller über die gesamte Insel und forderte mehr als 20.000 Menschenleben. Allein in Sóller waren 1.064 Opfer zu beklagen.


Am Coll de l‘Illa befinden sich ein Zaun und eine kleine Steintreppe. Dahinter verläuft die Route zum Wachturm Torre Picada, der zwischen 1614 und 1622 zum Schutz vor Piratenüberfällen erbaut worden ist. Auch der Abstieg zur Bucht Ses Puntes und zur Landspitze Punta Llarga beginnt hinter dem Zaun.


Bei der heutigen Wanderung bleibt man jedoch rechts auf der Asphaltpiste. Diese führt zunächst in einigen Kurven weiter steil aufwärts, später folgt ein längerer, ebener Abschnitt, der dann in einen breiten Karrenweg übergeht. Nun präsentiert sich die wilde Schönheit der Costera Petita, wie dieser Küstenabschnitt genannt wird, in ihrer ganzen Pracht: Da sind die Insel s‘Illeta, ein Vogelschutzgebiet, lotrecht abfallende Hochklippen, das Bergmassiv des Puig de Bàlitx und der Penyal Bernat de s‘Illeta, eine einzeln stehende Zinne mit der Form eines Fingers.


Die Piste steigt dann nach einem Wochenendhaus an einer Stelle, an der viele Steinmännchen fast kunstvoll errichtet worden sind, in Kehren wieder steil an. Schließlich sind rund 25 Minuten nach dem Coll de l‘Illa das Anwesen Es Sementeret und kurz darauf der Gutshof Ca‘n Joan de sa Dida erreicht. Es folgen sogleich die Cases de Ca ses Bales, bei denen eine Zisterne mit einem Kuppeldach auffällt.


Weiter geht es auf dem Karren­weg, der in Kehren leicht ansteigt. Der Wanderer passiert das Eingangstor des Anwesens Ca‘n Bardi und bleibt auf der Hauptpiste (Steinmännchen). Blickt man hier zurück, hat man nach Südwesten eine herrliche Fernsicht. Der Blick schweift von der Punta Llarga und dem Torre Picada über die Mola de Planícia bei Banyalbufar und die Hochklippe Cap de Fabioler bei Estellencs bis hin zur Insel Dragonera mit dem Cap de Tramuntana und dem Hauptgipfel Na Pòpia.


Rund zehn Minuten nach den Cases de Ca ses Bales wird dann eine finquita, ein Wochenendhaus, erreicht, bei der sich ein verschlossenes Tor befindet. Hier begibt man sich zehn Meter vor dem Tor rechts (Steinmännchen) auf einen Pfad, übersteigt dann sogleich auf Sprossen ein Metalltor und gelangt links wieder auf den Hauptweg. Dieser führt nach etwa zehn Metern zu einem Mauer­durchlass, vor dem links (Steinmännchen) abzubiegen ist, weil ein Schild („Prohibido el paso“) geradeaus den Weiterweg verbietet.


Eine steinige Piste verläuft nun zu einem weiteren Mauerdurchlass (Steinmännchen, zwei rote Punkte). Hinter der Bresche wird dann ein linker Abzweig ignoriert und geradeaus (Steinmännchen) auf einem Trampelpfad weitergewandert. Die steinige Piste führt (durch­gehend Steinmännchen) durch einen Kiefernwald leicht absteigend nach unten und verläuft auf einigen Abschnitten hart am Rand von Abhängen, die teils steil abstürzen. Hier muss man trittsicher und schwindelfrei sein. Auch einige Stämme von entwurzelten Kiefern sind zu umgehen oder zu übersteigen.


Schließlich wird rund 20 Minuten nach der finquita mit dem Metalltor eine Stelle erreicht, bei der man links (Steinmännchen) heruntergefallene Steinbrocken umgeht. Der Wanderer folgt dann weiter den Steinmännchen und gelangt nach weiteren fünf Minuten zu einem Köhler- und ­Picknickplatz.


Bei dem Köhlerplatz befinden sich neben Steinmännchen auf einem Felsbrocken auch zwei rote Pfeile, die sowohl nach links als auch nach rechts verweisen. Links beginnt der Abstieg in Richtung des Strands Platja es Joncar, während rechts die ­Route zum Pas de s‘ Heura verläuft.


Links also schlängelt sich ein felsiger Pfad in einigen Kehren teils sehr steil meerwärts, wobei regelmäßig vorhandene Steinmännchen und auch einige rote Kleckse die Richtung zeigen. Nach rund 20 Minuten steht man dann etwa 20 Meter oberhalb der Platja es Joncar. Der Strand macht mit seinen am Ufer kreuz und quer übereinander und ineinander verkeilt liegenden Gesteinsbrocken den Eindruck, als ob die Natur ihn gerade erst erschaffen hätte. Wer möchte, kann mit gebotener Vorsicht auf einem sehr steilen Pfad und über Gestein noch zum Meer hinabkraxeln, obwohl ein Bad nicht zu empfehlen ist, da schon ab Frühherbst mit starkem Wellengang zu rechnen ist.

 

Wegstrecke
9 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 3 Std.


Höhenunterschied
220 m


Schwierigkeitsgrad
***

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-11 nach Port de Sóller und dort durch den Tunnel sa Mola (Schild „Centre“). Nach dem Tunnelausgang bei einem großen Kreisel rechts in die zweite Straße abbiegen. Nach etwa 20 Metern biegt man dann rechts ab und erreicht sogleich die Plaça Reis de Mallorca, bei der es auch Parkplätze gibt.


Tourencharakter: Mittelschwere Wanderung auf Asphalt, steinigen Pfaden und über Gestein. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Der Aufstieg von der Platja es Joncar zum Höhenküstenweg überwindet 220 Höhenmeter und erfordert deshalb eine gute Kondition. Rückweg auf der Hinroute.


Ausrüstung: Wander­stiefel, Sonnenschutz, Proviant, Wasser.


Einkehr: Lokale in Port de Sóller.

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