Wandern

Tour im Norden: Zu Mallorcas alter Lichtquelle

0 Stimmen

Escorca - Mallorca

Eine Wanderung von der Cala Tuent zum ehemaligen Elektrizitätswerk Sa Fàbrica
 

ROLAND OTTO

Die leichte Wanderung beginnt am Strand der Cala Tuent, die zu den reizvollsten Buchten Mallorcas zählt. Ein märchenhafter Olivenhain mit teils knorrigen, uralten Ölbäumen reicht fast an den Sand- und Kieselstrand. Die Cala ist von den Steilklippen Es Frare und Morro des Forat umgeben. Nicht weit von der Bucht entfernt türmen sich die hohen Schluchtwände des Torrent de s’Al.lot Mort und des Torrent Gorg des Diners empor. Ganz oben ist der Puig Major zu sehen.


Man quert nun bei einem alten Fischerhäuschen den Strand und folgt an dessen Ende dem Schild „Es Vergeret, Sa Costera, Sóller“. Ein teils gepflasterter und getreppter Pfad führt dann steil aufwärts zu einer Fahrbahn. Diese wird gequert und auf einem Trampelpfad (Schild „Sa Costera, Bàlitx, Sóller“) bis zu dem Restaurant Es Vergeret aufgestiegen. Seit Tourstart sind rund fünf Minuten vergangen.


Weiter geht es bei dem Restaurant (Pfostenpfeil) auf Stufen und danach auf einem Pfad aufwärts bis zu einem breiten Weg, auf dem links abgebogen wird und der nach etwa zehn Metern bei einem Sendemast rechts wieder verlassen wird (jeweils Pfostenpfeile). Eine Waldpiste verläuft nun zunächst eben, später dann steil aufwärts zu einem Schild „Sa Costera, Fornalutx, Sóller“ und einer Treppe, die auf einen breiten Weg führt. Man folgt rechts einem Pfostenpfeil und nach etwa 50 Metern links einem Wegweiser.


Ein breiterer, teils getreppter und gepflasterter Pfad schraubt sich dann in einigen Kehren hinauf zu einem Fahrweg und zu dem Anwesen Capapuig. Man biegt dort rechts ab und verlässt den Fahrweg nach etwa 20 Metern wieder rechts (jeweils Pfostenpfeile). Von dieser Stelle hat man geradeaus einen imposanten Blick auf die markanten Felsklötze Es Pa de Figa und Es Tres Xaps. In der entgegengesetzten Richtung sind die Mola de Ca’n Palou und der Wachturm Torre de sa Mola de
Tuent besonders schön zu sehen.


Ein breiterer Pfad führt nun in einigen mauergestützten Kehren hinauf zu einem Pfostenpfeil und kurz darauf zu dem Coll de na Polla, bei dem sich ein Mauerdurchlass befindet. Die Gehzeit von dem Restaurant Es Vergeret bis hier hat rund
25 Minuten betragen. Von dem Sattel eröffnet sich ein famoser Tiefblick auf das marineblaue Meer und die schroffkantige Felsenküste. Rechts unten liegt die Klippe Morro des Forat mit den Resten des 1583 errichteten Wachturms Torre des Forat. Auf der linken Seite erheben sich die Westflanken des Küstengebirges Montcaire mit ihren bizarr gestalteten Steilwänden.


Vom Sattel Coll de na Polla verläuft dann ein „Camí de sa Costera“ genannter Pfad oberhalb der Küste entlang. Rechts unten ist unterhalb des Morro des Forat das Inselchen Es Serradell zu sehen. Die nur wenige Meter breite Meerenge zwischen Insel und Land war früher ein bevorzugter Landeplatz für Schmuggler. Auf der linken Seite erheben sich hohe Steilwände, von denen einige ausgehöhlt sind. In den Hohlräumen haben sich imposante Tropfsteingebilde geformt, die im Sonnenlicht glitzern. Geradeaus sind die Steilklippe Morro de Cala Roja und der 521 Meter hoch gelegene Wachturm Torre de na Seca auszumachen. Auch die Küstenfinca Sa Costera ist zu
erkennen. Das Anwesen wurde 1332 erstmals urkundlich erwähnt und in der Folgezeit immer landwirtschaftlich genutzt. Die Bauern pflanzten auf kleinen Ebenen Getreide an und hielten Schafe und Ziegen.


Rund 45 Minuten nach dem Coll de sa Polla ist dann der Abzweig zum alten Elektrizitätswerk „Sa Fàbrica“ erreicht (Schild „Sa Fàbrica, Font des Verger, 15 Min.“).


Ein steiniger Pfad schlängelt sich nun rechts in engen Kurven steil abwärts. An einigen Stellen ist die Piste mit Dissgras und Mastix fast zugewachsenen. Steinmännchen zeigen aber immer die Richtung an. Vor allem bei Nässe besteht auf dem glitschigen Boden Rutschgefahr. Entsprechend konzentriert sollte man dann auch absteigen und sich von der auf dem Schild angegebenen Zeit, 15 Minuten, nicht bestimmen lassen.


Schließlich wird ein Wasser­bassin erreicht, dort auf einer kleinen Holzbrücke eine Wasserrinne überquert und dann gleich links abgebogen. Nach einigen Metern steht man vor dem vergitterten Stolleneingang der Font des Verger, bei der große Feigenbäume stehen.


Nur ein Betonaufsatz am Meeres­ufer deutet darauf hin, dass sich an dieser Stelle ein wichtige Anlage der Wasserversorgung Mallorcas befindet. Denn durch den fast
80 Millionen Euro teuren Bau der „Sa Costera“ genannten Wasserpipeline sprudelt das Wasser der Font des Verger nicht mehr ungenutzt ins Meer, sondern wird durch eine in der See unter­irdisch gelegte Leitung nach Port de Sóller und zu einer Pumpstation geleitet. Von dort wird das Wasser bis nach Palma transportiert und deckt in der Hochsaison mit täglich bis zu 140.000 Kubikmetern ein Viertel des Wasserbedarfs der Stadt. Aber auch andere Gemeinden werden mit dem Wasser der „Sa Costera“ versorgt.


Es lohnt sich, auf dem Gelände noch weiter herumzustreifen. Einige Meter links von dem Bassin mit der Holzbrücke gelangt man zu einem Haus, in dem Miquel Moragues seit sechzehn Jahren wohnt. Der Angestellte des Umweltministeriums pflegt hier Flora und Fauna und ist gegenüber Wanderern sehr aufgeschlossen. Unterhalb des Wohnhauses befindet sich das alte Elektrizitätswerk, in dem von 1907 bis 1962 für die Gemeinde Sóller Strom erzeugt worden ist. Knapp über 50 Jahre später hat die Kommune gerade damit begonnen, die alten Stromleitungen an den Häusern, die noch aus der Zeit der „Sa Fàbrica“ stammen, zu entfernen.

 

Wegstrecke
9 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 3 Std.


Höhenunterschied
200 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-11 nach Sóller, dort auf der Ma-10 Richtung Kloster Lluc bis zu dem Abzweig der Ma-2141 in Richtung der Cala de sa Calobra. Bei Kilometer 10,9 zweigt links die Straße zur Cala Tuent ab.


Tourencharakter: Leichte Wanderung meist auf steinigen Pfaden. Beim Steilabstieg zur Font des Verger ist Trittsicherheit notwendig. Rückweg auf der Hinroute.


Ausrüstung: Wander­stiefel, Kopfbedeckung, Wasser,
Proviant.


Einkehr: Kiosk am „Krawatten­knoten“ Nus de la Corbata der Ma-2141.
 

Fotogalerie

Karte