Wandern

Vorbei an Schafen und Weinreben

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Algaida - Mallorca

Gar nicht so ohne: eine Wanderung von Algaida auf den Aussichtsberg Puig de Galdent

Die mittelschwere Wanderung beginnt in Algaida am Ortseingang der Gemeinde in der Carrer del Sol, an deren Ende die restaurierte Windmühle Moli d’en Roig steht. Hier zweigt links der „Camí de Son Miquel Joan” ab. Die schmale Fahrbahn ist die alte Straße von Algaida nach Llucmajor. Sie führt immer geradeaus durch ein fruchtbares Kulturland mit Mandel-, Johannisbrot- und Feigenbäumen. Auch einige Gemüse­gärten mit Auberginen, Paprika und Kohl sind zu sehen. Später folgen einige abgeerntete Getreidefelder, auf denen Schafe noch die Halm­stoppeln abfressen. Halb rechts vorne erhebt sich der Puig de Galdent. So leicht, wie der Aufstieg von hier gesehen erscheinen mag, wird er zumindest beim Gipfelanstieg aber nicht sein.


Rund zehn Minuten nach Tourstart wird dann der nicht mehr bewirtschaftete Gutshof Ca’n Borràs erreicht. Das Anwesen muss einst über große Wasservorkommen verfügt haben, wovon eine Mühle und Wasserrinnen, sequías, zeugen. Ein früherer Eigentümer von Ca’n Borràs war in den 1930er Jahren ein Mitbegründer der Bodega „Vins Amengual“ in dem Dorf Pina, das zu Algaida gehört. Die Bodega vertreibt heute jährlich knapp über eine Million Liter Tischwein, den sie von Erzeugern bezieht und in Flaschen und Fünf-Liter-Glasballons abfüllt.


Weiter geht es dann von Ca’n Borràs auf der Fahrbahn, die nach etwa 100 Metern links (lila und rote Markierung) verlassen wird. Ein asphaltierter Flurweg führt nun am Eingangstor des herrschaftlichen Anwesens Na Llenderina vorbei. Die Auffahrtsallee zu der großen Villa, die neueren Baudatums ist, wird von zahlreichen Palmen der Art
Washingtonia filifera gesäumt.


Kurz darauf wird die Finquita de s’Heretat passiert. Diese possessió wurde – zusammen mit anderen Gutshöfen – schon von den Mauren in der Zeit ihrer Herrschaft auf Mallorca als Alquería de Punxuat gegründet. Im 16. Jahrhundert befand sie sich im Besitz des Senyors Hereu, aus dessen Familienname sich der Namen Heretat ableitet.


Auf dem Flurweg wird dann eine große Rebanbaufläche erreicht, bei der man auf dem Hauptweg bleibt (roter Klecks). Die Piste führt dann in südlicher Richtung weiter bis zu den Cases de Son Roig. Auch hier befinden sich links des Flurwegs Rebstöcke. Die Reben gehören dem Weingut Ca’n Majoral, das in Algaida seinen Sitz hat. Das heute noch bewirtschaftete Anwesen, das an einer zu einer Scheune führenden Steintreppe zu erkennen ist, gehörte einst ebenfalls zur Alquería de Punxuat.


Von den Cases de Son Roig gelangt man dann nach etwa 100 Metern zu einer Weggabelung, bei der rechts (Steinmännchen, roter Klecks) abzubiegen ist. Auf einem Waldweg wird später das Haus Recó de s’Heretat erreicht, vor dessen Eingangstor die Piste links wegknickt. Ein zehn Meter weiter folgender rechter Abzweig wird ignoriert. Nach etwa 150 Metern gelangt man dann an eine Stelle, bei der ein roter Klecks und ein kleiner, roter Pfeil rechts auf einen steinigen Trampelpfad verweisen. Die Gehzeit von Ca’n Borràs bis hier hat rund 30 Minuten betragen.


Der Pfad führt nun entlang einer Begrenzungsmauer durch einen lichten Kiefernwald leicht ansteigend nach oben, wobei rote Markierungen zu finden sind. Nach etwa 500 Metern knickt die Piste bei einem Steinmännchen und einem roten Punkt rechts weg.


Der nun folgende Saumpfad verläuft zunächst moderat ansteigend durch eine schmale, bewaldete Senke aufwärts, wobei manche Abschnitte von Schneidegras, Dornginster und Mastixsträuchern ziemlich zugewachsen sind. Mehrmals müssen auch
umgestürzte Baumstämme überstiegen oder umgangen werden. Trotzdem ist der Wegverlauf immer eindeutig, weil Steinmännchen und rote Kleckse vorhanden sind. Schließlich wird eine Stelle mit einer Steinpyramide erreicht, bei der die Piste links wegknickt. Die Gehzeit von dem Abzweig unten bei der Begrenzungsmauer bis hier hat rund 20 Minuten betragen.


Nun beginnt der sehr steile Aufstieg zum Puig de Galdent. Der Wanderer merkt sogleich, dass dieser Steig kein Zuckerschlecken ist. Zunächst kraxelt man auf tritt- und grifffestem Gestein etwa drei Meter nach oben (Steinmännchen, rote Punkte). Diese Wegweiser sind in kurzen Abständen und weithin sichtbar bis zum Gipfel vorhanden und zeigen die sicherste Aufstiegsroute.


Nach dem Felssteig schraubt sich ein sehr steiniger Trampelpfad in engen Kehren sehr steil nach oben. Dabei sind auch einige kurze, flache Felspassagen zu bewältigen.
Der Aufstieg ist unterdessen allerdings schwieriger geworden. Wie der Autor hier anhand von Reifenspuren im Oktober 2012 feststellte, erklimmen auch Mountainbiker den Gipfel, um sich auf dem sehr steilen Abstieg wieder herunter zu stürzen. Die Downhillers beschädigen dabei aber auch den Steig und brechen Trittsteine ab, was für Wanderer den Auf- und Abstieg erschwert.


Rund 20 Minuten nach der Steinpyramide bei dem Felssteig ist dann der Gipfel mit seinem großen Steinhaufen erreicht. Aus fast 420 Metern Höhe ist der
Panoramablick exzellent. Man kann mit dem Cap de Formentor und dem Cap de Ses Salines den nördlichsten und südlichsten Punkt der Insel erblicken. Noch weiter südlich ist die Insel Cabrera zu erkennen. Imposant auch die Aussicht auf Palma und seine Bucht. Bei klarer Sicht sind mit bloßem Auge die Kathedrale, La Seu, und die Burg Bellver auszumachen.


Absolut spektakulär ist jedoch der Ausblick auf die Serra de Tramuntana, die sich fast in ihrer gesamten Länge präsentiert. Dabei ragen tief im Südwesten die Mola de s’Esclop und der Puig de Galatzó und weit im Nordwesten der Puig Tomir empor. Dazwischen liegen der Gipfel Teix, die Serra d’ Alfàbia, der l’Ofre und die Sa Rateta, der Penyal des Migdia, der Puig Major und der Puig de Massanella.

 

 

Wegstrecke
9 km
(hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 2 Std. 45 Min.


Höhenunterschied
220 m


Schwierigkeitsgrad
***

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-19 bis Llucmajor und dort auf der Ma-5010 nach Algaida. Dort am Ortseingang nicht rechts die Umgehungsstraße benutzen, sondern geradeaus 150 Meter bis zu einer Einbahnstraße fahren. Dort biegt links die Carrer del Sol ab. Parkplätze in der Straße vorhanden.


Tourencharakter: Mittelschwere Wanderung auf Asphalt­pisten, Waldwegen und steinigen Trampelpfaden. Beim Gipfelanstieg und -abstieg absolute Trittsicherheit notwendig. Rückweg auf der Hinroute.


Ausrüstung: Wanderstiefel, Wasser, Proviant.


Einkehr: Bars in Algaida.

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