Wandern

Wanderung bei Port de Pollença: Zu Besuch beim Sommergoldhähnchen

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Pollença - Mallorca

Für Vogelkundler ebenso attraktiv wie für Strandfans: eine leichte Wanderung vom Port de Pollença zur Cala de Bóquer
 

Ausgangspunkt der leichten ­Sommertour ist Port de Pollença und dort die Umgehungstraße Ma-2200, die in Richtung Formentor führt. Bei einem Kreisel am Orts­ende verweist gegenüber der Avenida de Bocchoris links ein Schild „Camí de Cala Bóquer“ auf eine breite Piste und einen Parkplatz. Der Weg führt von dort nach etwa 200 Metern zum Eingangstor der Possessió Cases de Bóquer. Dort verbietet ein Schild das Mitführen von Hunden. Auch das Fahren von Bikes und Mopeds ist untersagt.


Das Landgut Cases de Bóquer wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der markante Wehrturm des Anwesens ist jedoch erst 1902 errichtet worden. Die Geschichte des Tales Vall de Bóquer geht aber viel weiter zurück. Wie archäologische Funde zeigen, war die Senke schon in der Zeit der Höhlenkultur (2200 - 1400 v. Chr.) besiedelt.


Die Possessió Cases de Bóquer besticht mit ihrer Gartenanlage. Hier fallen ein Prachtexemplar eines Gummibaumes mit einer Höhe von fast zehn Metern und weit verzweigten Ästen, mehrere Westliche Erdbeerbäume und hoch gewachsene Zwergpalmen auf. Ein Blick von der Terrasse des Anwesens zeigt die kontrastreiche Schönheit Mallorcas. Die Bucht von Pollença und die südlich gelegenen Berggipfel ­Cuculla de Fartàritx, Puig Ca de Míner und Puig Tomir wirken wie Gegenpole, die sich in ihrer landschaftlichen Gegensätzlichkeit jedoch auf wundersame Weise ergänzen.


Die Wanderroute führt hinter den Cases de Bóquer nach einem weiteren offenen Eisentor rechts auf einer Asphaltpiste kurz aufwärts, später auf einem ebenen Weg und Pfad zu einem Felsdurchlass. Die bizarr geformten Felsbrocken sind bis zu zehn Meter hoch. Die Bresche zwischen den Felsen wird Portell des Sementer genannt, was übersetzt das Tor der Saat bedeutet.


Das Erosionstal öffnet sich dann nach dem Portell. Es wird zur Linken von der fast 350 Meter hohen Serra del Cavall Bernat und auf der rechten Seite von der Serra d‘Albercutx flankiert, die aus den Gipfeln ­Penyal Roig, Puig d’ Albercutx und El Morral besteht. Vor allem die Serra del Cavall Bernat ist eine beeindruckende Erscheinung. Das Küstengebirge zählt mit seinen geschwungenen Linien, die immer wieder von spitzen Zinnen und wilden Zacken unterbrochen werden, zu den schönsten Gebirgsformationen Mallorcas. Quasi in der Mitte des Gebirgszugs kann man hoch oben den El Forat erkennen. Durch das Loch ist der strahlend blaue Himmel zu sehen. Eine Überquerung der Serra ist eine der spektakulärsten und schwierigsten Wanderungen auf der Insel.


Nach dem Portell wird auf einem breiten Weg zunächst ein Mauerdurchlass passiert. Die Piste führt dann eben oder leicht ansteigend Richtung Meer (Steinmännchen, rote Punkte). Die Vegetation des Tales ist rau und besteht überwiegend aus der Pflanzengemeinschaft der ­Garrigue. Auszumachen sind unter anderen Wolfsmilchgewächse, Meerzwiebeln, Schneidegras, das endemische Balearen-Johanniskraut, Rosmarin und der Balearen-Dorntragant, ein stacheliger Polsterbusch. Vor allem die voluminösen Mastixbüsche und die bis zu drei Meter hohen Palmitos, Zwergpalmen, ziehen die Blicke der Wanderer auf sich.
Nach einem Mauerdurchlass ist rechts die Font des Sementer mit einem Stollen, einer geöffneten Gittertür und einer Tränke zu sehen. Der Namen „Quelle der Saat“ deutet darauf hin, dass die Bóquer-Ebene einst bewirtschaftet und fruchtbar war. Vermutlich haben schon die Römer in ihrer Besatzungszeit, die von 123. v. Chr. bis 465 n. Chr. dauerte, hier Weizen angebaut. So leitet sich denn auch der Name der Halbinsel Formentor, zu der das Vall de Bóquer gehört, von dem lateinischen frumentorum (Getreide) ab.


Schließlich wird rund 30 Minuten nach Tourstart der Coll del Moro erreicht. Da die Bóquer-Ebene ein Vogelschutzgebiet ist, trifft man auch im Sommer hier auf dem Sattel auf birdwatchers. Die vor allem britischen Vogelkundler suchen mit aufwendigem optischen Gerät den Himmel, die Felswände der Serra del Cavall Bernat und der Serra d‘Albercutx, die Sträucher und ­Büsche des Vall de Bóquer nach Vögeln und Nistplätzen ab. Aber auch der unprofessionelle Vogelfreund kann mit bloßem Auge den Eleonoren- ­und Wanderfalken, den Fichtenkreuzschnabel und das Sommer­goldhähnchen erblicken. Nur der Fischadler, der an der Westseite der Serra del Cavall Bernat Nistplätze haben soll, lässt sich so gut wie nie blicken.
Wenige Schritte vor dem Coll del Moro verweist eine Steinpyramide links auf einen Weg. Nach etwa 20 Metern kann man bei einem großen Steinhaufen zwischen zwei Trails wählen, die beide (Steinmännchen und rote Punkte) zur Cala de ­Bóquer, die unten zu sehen ist, führen. Nach rund zehn Minuten ist dann nach einem Geschützbunker aus dem Spanischen Bürgerkrieg der Strand aus groben Kieselsteinen erreicht.


Hier fallen zunächst geradeaus das Eiland Es Colomer und die gewaltigen Steilwände des El Pal auf. Die Hochklippe ist mit 434 Metern die höchste Erhebung auf der Halbinsel Formentor. An den Seiten ist die Cala links von den abstürzenden Felswänden der Punta de sa Salada und rechts von den Steilabbrüchen der Els Cingles flankiert.


Das Wasser der Bucht ist kristallklar und wechselt zwischen hell- und marineblauen Schattierungen. Tausende von glitzernden und funkelnden Pünktchen reflektieren fast bis zum Meeresgrund das Sonnenlicht. Die umliegende Felsküste ist auch ein spannendes Schnorchelrevier. Man sollte aber nicht weiter als 100 Meter hinausschwimmen, da in der Bucht durch oft drehende Winde unberechenbare Strömungsverhältnisse herrschen.

 

Wegstrecke
6 km (hin und zurück)


Nettogehzeit
rund 1,5 Std.


Höhenunterschied
90 m


Schwierigkeitsgrad
**

 

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 nach Alcúdia und dort auf der Ma-2220 Richtung Port de Pollença. Vor Ortseinfahrt weiter auf der Umgehungsstraße Ma-2200 in Richtung Formentor (Beschilderung). Weitere Beschreibung siehe oben.


Tourencharakter: Leichte Wanderung auf breiten Wegen und steinigen Pfaden. Bei dem Abstieg vom Coll del Moro zur Cala de Bóquer sind weder Badelatschen noch Sandalen zu empfehlen. Die teils steilen Pfade sind auf einigen Abschnitten sehr muldig, steinig und mitunter felsig. Rückweg auf der Hinroute.


Ausrüstung: Leichte Wanderschuhe, Wasser, Sonnenschutz und Badesachen.
Einkehr: Lokale in Port de Pollença.

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