Wandern
Lluc: Die Wege der Korsaren und Schmuggler
Inca - Mallorca (deutschsprachig)
Eine Wanderung von Lluc zum „Höhlenhaus“ Es Cosconar und zum Quarter de Carrabiners
Der Start der mittelschweren Wanderung ist vor dem Hauptgebäude des Santuari de Lluc direkt bei der Terrasse der Bar Cafè sa Plaça. Dort beginnt rechts hinter einem offenen Holztor eine schmale Straße, die nach etwa 300 Metern zu einem geöffneten Tor führt. Ein Schild weist mehrsprachig darauf hin, dass der „Zutritt nur am Sonntag erlaubt“ ist. Die Fahrbahn führt dann in Kehren talwärts. Dabei können die langen Geraden der Straße mehrmals auf teils getreppten Pfaden abgekürzt werden.
Rund 20 Minuten nach Tourstart ist dann die Zufahrt zur Possessió Albarca erreicht, die links der Fahrbahn liegt. Bei diesem Landgut fällt ein hoher Wehrturm auf. Dieser wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet, nachdem das Anwesen mehrmals von Piraten überfallen worden war. Die folgenreichste Attacke ereignete sich 1569, als 300 Korsaren an der Cala de sa Calobra landeten und anschließend Albarca überfielen, den Lagerbestand plünderten, wertvolle Möbel und kostbaren Schmuck raubten und 13 Bewohner des Gutshofs verschleppten.
Weiter geht es auf der Asphaltpiste durch das traumhaft schön gelegene Tal Vall d’Albarca. Beeindruckend präsentieren sich die beiden Felsmassive des Puig Roig und des Puig Caragoler de Femenia. Schließlich werden nach einer weiteren Viertelstunde die Anwesen Son Llobera, Ca’n Pontico und Ca’n Pep erreicht.
Hinter dem letzten Gebäude überquert man auf einer Steinbrücke den Torrent de Lluc und biegt dann links ab. Ein breiter, ebener Wirtschaftsweg führt nun in einen Talkessel. Der Wanderer bleibt immer auf der Hauptpiste, ignoriert Abzweige und gelangt in rund einer Viertelstunde zu dem landwirtschaftlichen Schuppen Porxo des Pinar. Blickt man von dieser Stelle nach links oben, ist ein lang gestreckter Bergrücken mit den Tausendern Puig de la Crianza d’ Alt, Puig d’en Galileu und Es Frontó de sa Mola zu sehen.
Weiter geht es dann auf dem Flurweg, der durch Olivenhaine mit teils uralten Ölbäumen verläuft. Auch in der Folge bleibt man immer auf dem Hauptweg. Dem Wanderer bietet sich aus verschiedenen Perspektiven wiederum ein traumhafter Ausblick auf das Massiv des Puig Roig. Die linke Seite des Gebirgsstocks wird von dem knapp 850 Meter hohen Felsgipfel Penya Roja gebildet. Auf der rechten Seite türmen sich kolossale Steilwände auf, deren Gestein von Wind und Regen zerfressen und zernagt ist. Dort, wo die Felswände fast überhängen, zeigen sich eindrucksvolle Erosionsgebilde mit riesigen Tropfsteinhöhlen. Der bis zu 960 Meter hohe Gebirgszug wird Tossa de Na Martina (das Gebiet der Martina) genannt.
Die breite Piste beginnt dann, in langen Serpentinen anzusteigen. Rund 45 Minuten nach dem Porxo des Pinar ist das Eingangstor von Es Cosconar erreicht. Sollte das Tor verschlossen sein, kann man rechts über eine niedrige Mauer steigen. Die Piste führt nun in Kehren weiterhin steil nach oben und nach weiteren 30 Minuten zur Possessió Es Cosconar.
Der Ursprung des „Höhlenhauses“ geht auf die Mauren zurück, die in ihrer Herrschaftszeit auf Mallorca hier schon gesiedelt und Landwirtschaft betrieben haben. Es Cosconar wurde direkt in eine große Naturhöhle gebaut und zählt zu den skurrilsten Bauwerken Mallorcas. Die Possessió ist mit fast 13 Quadratkilometern Fläche das größte Anwesen auf dem Gemeindegebiet Escorcas.
Zwei Sitzbänke vor dem Haupthaus laden zu einer Rast ein. Dabei ist die großartige Panoramasicht auf den Puig Major, die Hochzinne Pa de Figa, auch El Paredón genannt, und das Hochtal Vall de Son Torrella zu genießen. Auch die Tausender Morro d’en Pelut und Puig de ses Vinyes, der Gebirgszug Serra des Teixos und der Puig de Massanella sind von hier besonders schön zu sehen. Beeindruckend auch der Blick auf den engen Eingang der Schlucht Sa Fosca, in deren Nähe die Durchquerung des Canyons Torrent de Pareis beginnt. Mit bloßem Auge sind sogar die Autos zu sehen, die bei dem Nus de sa Corbata, dem Krawattenknoten, auf der Serpentinenstraße zur Cala de sa Calobra hinunterkurven.
Von Es Cosconar verläuft der Fahrweg wieder abwärts. Rechts verweisen Steinmännchen auf einen Trampelpfad, auf dem man bei der klassischen Wanderung „La vuelta al Puig Roig“ zum Pas d’en Sagarra gelangt. Geradeaus führt die heutige Route in einigen Kehren weiter Richtung Meer. In einer Linkskurve befindet sich die Quelle Font des Poll mit einem überdachten aljub (Wasserspeicher). Schließlich wird das Quarter de Carrabiners erreicht. Die Gehzeit von Es Cosconar bis hier hat rund 20 Minuten betragen.
Der erste Posten der Küstenwacht ist schon 1829 an dieser Stelle errichtet worden, um den regen Schmuggel an Mallorcas Nordwestküste zu unterbinden. Die heutige Kaserne wurde dann 1924 mit Geldern des Bankiers Joan March Ordinas erbaut. Dies entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, denn March war jahrzehntelang der größte Schmuggler Spaniens. Er schmuggelte zigtausende Tonnen Tabakwaren am Fiskus vorbei, auch Whiskey, Kaffee, Tee, Zucker, Mehl und Arzneimittel vertrieb er steuerfrei. Im Ersten Weltkrieg verkaufte er an die Kriegsgegner Deutschland und England Schiffsdiesel für U-Boote und andere Kriegsschiffe der Marine. Der Kriegsgewinnler wurde so reich, dass er sich 1919 allein an der Nordwestküste Mallorcas die Landgüter Albarca, Es Cosconar, Mossa und Ternelles kaufen konnte.
Heute steht die aufwendig restaurierte Kaserne unter Denkmalschutz. Von hier hat der Wanderer exzellente Ausblicke auf das Meer, die zerklüftete Steilküste der Marina de Lluc und die imposante Westwand des Puig Roig.
Der Rückweg ist dann zwar lang, aber keinesfalls langweilig. Der Wanderer kann sich nun an einem prächtigen Farbenspektakel erfreuen, da die Sonne in den Nachmittagsstunden jetzt die Steilwände der Tossa de Na Martina und des Puig Tomir, den man dann vor Augen hat, in verschiedene Rottöne taucht.
Wegstrecke
18 km (hin und zurück)
Nettogehzeit
rund 4 Std. 40 Min.
Höhenunterschied
150 m
Schwierigkeitsgrad
***
Anfahrt von Palma:
Af der Ma-1 bis Inca, dort auf der Ma-2130, Ma-10 und Ma-2140 bis zum Kloster Lluc.
Tourencharakter:
Mittelschwere, lange Wanderung, die gute Kondition erfordert. Tour nur sonntags möglich. Rückweg auf der Hinroute.
Ausrüstung:
Leichte Wanderstiefel, Wasser und Proviant.
Einkehr:
Restaurant und Bar Sa Font Coberta direkt am Parkplatz des Klosters Lluc. Öffnungszeiten: 9.00 bis 22.00 Uhr, kein Ruhetag.

