Strände

Cala Mondragó: Echte Helden springen tiefer

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Santanyí - Mallorca

In der Cala Mondragó kann man von über zehn Meter hohen Klippen springen. Wenn man sich denn traut. Ein deutsche Tauchschule bietet den Adrenalin-Kick als Spaßausflug an

VON ANDREAS JOHN

So sieht pure Urlaubsfreude aus: Die Beine zittern leicht, aber merklich. Aus den weit aufgerissenen Augen leuchtet ein Adrenalin triefender Mix aus abgrundtiefer Angst und himmelhoch jauchzender Euphorie. Das hat seinen guten Grund: Das blonde Mädchen und ihr Bruder sind gerade gesprungen. Von einer über zehn Meter hohen Felsklippe an der Cala Barca im Südosten Mallorcas. Drei Sekunden hat es gedauert – eine Ewigkeit. „Im Schwimmbad daheim hätte ich mich das nie getraut“, sagt das Mädchen nach ihrer Rückkehr auf dem Schlauchboot. Stolz spricht aus ihrer Stimme, keine Frage.
    

Rund zwei Stunden zuvor waren die beiden deutschen Teenager in einem Speedboat zusammen mit einer Gruppe britischer und russischer Urlauber von Cala d‘Or zu ihrem großen Abenteuer aufgebrochen. Am Steuer: Holger Meckert, der zusammen mit seiner Frau ­Susanne seit über 23 Jahren die Tauchbasis „La Morena“ am Strand der Cala Gran leitet. Er kam 2004 auf die Idee, Touristen zum Klippenspringen in das nur drei Seemeilen entfernte Naturschutzgebiet der Cala ­Mondragó zu fahren. „Wir hatten damals einen internationalen Wettbewerb sogenannter cliff diver auf Mallorca erlebt. Das gefiel uns so gut, dass wir überlegten, wie wir diesen Spaß auch Urlaubern anbieten können. Das Angebot schlug wie eine Bombe ein“, erzählt Meckert, der in der Hochsaison seither gleich zweimal am Tag zu seiner „Schnorchel & Klippenspringer-Tour“ aufbricht.
    

Die beginnt kurz nach dem Auslaufen aus der Bucht mit dem ersten Stresstest für schwache Nerven. Dank 225 PS starkem Außenborder verwandelt sich das Tauchboot in eine kleine Überwasser-Rakete. Fröhlich laut wird es an Bord vor ­allem dann, wenn Kapitän Meckert das Ruder bei Vollgas auf die Seite reißt, um in halsbrecherischer Schräg­lage über die Wellen zu springen. Ein kreischender Hoch­genuss für die Passagiere, in der Regel gutbürgerliche Kleinfamilien in Badehose und Bikini.
  

Nach zehnminütiger Highspeed-Fahrt drosselt Meckert schließlich den Motor, um nach einem kurzen Vortrag über die 1997 zum Naturschutzpark erklärte Bucht der Cala Mondragó vor Anker zu gehen. Schnorcheln steht auf der Programm. Alle Passagiere werden dafür mit Flossen, Brille und Atemrohr versehen. Zusammen mit einer Mitarbeiterin der Tauchbasis dürfen sie anschließend rund 45 Minuten die Bucht von unten in Augenschein nehmen.
    

Meckert, der zwischendurch noch einmal schnell zurück zur Basis fährt, um eine weitere Gruppe abzuholen, lässt sich nach seiner Rückkehr selbst ins Wasser gleiten. Vom Boot führt er die Gruppe zu einer kleinen, nahe gelegenen Unterwasser-­Höhle, um seinem staunenden Publikum dort ein paar Grundkenntnisse des Tauchens beizubringen.
    

Zurück an Bord des Schlauchbootes geht es schließlich ans Eingemachte. „Wer möchte, kann jetzt seinen Mut unter Beweis stellen“, sagt Meckert und verteilt Neopren-Schuhe, mit der man sich am besten über die schroffen und spitzen Felsen bewegen kann. Die erste Mutprobe besteht aus einem etwa vier Meter hohen Klippen­vorsprung. Ein geradezu idealer Platz für in die Jahre gekommene Familien­väter, um ihren Jüngsten mal zu zeigen, was ein waschechter „Köpper“ ist. Doch der ehemals elegante Kopfsprung vom Fünfmeter-Brett im städtischen Schwimmbad endet in der Cala ­Barca so manches Mal mit einem lauten und schmerzhaften Bauchplatscher.
    

Kapitän Meckert lichtet schließlich den Anker und steuert aus der Bucht hinaus zum krönenden Abschluss des Ausflugs. „Man muss die Küste gut kennen, um zu wissen, wo man am ungefährlichsten springen kann“, sagt er. Bereits ein paar Mal habe er Urlauber, die irgendwo ins Meer gehopst seien, mit Bein- und Armbrüchen aus dem Wasser gefischt. „Man kann sich hier schwer verschätzen“, sagt er, während er das Boot an eine bestimmte Stelle an der Küste manövriert.
    

Beim Anblick der über zehn Meter hohen Klippe wird es ganz leise an Bord. Ein russischer Ehemann, der noch kurz vorher zusammen mit seiner Tochter um die Wette geschwommen ist, bekommt aus unerklärlichen Gründen auf einmal Rückenschmerzen. „Da springt heute keiner mehr runter“, flüstert Meckert uns mit einem süffisanten Lächeln zu.
    

Doch kurz bevor er wieder den Motor starten will, sind die deutschen Kids im Wasser, um sich ein paar Augenblicke später am Felsen hinaufzuziehen. Meckert hatten ihnen zuvor erklärt: „Gerade springen, Beine voll durchstrecken und die Arme anwinkeln.“ Zwei Minuten kämpfen die beiden auf der Klippe mit ihrem inneren Schweine­hund. Dann springen sie. Heldenhaft.

 

Die Schnorchel&Klippenspringer Tour kostet 30 Euro pro Person. Info und Anmeldung in der Tauchbasis La Morena an der Cala Gran in Cala d´Or. Tel.: 656-99 99 99, www.lamorena.de.

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