Strände

Chiringuito: Ein Italiener macht das Gleiche in Grün

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Llucmajor - Mallorca

Chiringuitos gibt es viele auf Mallorca  – Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden dort meist klein geschrieben. Anders in Cala Pi

AITOR VALLESPIR. Der Italiener Diego Chignoli war der Erste auf der Insel, der sich dem Zehn-Punkte-Programm „Chiringuito Responsable“ angeschlossen hat. Das bedeutet so viel wie nachhaltiger Strandkiosk und ist eine Kampagne, die das Umweltministerium diesen Sommer ins Leben gerufen hat. Der Naturliebhaber betreibt eine kleine Bude in Cala Pi, die er selbst aus Holz zusammen­gezimmert hat. 60.000 Besucher kommen pro Jahr an den Strand südlich von Llucmajor, schätzt der 36-Jährige, der sich zusammen mit seiner Lebensgefährtin Alice ­Zanchetta darum kümmert, dass die Spuren, die die Menschen dort hinterlassen, das kleine Paradies nicht zerstören.

Herr Chignoli, warum machen Sie bei der Kampagne mit?
Als ich die Grundsätze gelesen habe, wurde mir schnell bewusst, dass ich seit Jahren genau so arbeite: Ich versuche, so wenig Dreck wie möglich zu machen, recycle so viel wie möglich, bitte die Leute, dass sie ihre Zigarettenkippen nicht in den Sand werfen, keine Glasflaschen mitbringen und die Schildkröten in Ruhe lassen …

Sie sind also nicht nur ein ­Kioskverkäufer, sondern gleichzeitig der Strandwächter?
Ja, in den sieben Jahren, die ich nun hier bin, musste ich bestimmt
50 Mal die Polizei rufen, weil Leute am Strand Feuer gemacht oder gegrillt haben. Wir wohnen gleich oberhalb vom Strand, damit wir auch nachts ein Auge drauf haben können.

Machen Sie hier auch sauber?
Wir gehen den Strand jeden Tag mit einer Spezialzange ab, um Zigaretten­stummel und Flaschen­deckel einzusammeln, ohne Sand mit zu entfernen. Man könnte mal eine Studie darüber machen, wie viele Kippen am Strand weggeworfen werden.

Gab es hier, vor Ihnen, keinen ­Chiringuito?
Es gab nichts. Nicht mal Abfall­eimer. So ein Strandkiosk war immer mein Lebenstraum. Ich habe 22 Jahre in Bars und Kneipen gearbeitet, aber immer nur in der Stadt. Ich wusste also nicht, was mich erwarten würde. Dann fand ich zum Glück einen Strand, der noch nicht zugebaut, sondern naturbelassen war, kratzte all meine Ersparnisse zusammen und steckte meine ganze Energie hier hinein.


Und jetzt haben Sie quasi einen „grünen“ Strandkiosk?
Nur aus Holz und anderen wiederverwertbaren Materialien. Und ohne Strom und fließend Wasser. Wir haben auch keine Fritteuse, und es stinkt nicht nach Rauch oder Qualm. Ich habe nur einen kleinen Benzingenerator, um die Toilette auszupumpen, wenn sie voll ist. Der läuft dann vier Minuten. Der Kühlschrank wird mit Gas betrieben, das Radio mit wiederaufladbaren Batterien. Aber kein lautes Gedröhne. Bei uns ist die Musik so leise, dass man sie drei Meter weiter schon nicht mehr hört. Eine fette Anlage und Partys würden nicht zu diesem Strand passen. Und wenn die Leute sich nicht wohlfühlen, kommen sie nicht wieder. Als wir hier angefangen haben, kamen 50 oder 60 Leute am Tag. Heuer waren es manchmal mehr als 1.000. Inzwischen wird der Strand in vielen Reiseführern erwähnt und von den Hotels empfohlen.
 
Was hat sich in der Cala Pi in den vergangenen sieben Jahren verändert?
Früher haben die Leute ihr Geschäft am Ende der Bucht verrichtet. Irgendwann hat mich das so auf die Palme gebracht, dass ich die Hinterlassenschaften fotografiert und dem Bürgermeister gezeigt habe. Es hat dann einige Jahre gedauert, aber mittlerweile habe ich die Genehmigung für eine chemische Toilette. Jetzt ist alles besser, und es stinkt nicht mehr so.

Was könnte man in der Cala Pi sonst noch verbessern?
Hier gibt es sehr schöne Natur, aber die Wege sind oft unterbrochen und in schlechtem Zustand. Um den Öko-Tourismus voranzutreiben, könnte man mal das ganze Unkraut entfernen, das in den vergangenen 30 Jahren alles zugewuchert hat. Am Wegesrand könnte man außerdem ein paar Fitnessgeräte aufstellen, aber aus Holz und in die Natur integriert. Eine Art Trimm-Dich-Pfad.

Und wie verschlägt es einen als Italiener nach Cala Pi?
Das war die Magie dieser Insel. Spanien ist ungezwungener als Italien, die Leute sind offener. Deshalb war  mir schnell klar, dass ich meinen Chiringuito hier aufmachen will.

Haben Sie Mallorca zunächst als Tourist kennengelernt?
Vor über zehn Jahren. Die Küste hat mich begeistert. Und ich dachte mir, wenn das die Mittelmeerinsel mit den meisten Touristen ist, dann kann man auch von einem noch so kleinen Kiosk leben. Ich hätte mir auch vorstellen können, in die Karibik zu gehen. Ich war in Kuba, Jamaika, Mexiko und Brasilien, um mir das anzuschauen. Aber irgendwas hat immer nicht gepasst. Es hat mich nicht gereizt, dort zu leben. Mallorca hingegen hat alles: wunderbares Meer, die vielfältige Natur, Tiere …

Wann haben Sie sich letztlich für die Cala Pi entschieden?
Das hat ein bisschen gedauert. Ich war ein Jahr in Barcelona und hab die spanischen Gesetze gewälzt, um herauszufinden, wie man ein Geschäft eröffnet. Dann kam ich für sechs Monate nach Mallorca. Nach drei Wochen habe ich diesen komplett verwaisten Strand entdeckt, es gab nicht mal einen Sonnenschirm. Und da dachte ich: das könnte der richtige Ort sein. Ich ging also zur Küstenbehörde – und erfuhr, dass hier zufälligerweise ein Chiringuito vorgesehen war. Da habe ich keine fünf Sekunden gezögert.

 

Infos

 

Den Strand von Cala Pi erreicht man von Palma aus über die Ma-19 Richtung Llucmajor, von dort weiter auf der Ma-6014 Richtung Süden nach Cala Pi. Der Chiringuito von Diego Chignoli hat vom 1. April bis Mitte Oktober montags bis sonntags geöffnet – außer wenn es richtig regnet. Der Auf- und Abbau am Saisonbeginn und -ende dauert zwei Wochen.

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