Strände

Can Pere Antoni: Stadtstrand im Wandel

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Palma de Mallorca - Mallorca

In die Zange genommen: Diese Playa der kleinen Leute in Palma wird immer schicker

Von Andreas John

Auf dem Meer zieht gerade eine ­millionenteure Yacht vorbei, von links schwirren Chillout-Beats aus dem mondänen „Nassau Beach Club“ heran, aus den Lokalen der Ufer­promenade weht der Duft frisch gebratener ­Riesengarnelen und rechts in der Ferne flimmern die nagelneuen weißen Liegen des gerade erst eröffneten „Anima Beach“ in der Sonne.

 

Der doch eigentlich unpräten­tiöseste Strand der gesamten Bucht von Palma wird zunehmend in die Zange genommen vom gehobenen Freizeitvergnügen. Hier ist an einem Strand zu beobachten, was sonst eher in Stadtvierteln vonstatten geht: die Verdrängung ärmerer Bevölkerungsgruppen durch einkommensstärkere Schichten, neudeutsch Gentrifizierung genannt.

 

Can Pere Antoni – das war und ist teilweise auch noch die Playa der kleinen Leute aus der Altstadt und dem ärmeren Osten Palmas. Noch heute zieht es hier vor allem Menschen hin, die kein Auto haben (und sich daher auch nicht über die wenigen Parkplätze ärgern können). Unter denjenigen, die hier einen unkomplizierten Strandtag verbringen, sind überdurchschnittlich viele Einwanderer aus Lateinamerika, Asien oder Afrika, aber auch Urlauber, die in den Hotels der Altstadt untergebracht sind. Dank verbesserter Wasserqualität und vergrößertem Serviceangebot weht an dem bis zu 25 Meter breiten Strand zwar seit 2009 das Gütesiegel der Blauen Flagge, ein wenig schmuddelig aber ist es hier weiterhin.

 

Doch das könnte sich noch ändern. Zumindest der östliche Strandabschnitt ab dem „Nassau Beach Club“ ist schon jetzt mächtig aufgewertet worden. Hier laufen, rollen und flanieren insbesondere zum Sonnenuntergang die hippen Promenaden-­Junkies von einem Ende zum anderen, hier lässt man es sich in gehobeneren Restaurants, Bars und Lounges gutgehen. Die achtstöckige Luxusapartment-Anlage, die derlei Infrastruktur beherbergt, ist von fragwürdiger Ästhetik, hat aber den unschätzbaren Vorteil, dass sie die Sicht auf zwei weitere architektonische ­Problemfälle verdeckt. So bleibt das denkmalgeschützte, aber verlassene ehemalige Bürohaus von Mallorcas Stromversorger Gesa-Endesa – eine Art mallorquinischer Palast der Republik – ebenso verdeckt wie das Stahl- und Beton­gerippe des womöglich für immer unvollendeten Kongresspalastes.

 

Weiter in Richtung Innenstadt ist der Blick auf die Beton-­Ungeheuer frei. Der Strand liegt zwar etwas unterhalb, aber unmittelbar an dem hier sechsspurigen und autobahnähnlichen Paseo Maritimo. Das klingt grauenhaft, ist es aber nicht – man schaut schließlich aufs Meer oder beobachtet die anderen Strandbesucher. Can Pere Antoni ist einer dieser Orte, an dem man eine Ahnung von der gesamten Bandbreite des menschlichen Daseins bekommen kann.

 

Am Rande der Apartment-Anlage, dort wo die Gentrifizierungs-Front derzeit verläuft, haben zwei jener alten mallorquinischen Getreidemühlen den Lauf der Zeit überlebt, die früher zu Dutzenden die Stadtmauer und den Küstenstreifen säumten. Auch sie sind bereits zu Chillout-Bars zweckentfremdet.

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