Sightseeing

Plaza-Check Sóller: Wo die Tram mitten durch die Bar fährt

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Sóller - Mallorca

Die Plaza de la Constitución in Sóller ist fest in Touristen-Hand – die Preise sind dementsprechend. Trotzdem ist sie berauschend

ALEXANDRA WILMS

Mit der Kamera ist man auf der Plaza de la Constitución in Sóller nicht allein: Das Bergstädtchen ist ein festes Ausflugsziel unzähliger Urlauber. Die kommen mit dem Auto, mit dem Zug oder – selbst bei der drückenden Hitze Anfang September – mit dem Fahrrad. Und knipsen, was das Zeug hält: Gebäude, Bäume, sich selbst …


Die Bankbekanntschaft
Statt auf einer der Bänke sitzen King Lung Gong und seine Freunde auf den Stufen der Kirche San Bartolomé, die mit ihrem ganz eigenen Mix verschiedener Architekturstile (Barock, Neogotik, Modernismo) schon einen eigenen Besuch wert ist. Also, für ältere Semester. Die fünf Freunde um die 20 hingegen – sie haben malaysische Wurzeln und kommen aus Manchester – verbringen ihre Ferien eigentlich in Magaluf. Sóller finden sie „landschaftlich echt hübsch“, ein Freund hatte den Besuch des Ortes empfohlen. Wäre das was für sie, ein Urlaub in Sóller? „Magaluf gefällt uns viel besser, wir sind schließlich junge Leute“, bescheidet King fast schon empört – und fragt dann, was denn die Journalistin so als Touristentipps empfehlen würde. Der fällt nichts besseres ein als die Straßenbahnfahrt ins benachbarte Hafenörtchen. Die orangerote Bahn kündigt ihr Kommen jede halbe Stunde mit hektischem Gebimmel an – meist, weil gerade irgendwelche fotografierenden Touristen wie King auf den Schienen stehen. Auf ihrem Weg quer über den Platz fährt das Bähnchen so nah durch die Cafés und Bars, dass man es dort sitzend fast berühren kann.    


Der Barbesuch
Sóller ist auf Heerscharen von Besuchern eingestellt, die Zahl der Terrassen mit Tischen und Stühlen schier unüberschaubar. Ein Auswahlkriterium muss her: Wir wählen die Bar, die sich nach Sóllers großem Volksfest, dem Piratenspektakel „Es Firó“, genannt hat. Ein Bier und ein Tellerchen sauer eingelegte Fische schlagen mit
7,50 Euro zu Buche. Nicht eben günstig, dafür aber lecker. Am Nebentisch
sitzen Daniela und Simon aus London. Die Schweizerin und der Brite berichten begeistert von ihrem heutigen Fußmarsch in die Berge oberhalb des Ortes – und ihrer Bekanntschaft mit zwei älteren Herren. „Die beiden haben uns auf dem Weg nach oben angesprochen und wollten uns die Aussicht von ihrem Häuschen präsentieren.“ Doch nicht nur das: Neben Mandel-, Oliven- und Feigenbäumen führte einer der beiden Gastgeber, eigenen Angaben zufolge Hafen­polizist in Port de Sóller, auch stolz einige mannshohe Marihuana-Pflanzen vor. Und lud natürlich gleich zum gemeinsamen Jointchen. Das Pärchen Mitte vierzig ist von der Gastfreundschaft der Einheimischen immer noch wortwörtlich berauscht.


Der Laden   
Wir hätten gerne noch ein wenig mit den beiden gekichert, doch wir müssen weiter, schließlich gilt es noch einen Laden zu entdecken. Den finden wir nicht direkt auf dem Platz, sondern einige Meter weiter in der mit „Centro Comercial“ überschriebenen Einkaufsstraße. Vor den übervollen Schaufenstern des Colmado de La Luna stehen – man ahnt es schon – mal wieder fotografierende Urlauber. Drinnen bedient Javier gerade eine Gruppe französischer Touristen, und zwar in deren Landessprache. Es folgen zwei Einheimische, die Aufschnitt, Wein und italienische Nudeln bestellen, dann kommt ein deutsches Paar und lässt sich ausführlich zum Thema Schinken beraten.

In weiter Vergangenheit, erklärt Javier nebenher, gehörte der Delikatessen-Laden mal zur in Sóller ansässigen Wurst- und Konservenfabrik gleichen Namens, aber dann hätten sich zwei Brüder zerstritten, seitdem habe man nichts mehr mit einander zu tun. Auf die Frage, was zuerst da war – der Colmado La Luna oder die Calle Luna, in der er liegt –, grinst er verschmitzt: „Das ist wie mit der Henne und dem Ei…“. Fügt aber noch messer­wetzend hinzu, dass das Sträßchen tatsächlich in Richtung des aufgehenden Mondes zeigt.


Der Tipp
Bäume anschauen und schmunzeln: Während eine der Platanen von der örtlichen Strickguerilla mit einem bunten Leibchen versehen wurde, sind andere irgendwie zu kurz geraten: Eine zu eng angebrachte Weihnachtsbeleuchtung schnürte deren Rinde vor Jahren so ein, dass sie auf halber Höhe gekappt werden mussten …

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