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Plaza-Check Porreres: Ein Dorf zum Kuscheln

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Porreres - Mallorca

Porreres blickt mit seinen Aprikosen auf eine lange Tradition. Doch die Bewohner wissen auch mit Karaoke umzugehen

JUTTA CHRISTOPH

In Porreres kreuzen sich viele Wege, sie führen zum Beispiel von Llucmajor nach Manacor oder von Montuïri nach Campos. In dem Dorf, das hauptsächlich für seine Aprikosen bekannt ist, treffen sich auch zahlreiche Lebenswege, wie sich bei einem Plaza-Rundgang herausstellt.


Die Ruhe nach dem Fest
Zum Ende der großen Ferien stellt es sich zunächst als schwierig heraus, überhaupt einem Menschen zu begegnen. Um halb sieben befindet sich das Dorfzentrum noch im Tiefschlaf, nur ein mintgrüner Girlandenhimmel bringt neben den vielen Bäumen etwas Farbe ins Bild – ein letztes Überbleibsel der Sommer-Fiesta. Die einzige Palme am Platz umgibt eine kunstvolle Einfassung aus rostigem Eisen, darauf steht „ni se vincla, ni se trenca, ni se romp, ni se rompra“. „Er beugt sich nicht, noch gibt er nach, geht nicht kaputt und wird auch nicht kaputt gehen“. Was soll das bedeuten? Wir werden es herausfinden.


Der Tresen-Talk
Das Café-Restaurant Sa Plaça ist namentlich schon mal eine gute Anlaufstelle für unseren Checker-Auftrag. Hier kreuzen sich die Wege von gleich vier Nationalitäten. Manolo aus Granada und Jose aus Madrid eröffneten das Lokal vor fünf Jahren, renovierten die ehemalige Pizzeria und setzten das prunkvolle Gebäude mit seinen offenen Sandsteinwänden und Säulen dank einer minimalistischen Ausstattung wieder in Szene. Am Herd steht neben Jose ein Inder, den Service teilen sich eine Argentinierin und eine Rumänin. Die Karte ist ebenfalls abwechslungsreich, am Wochenende gibt’s verschiedene kulinarische Mottos wie Barbecue, Weinverkostung und Ende September wieder das Oktoberfest. Samstags wird manchmal von Mitternacht bis drei Uhr in der Früh Karaoke gesungen. „Gegenüber Neuem sind wir aufgeschlossen“, sagt Tomeu, der am Tresen steht und einen Cognac trinkt. Der 82-Jährige wurde in diesem Haus geboren. Ein Jahr zuvor, 1931, eröffnete sein Großvater hier eine Bar, sie blieb 50 Jahre bestehen.


Die Bank-Bekanntschaft
Wir hätten gerne noch weitergeschwatzt mit dem höflichen Tomeu, der früher mit seinem Dreirad durch das heutige Sa Plaça fuhr – doch auf dem Platz unter den Bäumen tut sich was. Drei junge Einheimische haben auf einer der Bänke Platz genommen und werden sofort ins Kreuzverhör genommen. Rosa, Angela und Rosa sind zwölf Jahre alt und treffen sich fast jeden Nachmittag zum Spielen auf der Plaça. Sie wohnen gleich um die Ecke, um 20 Uhr müssen sie zum Essen wieder zu Hause sein. Urlaub hat keine von ihnen gemacht in diesem Jahr, auf das neue Schuljahr und etwas Abwechslung freuen sie sich daher. Letzte Frage: Wisst ihr, was der Spruch um die Palme heißt? „Na klar! Damit sind die unbeugsamen Bewohner von Porreres gemeint.“ Noch ein Foto und die kichernden Mädchen sind entlassen.


Die Sehenswürdigkeit
Im S‘Escrivania stoßen wir auf Gabriel Mora und mehrere Jahrhunderte Dorf-Geschichte. In seinem Restaurant am oberen Eck des Platzes war rund 400 Jahre das Rathaus untergebracht. Vorher diente das schmuckvolle Gebäude aus dem 14. Jahrhundert als königliche Schreibstube, Metzgerei, Hostal. Nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs wurde unter den hohen Deckengewölben Markt gehalten, später eröffnete die Bar C‘an Toni. Als Gabriel vor vier Jahren aus dem Ausland zurückkam – er sammelte Berufserfahrung in den USA und Heidelberg – eröffnete der Koch das neue Lokal unter altem Namen: Notariat. Die antiken Möbel erzählen Geschichten von früher, in dem modernen Menü spielen Aprikosen die Hauptrolle. „Schon mein Großvater hatte mit Aprikosen zu tun“, sagt Gabriel und zeigt auf eine Fototapete an der Wand, die ihn als Kind zusammen mit seinem Großvater bei der Ernte der Früchte zeigt. Der Familienspross übernahm die Firma vor zehn Jahren und vertreibt seitdem unter dem Namen „Can Parrí“ getrocknete Aprikosen, auch veredelt mit Schokolade. Wir dürfen probieren – lecker!


Kein Klatsch weit und breit
Wenn man den 36-Jährigen nach dem neuesten Dorf-Gerede fragt, bekommt man Antworten wie „wir respektieren uns gegenseitig“, „wir kommentieren Dinge, aber nie destruktiv“, „die Leute sprechen höchstens über die Toten“ – Porreres scheint die Kultur des Miteinanders wirklich zu leben. Um uns zu überzeugen, besuchen wir die Bar Ca‘n Guillem am unteren Ende des Platzes, auf der Terrasse sitzen hauptsächlich Marokkaner. Ins Gespräch kommt man hier nicht so schnell, und auch der Mann hinterm Tresen möchte sich nicht unterhalten, er sagt nur, der Chef sei nicht da.
Wir machen einen Versuch in der Bar gegenüber. Das Ca‘n Botera übernahm Gabriel vor eineinhalb Jahren, nachdem er wegen Rückenbeschwerden nicht mehr auf dem Bau arbeiten konnte. „In Porreres besteht ein guter Zusammenhalt“, sagt der Mallorquiner auf die Frage, mit welchen Problemen die Dorfbewohner zu kämpfen haben. „Und wenn‘s drauf ankommt, packen wir alle gemeinsam an.“ In nur einem Tag sei so die Straße vom Dorf zum Kloster Montesión außerhalb des Dorfes entstanden.
Na gut, wir geben uns geschlagen. Porreres ist ein Dorf zum Liebhaben und investigativer Journalismus nutzlos.

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