Sightseeing

Der Ort mit den zwei Plätzen

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Esporles - Mallorca

In Esporles trifft man auf Erwachsene und Kinder – je nachdem, auf welche Seite der Straße man sich begibt

Die Frage, wo sich in Esporles genau der Dorfplatz befindet, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Genau genommen besteht die Plaça del Jardinet aus zwei Plätzen. Am lang gezogenen Passeig del Rei finden sich drei Bars, eine Bank­filiale, und eine Pizzeria. Der Platz gegenüber der Hauptstraße, der bis 2012 noch Plaça de la Constitució hieß, mit den vier Palmen und dem Kinder­spielplatz scheint eher den Kleinen vorbehalten. Die Bars laden mit ordentlich gedeckten Tischen zum Verweilen ein, doch Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Deshalb geht es zunächst in das mit Sicherheit kurioseste Geschäft des Ortes an der Hauptstraße.

Das Geschäft
Francisca Font Comas steht nicht in ihrem Laden, sondern spurtet von der Plaça heran, als sie den Reporter erblickt. Der Gemischtwarenladen heißt Ca‘n Marcos und ist nach ihrem Vater benannt. Der gründete in dem Haus der Familie eine Schreinerei, doch als er in Rente ging, fand sich in der Familie
niemand, der den Betrieb übernehmen konnte. „Aber weil wir ohnehin noch so viele Möbel herumstehen hatten und auch ein paar Haushaltsgeräte, habe ich den Laden aufgemacht“, sagt Font. Inzwischen ist Ca‘n Marcos zu einer Wundertüte geworden. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Das Angebot reicht von Spielzeugdinosauriern und Zahnseide über Lampenschirme in allen Variationen bis hin zu antiquiert aussehenden Toastern, Vasen und ganzen Klimaanlagen. „Oft kommen die Leute mit einem ziemlich absurden Wunsch zu mir und wetten mit mir, dass ich das Produkt garantiert nicht habe. Aber fast immer finde ich es doch irgendwo.“ Trotzdem: Sehr viel Kundschaft komme nicht vorbei – die großen Gewerbegebiete in Palma ließen solch kleinen Läden keine Luft mehr zum Atmen. Und die Menschen, die in Esporles lebten, arbeiteten fast alle in Palma. „Esporles ist nur noch ein Schlafdorf“, sagt Font. Nur zum Markt am Samstagvormittag sei mehr los.

Der Dorfklatsch
Trotzdem kennt natürlich jeder jeden – und so wird dann auch mal getratscht. Vor allem rede man jetzt im Sommer über die Hitze, sagt die Ladeneigentümerin. Die meisten Menschen aus Esporles suchen Erfrischung am Strand von Port des Canonge. Und weil Mallorcas Regionalsender IB3 im Sommer die playas der Insel abklappert und die Strandgänger interviewt, findet sich auch so mancher Bürger aus Esporles im Fernsehen wieder. „Dann wird ausführlich im Dorf kommentiert, wer da im Fernsehen war.“ Ansonsten fiebert ganz Esporles schon auf das traditionelle Paella-Essen im September an der ermita über dem Dorf hin. Da ist dann der ganze Ort auf den Beinen.

Der Barbesuch
Gegen 18.45 Uhr kann man das von der Plaça noch nicht behaupten. Nur ein paar Touristen und ältere Männer sitzen in den Bars am Platz. Schatten gibt es an diesem bewölkten Tag überall, aber die hohen Bäume halten auch an heißen Sommertagen die Sonnenstrahlen gut ab. Francisca Font Comas hat die Bar „Es Brollador“ direkt gegenüber ihres Ladens empfohlen. „Dort servieren sie die besten llonguets mit ­sobrassada, alles selbstgemacht.“ Neben dem typisch mallorquinischen Brötchen mit der Paprika-Streichwurst (4,50 Euro) lockt auch die Tapa mit Zunge, Zwiebeln und Kapern für vier Euro. Das llonguet kommt warm an, und die Zunge schmeckt deutlich leckerer, als sie auf den ersten Blick aussieht. Dazu die kühle caña (1,60 Euro) – so lässt es sich aushalten und die Menschen auf dem Platz beobachten, der sich gegen 19 Uhr langsam mit Leben füllt. So röhren etwa vier Mitglieder der örtlichen Motorrad-Gang an und treffen auf zwei bereits wartende Kumpels.

Die Bar-Bekanntschaft
Und wie es eben manchmal so geht, lässt sich ein gelegentliches Aufschnappen von Wortfetzen von den Nachbartischen nicht vermeiden. Dort bestellt eine freundliche Stimme auf Spanisch Wein und Bier und richtet sich auf Deutsch an seine Begleitung. Die Stimmen gehören Nicole Stasch und Dominic Oberheuser aus der Nähe von Köln. Die 30-jährige zahnmedizinische Assistentin und der 28-jährige Angestellte in einem Hotel haben sich in
Esporles eine Ferienwohnung gemietet. „Ich habe keine Lust, im Urlaub auch noch in ein Hotel zu gehen. Vor allem, weil ich weiß, wie hier manchmal die Hygiene gehandhabt wird“, erklärt Oberheuser, der in Spanien bereits im Hotelgewerbe gearbeitet hat. Die beiden haben sich für ihren zweiten Mallorca-Urlaub zwölf Tage Zeit genommen. „Wir wissen schon, dass das mehr als das Doppelte eines Ballermann-Touristen ist, aber wir wollen uns ja wirklich erholen und nicht Party machen“, sagt Stasch.

Der Spielplatz
Für die Party wären sie in Esporles auch wirklich falsch. Dafür fegen ab etwa 19.30 Uhr jede Menge Kinder über die Plaza. In kleinen Grüppchen stehen oder sitzen sie zusammen, plaudern und kommen sich dabei schon ein wenig erwachsen vor. Die kleineren Kinder bevölkern mit ihren Eltern den Spielplatz am Ende des Platzes mit den drei Rutschen und der Schaukel oder rennen um die Palmen herum um die Wette. Die Eltern tratschen währenddessen – vermutlich über die leckere Paella im September.

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