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Plaza-Check Montuïri: Ein Ort für Stressgeplagte

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Montuïri - Mallorca

Beschaulich statt quirlig: Der Platz von Montuïri ist so meditativ wie die Werke des berühmten Komponisten des Ortes

FRANK FELDMEIER

Der Dorfplatz von Montuïri ist strenggenommen eine Ausbeulung der Hauptstraße – zwischen Rathaus und Pfarrkirche verbreitetert sich die Carrer Major zur Plaça Major. Außerhalb der Kirchgangzeiten, der montäglichen Markt­zeiten und dem morgendlichen Amtsverkehr im Rathaus ist der Platz ein idealer Ort für Ruhesuchende: Nur ein paar Rentner und Jugendliche verlieren sich am frühen Abend auf der Plaça Major, wenn der mächtige Kirchenbau Schatten spendet.


Der Bar-Besuch
Die Auswahl des Lokals fällt leicht. Es gibt nur zwei Bars, eine ist zu. Das Ca‘n Xorri punktet vor allem mit seiner Terrasse und dem dortigen Ausblick – allerdings nicht auf den Platz, sondern auf die gegenüberliegende Seite, wo sich vom erhöht liegenden Montuïri aus ein weiter Blick über die Ebene bietet, die von der Manacor-Schnellstraße durchschnitten wird. Ein deutsches Paar steht am Geländer und zählt die Klimaanlagen an den Häusern, zwei junge Frauen stellen die Deutsch- und Englisch-Kenntnisse von Kellner Paco auf die Probe. Das pa amb oli mit Thunfisch und geschnittener statt geriebener Tomate ist groß und kostet 7 Euro.


Die Bank-Bekanntschaft
Früher habe es sieben oder acht Bars am Platz gegeben, erzählt Miquel Horrach, der auf einem Steinbänkchen gegenüber der Kirche sitzt und Noten studiert – gleich beginnt die wöchentliche Chorprobe. Montuïri sei inzwischen ein Schlafdorf, alle ziehe es nach Palma, erzählt Horrach. Bis vor Kurzem lebte er auch dort, zog aber dann die Ruhe von Montuïri der Unruhe im Problemviertel Son Gotleu vor. Stress hatte er genug in seinem Leben, als Sicherheitstechniker im Tower von Palmas Flughafen – jetzt, im Ruhestand, weiß er die Beschaulichkeit von Montuïri zu schätzen, und wartet geduldig, bis die anderen Sänger des Chors Mont-lliri eintreffen.

Die Sehenswürdigkeit
Zum Repertoire gehören auch Stücke von Antoni Martorell i Miralles, einem der bekanntesten Komponisten der Insel. Dem 2009 verstorbenen Franziskaner, der vorwiegend geistliche Musik schrieb und viele Jahre in Rom unter anderem für den Vatikan arbeitete, ist ein Denkmal in einer Ecke des Platzes gewidmet. Er ist Ehrenbürger von Montuïri. Der zu Stein erstarrte Stolz der Gemeinde blickt direkt auf das Rathaus und die dort gehissten Fahnen, auf die Bühne und die Leuchtketten, die bereits für das Patronatsfest am 15. August vorbereitet wurden.


Das Geschäft
Wenn die Dorf­fiesta ansteht, kommen sie doch alle von nah und fern, erzählt Catalina Sansó. Sie betreibt einen Mode­laden unweit des Platzes, der zwar keine Schaufenster hat, dafür aber bis oben hin vollgestopft ist mit Kleidung und Accessoires. Die Mallorquinerin hält die Stellung, auch wenn die Einkünfte gerade noch reichten, die ­Rechnungen zu bezahlen, wie sie meint. Zum Glück verirre sich ab und zu eine Urlauberin in ihr Geschäft. Sie gäben mehr Geld aus als die Einheimischen, die oft nur eine Änderung wünschten. Ins Schwärmen kommt sie bei der Erinnerung an eine Schweizerin, die jedes Jahr hereinschaute.

 
Der Dorfklatsch

Einen Teil der Schuld, dass immer weniger im Ortskern los sei, gibt Sansó der Verkehrspolitik: Mit der Verbannung der Autos von der Hauptstraße seien auch viele Kunden ausgeblieben. Erst jetzt, da der verantwortliche Bürgermeister von damals selbst in der Straße wohne, seien die Pylone wieder abgebaut worden, und es fährt wieder ab und zu ein Auto vorbei. Seither sei es aber kaum besser geworden. Zwar gibt es einen Parkplatz etwas unterhalb der Plaza – doch der sehr steile Anstieg ist gerade für ältere Menschen eine Herausforderung. 


Der Tipp
Genutzt wird der Parkplatz eher von Urlaubern, die sich in den Gassen von Montuïri verlieren, etwa nach einem Besuch von Son Fornés. An dem Talayot-Museum starten auch geführte Touren (www.sonfornes.mallorca.museum). Wer schon mal auf der Plaza ist, hat es nicht mehr weit bis zur einzigen restaurierten Windmühle des Orts, die weithin sichtbar ist. Die Hauptstraße über die Plaza führt direkt zu ihr.

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