Sightseeing

Plaza-Ckeck Llucmajor: Im Schatten der alten „Karefal“

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Llucmajor - Mallorca

In Llucmajor erwarten den Dorfplatz-Besucher ein geschwätziger Friseur, gute Lokale, andere Besucher – und bald auch eine Fiesta

ANDREAS JOHN

Llucmajor, im Südosten Mallorcas, galt trotz seiner strategisch günstigen Lage – 10 Minuten zum Airport, 15 Minuten zur Playa Es Trenc – für Urlauber und Durchreisende in der Vergangenheit in der Regel als uncharmantes und unattraktives Dorf. Der Bau einer Fußgängerzone sowie die Umgestaltung der zentralen Plaça Espanya vor ein paar Jahren haben dem Ort jedoch wieder neues Leben eingehaucht.


Der Bar-Besuch
Die Auswahl an Cafés und Lokalen an der Plaza ist beträchtlich, das gastronomische Angebot vielfältig. Wir entscheiden uns für den Newcomer: das erst vor ein paar Monaten eröffnete Restaurant Bella Italia von Antonio und Giovanni Abbruzzese. Auf der Karte stehen neben diversen Pizzen aus dem Steinofen und hausgemachter Pasta auch ein Vorspeisen­teller (9,90 Euro) mit Spezialitäten wie Mozarella, Parmaschinken oder Vitello tonnato. Zusammen mit Pizzabrot, Oliven, aioli und einem Glas kühlen Weißwein ein echter Hochgenuss. Buonissimo!


Das Geschäft
Ein paar Meter von den Tischen und Stühlen des Italieners entfernt sitzt Salvador Martí vor seinem kleinen Friseursalon und wartet auf Kunden. Seit mehr als 40 Jahren schneidet der Mallorquiner in der urigen peluquería die Haare und Bärte seiner mittlerweile längst zu Freunden avancierten Stammkunden. Für zehn Euro darf man bei ihm auf einem der drei antiken Drehstühle Platz nehmen – und sich beim Klappern der Schere den neuesten Klatsch und Tratsch anhören.


Der Dorfklatsch
Auf der Plaza wird insbesondere an den drei Wochenmarkttagen (mittwochs, freitags und sonntags) über das Leben im Dorf hergezogen. Dank zahlreicher Korruptionsskandale stand in den vergangenen Jahren meist das Rathaus im Zentrum der Gespräche. Derzeit allerdings wird hinter vorgehaltener Hand über die Prügelei zwischen zwei Dorfpolizisten gelästert, die sich auf einer offiziellen Patrouillen­fahrt durchs Dorf vor ein paar Tagen in die Haare gerieten. Ein Nasenbruch, zwei blutige Dienstuniformen sowie eine Krankschreibung waren die Folge. Auf der Plaza kann man darüber nur mit dem Kopf schütteln. Peinlich, peinlich!


Die Sehenswürdigkeit
Noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts stand das Dorf-­Orchester bei Feierlichkeiten auf einer kleinen Bühne im Zentrum der Plaza. Doch irgendwann hielt die sogenannte „Karefal“, unter der sich so manches Paar beim Tanzen gern mal näher kam, dem Gewicht nicht mehr stand – und wurde abgebaut. Seit vergangenem Jahr ziert die neu restaurierte Konzertbühne jeden Sommer das Zentrum der Plaza.


Die Bank-Bekanntschaft
Eigentlich gehört Juan Mellado eher auf den Rasen als auf eine Steinbank. Der 59-jährige Golflehrer, der einst als Caddy für den legendären spanischen Profi „Seve“ Ballesteros über die Fairways zog, lebt seit ein paar Monaten im Dorf und genießt hier vor allem „die Ruhe und das Fehlen jeglicher Hektik“.


Das Publikum
Im Hochsommer gehört der Platz vor allem den vielen Ausländern, die aus den nahe gelegenen Luxushotels (Hilton, Iberostar Son Antem, Son Julià) mal einen Abstecher ins ursprüngliche Mallorca wagen oder aber selbst auf einer der vielen Fincas außerhalb des Dorfes wohnen. Die meisten davon sind Deutsche, gefolgt von Briten, Franzosen und Skandinaviern.


Die Einheimischen ziehen sich im Juli und August meist in ihre Sommerresidenzen in Arenal, S‘Estanyol und Sa Rápita zurück. Viele Geschäfte im Ort haben daher während dieser Zeit am Nachmittag geschlossen.


Der Tipp
Richtig rund geht‘s auf der Plaza demnächst beim Fest zu Ehren der Dorfheiligen Santa Candida vom 4. bis 10. August.

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