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Plaza-Check Felanitx: Wenn Inmaculada sprechen könnte

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Felanitx - Mallorca

Auf der Plaça Espanya in Felanitx hüten die Einheimischen ihre Geheimnisse. Dabei geht es hier international zu

JOHANNES KRAYER

Felanitx gehört zu den Orten, durch die man oft nur durchfährt auf dem Weg zum Strand. Dabei ist die zentrale Plaça Espanya, im Volksmund auch wegen der zahlreichen Palmen Plaça de les Palmeres genannt, ebenfalls einen Stopp wert.


Die Bank-Bekanntschaft
Um 18 Uhr ist noch nicht viel los. Auf einer der Bänke sitzt Joan Bauzá (31) und versucht, seine 15 Monate alte Tochter Claudia im Blick zu behalten. Claudia watschelt über den Platz und stöbert im Beet unter der Statue der Inmaculada Concepción (Unbefleckte Empfängnis). Bauzá wohnt auf einer Finca nahe Felanitx und kommt gerne mal abends mit Frau und Tochter auf die Plaza. Hier kann er abschalten und alte Bekannte treffen. Tagsüber arbeitet er in der IT-Abteilung des balearischen Bildungsministeriums. Abends sinniert er darüber, dass sich Felanitx in den vergangenen Jahren stark verändert habe. Früher sei der öffentliche Nahverkehr miserabel gewesen, inzwischen fährt Bauzá jeden Tag mit dem Bus nach Palma zur Arbeit.


Das Geschäft am Platz
Im Schreibwarenladen Can Randa scheint sich unterdessen das ganze Dorf zu treffen. Maria Obrador und Margalida Vadell schmeißen den Laden und kennen quasi jeden Kunden mit Namen. Das Geschäft, das hier seit mehr als 50 Jahren steht und von Bernardo Montserrat und seiner Frau Catalina Rosselló gegründet worden war, verkauft so ziemlich alles, was man mit auf eine einsame Insel nehmen würde – oder auch nicht: Zeitungen und Zeitschriften aus aller Herren Länder, Zigaretten, Spielzeugautos, Hüte, Strandschuhe, Porno-DVDs. Inzwischen führt das Geschäft Joan Montserrat, der Sohn der Gründer. An der Wand findet sich noch eine Preisliste von 1969.


Der Barbesuch
1969 scheint ein bedeutendes Jahr an der Plaça Espanya gewesen zu sein. Denn seitdem gibt es auch die Bar „Ses Palmeres“, die inzwischen „Can Felia“ heißt. Dorthin geht es auf Margalidas Empfehlung zum bocadillo-Test. Die caña kommt von Mahou, wird angenehm kühl serviert und ist mit 1,50 Euro für 0,33 Liter preislich in Ordnung. Unter einem bocadillo mit jamón serrano stellt man sich zwar gemeinhin etwas anderes vor, aber Felanitx ist eben sehr mallorquinisch. Deshalb bekommt der Gast ein pa amb oli vorgesetzt, lecker garniert mit Oliven, Tomaten, Zwiebeln und Paprika. Nur der jamón, der kommt leider nicht direkt vom Schweinebein, sondern mutmaßlich aus dem ebenfalls am Platz gelegenen Eroski-­Supermarkt. Doch für 3,50 Euro kann man anderes kaum erwarten. Die Bar ist gut besucht, es sind fast ausschließlich ältere Männer, die sich lautstark über – na was wohl? – Fußball unterhalten.


Das Publikum
Der Platz, auf dem sonntags Markt gehalten wird, füllt sich gegen 19.30 Uhr schlagartig. Schatten gibt es nun reichlich. Familien mit Kinderwagen, Pärchen, ältere Menschen: Vertreten sind alle Altersklassen und viele Nationalitäten. Wer genau hinhört, schnappt Wortfetzen in Spanisch, Mallorquinisch, Englisch, Französisch und sogar Arabisch auf. Neben Einheimischen dominieren aber vor allem Deutsche das Geschehen.


Der Dorfklatsch
Der Versuch, mit weiteren Einheimischen in Kontakt zu treten, um Dorftratsch zu erfahren, misslingt. „Ich spreche nicht gerne mit Journalisten“ oder „Hier gibt es keinen Klatsch und Tratsch, wir machen hier so etwas nicht“, lauten die Antworten. Man spreche eben über die Dinge, die im Ort so passieren, wie etwa über einen Notar, der als jüngster in Spanien seinen Abschluss gemacht hat. Klar.


Die Sehenswürdigkeit
Und in der Mitte des Platzes thront die Jungfrau Inmaculada Concepción eines Künstlers aus Felanitx und beobachtet seit dem 5. Dezember 1954 das lebhafte Treiben. Sie kennt den Dorfklatsch, nur kann sie ihn leider nicht erzählen.

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