Sightseeing

Jardins de Natzaret: Labyrinth zum schönen Ausblick

17 Stimmen

Palma de Mallorca - Mallorca

Rundgang in der Anlage an Palmas Paseo Marítimo: Die restaurierten Gartenanlagen wurden jetzt für Besucher geöffnet

BARBARA POHLE

Die Orientierung hält nur kurze Zeit an – schon bald geht sie auf den verschlungenen Pfaden verloren. Und wenn doch ein Stück Weg geradeaus führt, teilt es sich sogleich, weil in der Mitte auf Steinmauern ein Hochbeet errichtet ist. Dort sind dicht an dicht Bodendecker und Stauden gepflanzt, vorwiegend mediterrane Gewächse, die mit den Niederschlägen des Winters auskommen.


Seit Ende Juni kann sich jedermann an Wochentagen vier Stunden lang in den Jardins de Natzaret aufhalten. Wenn die ersten Besucher um 10 Uhr ihren Rundgang starten, ist es auch an heißen Tagen noch kühl. Die Besichtigung beginnt auf einer Treppe, die zu einem Eingangstor aus Marès-Quadern führt. Von dort aus geht es auf mit Natursteinen gepflasterten Wegen, die rechts und links von Trockenmauern gesäumt sind, in Richtung Hafenbecken Can Barberà.


Die meist im Mittelmeerraum heimischen Pflanzen blühen im Frühjahr üppig. Doch auch jetzt im Sommer lässt sich ihre Vielfalt erkennen: Duftgeranien, Clivien, viele Aloe-Arten, das Strauchige Brandkraut und die auf der Insel seltene China-Rose multabilis sind anzutreffen. Nicht von der Blüte abhalten lassen sich Sommerblüher wie das Afrikanische Löwenohr mit orangefarbenen Blüten, der westindische Frangipani mit gelb-weißen Blütenständen sowie Oleander und Bougainvilleen.


Beeindruckend sind auch riesige Kiefern, Yuccas, Tamarinden, Oliven-, Johannisbrot- und Erdbeerbäume. Doch noch verwehren diese auf dem Weg nach oben den Blick auf die Bucht. In ihrem Schatten trifft der Besucher auf lauschige Plätze mit Steinbänken, die nur so groß sind, dass ein Paar Platz findet. „Das ist typisch für Gärten im Stil der Romantik, die Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurden“, sagt Landschaftsarchitekt Antonio García-Delgado, der für die Neugestaltung des Anlage verantwortlich ist.


Auch das Konzept für die Gärten von Raixa, dem ebenfalls inzwischen zugänglichen Landgut bei Bunyola, stammt aus seiner Feder. Sowohl Raixa, als auch das Grundstück, auf dem sich die neu eröffneten Jardins de Natzaret befinden, gehörten zu den Besitztümern von Kardinal Despuig (1745-1813). „Er wollte hier seine Skulpturensammlung einrichten“, sagt der Landschaftsarchitekt. Der Kirchenmann hatte sich dann aber doch für Raixa entschieden.


Die Natzaret-Gärten sind aber auch so ein historisches Zeugnis aus einer Zeit, als die reichen Insulaner vom Meer aus auf den Pfaden lustwandelten. Heute führen die Wege bis auf die Höhe der Carrer Joan Miró. Es ist das Herzstück des Anwesens Terreno, das sich ursprünglich bis hinauf zum Castell Bellver ausbreitete und dem späteren Stadtviertel vor den Toren Palmas seinen Namen gab. Das Landgut wurde nach der Kardinal-Despuig-Ära mehrmals weiter­vererbt und parzelliert – bis es Carmen Rubert 1923 der Stiftung Natzaret vermachte. Die Einrichtung kümmert sich um benachteiligte Kinder und feiert dieses Jahr den 90. Jahrestag ihres Bestehens.


Spuren der ungewöhnlichen Arbeit mit Kindern findet man auf einem der miradors – eine halbrunde Terrasse mit einer Steinbank für mehrere Personen. Gegenüber ist eine Schiefertafel befestigt. „Hier übten die Kinder der Stiftung Musik“, erklärt García-Delgado.


Noch immer geht es weiter bergauf. Wenn der Besucher auf der Höhe der Carrer Joan Miró angekommen ist, auf der sich das Gebäude der Einrichtung befindet, hindert ein Wachmann am Weitergehen: Das ebene Stück Garten ist für die Kinder der Stiftung reserviert.


Nur einen kurzen Blick in den hauseigenen Gemüsegarten gestattet er. „Es gibt Pläne, ihn in Zukunft auch noch zu erweitern“, sagt José Antonio Aguiló vom Inselrat. Der Consell hat die Gartenanlage 2003 von der Stiftung Natzaret übernommen und sie unter Denkmalschutz (Bien de Interés Cultural, BIC) gestellt. Der historische Garten war zu dieser Zeit eines von vielen verwüsteten Brachen. Nur Gemälde erinnerten an das ehemalige Schmuckstück, das vor dem Bau des Paseo Marítimo ans Meer grenzte. Ab 2006 wurde der Garten restauriert. Den Löwenanteil der Arbeit leisteten die margers, die Mauerbauer des Consell, und Gärtner legten im Rahmen ihrer Berufsausbildung Beete an. 2012 wurde der Garten für Besuchergruppen nach Voranmeldung eröffnet.


Für den Rundgang sollte man eine knappe Stunde veranschlagen und dabei den am höchsten gelegenen Aussichtspunkt nicht verpassen: An Beeten, die mit Bleiwurz und Indischem Blumenrohr bepflanzt sind, betritt der Besucher den Mirador de la Senyora. Es handelt sich um eine Art Balkon, dessen Boden mit Natursteinmosaik ausgelegt ist. Von einem Kreis in der Mitte gehen sternförmig acht Felder ab. Doch das ist nicht alles: Von hier aus bietet sich eine spektakuläre Aussicht auf die Bucht von Palma: Das Panorama reicht vom Cap Blanc zur Linken bis zur Torre Pelaires auf der rechten Seite.

 

So geht's hin

 

Der Eingang befindet sich am Paseo Marítimo, linker Hand der Disco Pachá. Mo-Fr 10-14 Uhr. Eintritt frei. Ein Faltblatt informiert über Wege, Aussichtspunkte und 35 Pflanzenarten. Verboten ist neben Rauchen auch das Pflücken von Pflanzen, das Tragen von Schuhen mit Absätzen sowie das Mitführen von Hunden.

Fotogalerie

Karte