Sightseeing

Picknicken mit Aina

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Esporles - Mallorca

MZ-Kolumnist Steve Keller hat einen Mallorca-Führer für Familien mit Kindern veröffentlicht. Unsere Leseprobe stellt Son Mas vor, eine Finca bei Esporles

STEVE KELLER

Jenseits der Küsten finden sich auf der Insel allerhand teils sogar urige Orte, die man auch mit Kindern besuchen kann, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass diese sich fast zu Tode langweilen könnten. Und die einem breiteren Publikum gar nicht mal so bekannt sind.


Mitten in der Serra de Tramuntana beim schönen Dorf Esporles liegt etwa ein Kleinod namens Son Mas. Dieses Anwesen ist eines von vielen auf der Insel, das im Rahmen des sozio-ökonomischen Wandels von der Landwirtschaft zum Tourismus viele Jahre lang brach lag, weil sich die Bewirtschaftung nicht mehr lohnte oder die Erben andere berufliche Wege einschlugen. Doch gibt es immer wieder junge und traditionsbewusste Mallorquiner, die die Herausforderung annehmen und die Höfe wieder aufbauen beziehungsweise mit Mischkonzepten aus Herberge, Ausflugsort und leichter Landwirtschaft bewirtschaften.


Und genau das haben Aina und ihre beiden Schwestern mit Son Mas vor. So ist ein Besuch dieser privaten Finca aus dem Jahre 1847, die seit Mai 2013 Besuchern offensteht, mehr als nur eine Wanderung. Sie blicken ganz tief in die mallorquinische Seele und werden zu einem Teil dieses nachhaltigen Projektes, weshalb sich die drei vom Besucher eine besondere Sensibilität für die Natur bzw. Kultur wünschen.


Eine Stunde dauert die kleine, recht intensive Wanderung über das Anwesen. Angefangen beim stattlichen Haus selbst, geht es zur benachbarten Kirche Son Mas samt ihrem von Zypressen gerahmten Garten. Es gibt einen Taubenschlag, den noch der Großvater selbst gezimmert hat, und eine kleine Grotte, aus der früher Quellwasser sprudelte und die Ainas Ahnen zu Ehren der Madonna von Lourdes bauten. Vor dem Eingang grüßt der große mallorquinische Theologe und Logiker Ramon Llull (1232-1316) in Form einer Statue.


Gleich hinter der Kirche beginnt dann der Wanderrundweg. Nach 300 Metern erreicht man zwei große Becken, die das Wasser der benachbarten Bergquelle zurückhalten. Ein herrlicher Platz mit Bänken, an dem wir später picknicken werden. Gleich oberhalb der Quelle ist eine weitere Grotte.


Hinter dem Picknickplatz folgen wir dem Weg links und gehen langsam durch die Oliventerrassen bergauf. Nach 20 Minuten haben wir den höchsten Punkt erreicht und eine tolle Sicht auf die Berge und auf Esporles. Nun folgen wir den schwarzen Pfeilen bis zu einem Tor. Eine Kletterleiter für Wanderer steht bereit. Ein Kiefernwald empfängt uns. Den schwarzen Pfeilen folgend wandern wir dann langsam wieder hinunter. Nun sind es Steineichen, die den Wald bilden. Alles ist hier viel enger und schattiger. Begegnungen mit Nutztieren wie Eseln, Ziegen und Schafen sind ­entlang des gesamten Weges möglich, und wenn man die Kinder fragt, sicherlich auch erwünscht. Eine weitere Leiter wartet auf uns, dann noch ein kleiner Abstieg und wir sind wieder an dem Picknickplatz von vorhin.


Nun folgt das eigentliche Highlight des Ausflugs: das mallorquinische Picknick. Aina bringt es zum verabredeten Zeitpunkt zum Picknickplatz. Und da kommt die große Inselspezialität ins Spiel, nämlich das Pa amb Oli (kurz pamb‘oli), ein Rezept aus dem 18. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um ein ­ungesalzenes Landbrot, welches meist im Ofen leicht angebacken oder getoastet wird. Schließlich reibt man Tomate sowie Knoblauch darauf und garniert es mit ein paar Tropfen Olivenöl. Die Reihenfolge variiert allerdings von Region zu Region, von Familie zu Familie. Dieses getränkte Brot darf dann nach Herzenslust mit Käse oder Schinken belegt werden. Dazu gibt es weitere typische mallorquinische Speisen und Getränke. Natürlich darf Obst von der Finca nicht fehlen, ebenso wenig wie die coca salada, eine typische Gemüsepizza der Insel.


Im Gegensatz zur nicht weit entfernten La Granja geht es hier nicht um eine museale Aneinanderreihung von Gegenständen oder historischen Zeugnissen für Touristen. Auf der Finca Son Mas kann man hautnah miterleben, wie viele Mallorquiner auf dem Land früher und auch teilweise heute noch leben. Wer Zeuge davon sein möchte, wie drei sehr freundliche Schwestern versuchen, eine alte possessió, ein altes Anwesen, inmitten wunderbarer Landschaft wieder zum Leben zu erwecken, der sollte unbedingt zur Finca Son Mas fahren.


Anfahrt von Palma: 100 Meter nach der Tankstelle am Dorfeingang von Esporles nach links abbiegen. Der Rundweg ist etwa 3 km lang, gut ausgeschildert, und man ist eine Stunde unterwegs. Preise: Nur Wanderung: Erwachsene 4 Euro, Kinder 2-10 Jahre 3 Euro. Wanderung und kleines Picknick: Erwachsene 8 Euro, Kinder 2-10 Jahre 6 Euro (großes Picknick: 12 bzw. 8 Euro). Eine telefonische Reservierung wird dringend empfohlen: 678-46 44 51. www.fincasonmas.es

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